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Astronomie: Kometenwolke quillt auf Sonnengröße

Gigantisches Objekt  

Kometenwolke quillt auf Sonnengröße

19.11.2007, 18:15 Uhr | Von Holger Dambeck, Spiegel Online, AFP

Der Komet 17P/Holmes wächst unaufhaltsam (Quelle: dpa)Der Komet 17P/Holmes wächst unaufhaltsam (Quelle: dpa) Erst überraschte der seltsame Komet 17P/Holmes mit einem gewaltigen Helligkeitsausbruch. Nun nimmt er rasant an Größe zu: Der Durchmesser des Schweifsterns übertrifft den unseres Zentralgestirns knapp. Holmes ist damit das größte Objekt im Sonnensystem - nur wie lange noch?

Europa im All

Rasant gewachsen
Er ist ein kleiner Klumpen aus dreckigem Eis - Durchmesser knapp vier Kilometer. Doch trotzdem kann der Komet 17P/Holmes ganz oben mitspielen - sozusagen in der Champions League unseres Sonnensystems. Denn seine Koma, jene durch die Wärme der Sonne erzeugte Gas- und Staubwolke um ihn herum, ist in den vergangenen Wochen rasant gewachsen. Mit 1,4 Millionen Kilometern gaben Astronomen der University of Hawaii ihren Durchmesser an. Zum Vergleich: Der Durchmesser der Sonne beträgt 1,39 Millionen Kilometer.

Größter Durchmesser
"Früher war die Sonne das größte Objekt im Sonnensystem", sagte Rachel Stevenson, jetzt stehe 17P/Holmes ganz oben. Stevensons Team hatte den Durchmesser des Schweifsterns, genauer gesagt seiner Koma, mithilfe des Canada-France-Hawaii Telescope (CFHT) bestimmt - nach Angaben der Forscher eines der wenigen professionellen Beobachtungsinstrumente, die den Kometen in seiner Gänze auf einem Bild erfassen können.

"Ungewöhnlich"
"Eine riesige Koma ist an sich nichts Besonderes", sagte Ulrich Christensen. Er leitet die Abteilung Kometen und Planeten am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau, wo auch 17P/Holmes beobachtet wird. Komas könnten sehr große Ausmaße annehmen, der Durchmesser erreichte meist einige hunderttausend Kilometer, erklärte der Astronom. "Eine Größe von mehr als einer Million Kilometern ist aber sicher ungewöhnlich." Es sei auch nicht unsinnig, die Größe der dünnen Gaswolke zu messen, sie zeichne sich scharf ab.

Mit bloßem Auge erkennbar
17P/Holmes hält Astronomen und Hobbysternengucker seit Wochen in Atem. Am 24. Oktober gab es die ersten Berichte über einen plötzlichen Anstieg der Helligkeit. Wenige Tage später stand fest, dass der Schweifstern binnen kürzester Zeit um den Faktor 500.000 heller geworden war. Seit dem Ausbruch lässt er sich mit bloßem Auge am Nachthimmel beobachten. Er befindet sich derzeit im Sternbild Perseus.

Komet verliert Masse
Bereits der enorme Helligkeitsausbruch hatte die Astronomen verblüfft. Nun staunen sie über das rasante Koma-Wachstum, das laut Berechnungen bei konstant 0,5 Kilometern pro Sekunde liegt. Und es ist kein Ende in Sicht. Die Koma werde sich wahrscheinlich noch weiter ausdehnen, sagte Stevenson von der University of Hawaii. Kometenforscher haben jedoch zugleich darauf hingewiesen, dass 17P/Holmes mit zunehmender Koma-Ausdehnung auch immer mehr Eis ins All verliert. "Er verliert permanent Masse", sagte Paul Roche von der Cardiff University gegenüber "Nature News". Der Komet könne deshalb verblassen und wieder ein normaler, unspektakulärer Schweifstern werden.

1892 entdeckt
Normal ist 17P/Holmes jedoch nicht. 1892 entdeckte der britische Sternforscher Edwin Holmes das Objekt, weil es schon damals eine zeitlang mit bloßem Auge sichtbar war. "Das war offenbar ebenfalls ein Helligkeitsausbruch", sagte Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, denn bereits kurz darauf war der Komet im Fernrohr nur noch als lichtschwaches Objekt zu erkennen. Ein zweiter, schwächerer Ausbruch folgte einige Monate später, im Januar 1893.

In sieben Jahren um die Sonne
Was genau hinter den Helligkeitsausbrüchen des Kometen steht, ist bislang unklar. "Wir haben das noch nicht ganz verstanden", sagte Christensen. Fest steht, dass 17P/Holmes knapp sieben Jahre für eine Runde um die Sonne braucht.

Sichtbarkeit nimmt ab
In den nächsten Tagen wird man den Schweifstern mit der riesigen Koma immer schlechter beobachten können. Schuld ist der Mond, der sich gerade in der zunehmenden Phase befindet. Sein immer stärkeres Streulicht überstahlt den Nachthimmel - und so zeichnet sich der Komet immer schwächer ab. Hal Weaver, Astronom an der Johns Hopkins University, gab allen Kometenfans deshalb den Rat, den abendlichen Blick zum Sternbild Perseus am nordöstlichen Teil des Himmels nicht auf die lange Bank zu schieben. "Machen Sie es bald, denn der Mond wird zum immer größeren Problem."

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