Sie sind hier: Home > Panorama > Wissen > Astronomie >

Mysteriöser Komet wächst auf doppelte Sonnengröße

Astronomie  

Mysteriöser Komet wächst auf doppelte Sonnengröße

23.11.2007, 10:34 Uhr | Von Holger Dambeck, Spiegel Online

Der Komet "17P/Holmes" wird immer größer (Foto: NASA)Der Komet "17P/Holmes" wird immer größer (Foto: NASA) Wie groß wird er noch? Der Komet 17P/Holmes rast durch unser Planetensystem und wächst mit enormer Geschwindigkeit: Der Durchmesser der Koma ist schon doppelt so groß wie die Sonne. Bald könnte er am Nachthimmel riesiger aussehen als der Mond.

Größtes Objekt im Planetensystem
Was Astronomen derzeit weltweit beobachten, dürfte einmalig sein: Erst erhöht der Komet 17P/Holmes seine Helligkeit um den Faktor 500.000, so dass er sogar mit bloßem Auge beobachtet werden kann. Dann dehnt sich seine Koma aus, die durch Sonnenwärme erzeugte Gas- und Staubwolke um ihn herum. Schon vor einigen Tagen überschritt ihr Durchmesser den der Sonne. Seitdem gilt der Komet als größtes Objekt in unserem Planetensystem - und die Expansion geht ununterbrochen weiter: "Es sieht so aus, dass der Durchmesser der Staubkoma jetzt schon 2,7 Millionen Kilometer beträgt", sagte Gunnar Glitscher.

Video Komet wächst rasant
Europa im All
Kosmische Entdeckung Strahlung aus dem Loch

"Sehr rätselhaft"
Glitscher leitet die Darmstädter Arbeitsgemeinschaft Astronomie und Weltraumtechnik. "Offenbar handelt es sich um ein explosionsartiges Ereignis", sagt er, "die Sache ist sehr rätselhaft."

Keine Gefahr für die Erde
Die große Frage: Wie riesig wird 17P/Holmes noch? Klar ist, dass von dem Himmelskörper kein Risiko für die Erde ausgeht. Ein Komet kann nur dann gefährlich werden, wenn sich seine Umlaufbahnen mit jener der Erde kreuzt. Das ist bei 17P/Holmes nicht der Fall, er umkreist die Sonne stets in sicherem Abstand zur Erde. Außerdem nimmt seine Entfernung zur Erde seit dem 7. November wieder zu, wie ein Orbit-Diagramm der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigt.

Fast doppelt so groß wie die Sonne
Glitscher stützt seine neue Kalkulation über die Größe der Kometen-Koma auf eigene Messungen des Komadurchmessers. Dieser liege derzeit bei 38 Bogenminuten. Eine Zahl, die auch andere Astronomen bestätigen. Weil 17P/Holmes zurzeit etwa 1,65 Astronomische Einheiten (AE) von der Erde entfernt sei, betrage der Durchmesser etwa 2,7 Millionen Kilometer. Damit ist die Koma fast doppelt so groß wie der Sonnendurchmesser von 1,39 Millionen Kilometern. Die Sonne ist im Mittel eine Astronomische Einheit von der Erde entfernt.

Schnappschüsse von Hobbyastronomen
Die Faszination für den rätselhaften Kometen kennt keine Grenzen. Auf Webseiten wie spaceweather.com veröffentlichen Hobbyastronomen aus der ganzen Welt ihre Schnappschüsse, die teils sogar allein mit dem Teleobjektiv einer Kamera entstanden sind.

"Wie ein Nebel"
"Ich war zunächst skeptisch, als ich das erste Mal von dem Kometen hörte", sagt Anthony Arrigo. Er lebt in Park City im US-Bundesstaat Utah und betreibt unter adventuresinastrophotography.com eine eigene Astro-Internetseite. Als er 17P/Holmes zum ersten Mal gesehen habe, sei er tief beeindruckt gewesen: "Der Komet sah aus wie ein Nebel."

Kleiner Schweif
"Dieser Komet ist einzigartig", sagt Mila Zinkova aus San Francisco, die den Schweifstern (der nur einen winzigen Schweif hat) ebenfalls intensiv beobachtet. Sie habe schon viele teils einzigartige Fotos von Kometen geschossen. Aber Holmes fasziniere sie am meisten.

Was steckt dahinter?
Die Astronomen rätseln, was hinter den Helligkeitsausbrüchen des Kometen und der rasanten Komaexpansion steckt. "Wir haben das noch nicht ganz verstanden", sagt Ulrich Christensen, Leiter der Abteilung Kometen und Planeten am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. "Eine riesige Koma ist an sich nichts Besonderes" - aber ein Durchmesser größer als die Sonne sei schon ungewöhnlich.

Erster Ausbruch 1892
17P/Holmes wurde 1892 von dem britischen Sternforscher Edwin Holmes entdeckt, weil er schon damals eine Zeitlang mit bloßem Auge sichtbar war. Damals dürfte es sich um einen ähnlichen Helligkeitsausbruch gehandelt haben wie jener, der vor knapp einem Monat am 24. Oktober beobachtet wurde. Ein zweiter, schwächerer Ausbruch folgte einige Monate später, im Januar 1893. Der aus Eis bestehende Kometenkern ist nicht mal vier Kilometer groß. Ein Umlauf um die Sonne dauert knapp sieben Jahre.

Dreimal größer als der Mond?
Für Frank Brenker, Kometenforscher an der Universität Frankfurt, kommen zwei Theorien in Frage: Entweder sei 17P/Holmes mit einen anderen Objekt kollidiert. Oder es handle sich um einen Ausbruch, wie man ihn schon öfters bei Kometen beobachtet hat, wenn sie durch die Sonne aufgeheizt würden. Gegen die zweite These spreche jedoch die derzeit große Entfernung zur Sonne. "Die Impact-Theorie klingt am plausibelsten", sagt Brenker. Allerdings sei eine solche Kollision mathematisch gesehen sehr unwahrscheinlich.

Ursache unklar
Der Darmstädter Hobbyastronom Glitscher vermutet, dass eine Explosion die Ausdehnung der Koma ausgelöst hat. Sie könnte von einem großen Teil der Kernoberfläche oder der Schicht direkt darunter ausgegangen sein. Dies würde auch die Kugelschalenform der Koma erklären. "Eventuell liegen nicht nur physikalische Vorgänge zu Grunde, sondern auch chemische", sagt Glitscher - zum Beispiel die Bildung und Zündung energiereicher Substanzen. "Die kommenden Wochen sind sehr spannend, und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass sich der Vorgang wiederholt."

Geisterhafte Nebelscheibe
Wenn man annimmt, dass sich die Koma mit unverminderter Geschwindigkeit weiter ausdehnt, wird 17P/Holmes nach Glitschers Schätzung am Jahresende etwa dreimal größer als der Vollmond erscheinen. Der Komet werde von dunklen Beobachtungsorten aus immer noch mit bloßem Auge als geisterhafte Nebelscheibe erkennbar sein. "Kein heute lebender Mensch dürfte Derartiges schon mal gesehen haben."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
„Das ist die Apple Produktwelt. Das ist OTTO“
jetzt zum Shop
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018