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Victoriasee: Afrikas größter See "ist zum Sterben verurteilt"

Experten fürchten um Victoriasee  

Afrikas größter See "ist zum Sterben verurteilt"

28.12.2007, 13:16 Uhr | Von Eva Krafczyk, dpa

Die Idylle trügt: Viele Probleme machen Afrikas größten See, dem Victoriasee, zu schaffen (Quelle: Reuters)Die Idylle trügt: Viele Probleme machen Afrikas größten See, dem Victoriasee, zu schaffen (Quelle: Reuters) Geoffrey Obure verdient seinen Lebensunterhalt schon seit 15 Jahren als Fischer auf dem Victoriasee, doch so schlimm wie jetzt war die Lage an Afrikas größtem Binnensee noch nie. "Vor zehn Jahren konnten wir auf den See fahren und kamen mit der vierfachen Menge Fisch von dem zurück, was wir heute fangen", klagt der 34-Jährige Kenianer aus Kisumu. Die umstehenden Fischer der Genossenschaft von Dunga Beach nicken. Sie alle kennen die Probleme, klagen über schlechten Fang und Einkommensrückgänge.

Von Schlingpflanzen gefesselt
"Wir versuchen zu überleben", sagt der 20 Jahre alte Steve Bokumu. "Aber es gibt immer weniger Fische, es gibt immer weniger Tilapia, der die besten Preise bringt." Obure zeigt auf den grünen Pflanzenteppich, der sich um die Boote am Ufer webt. Auch sein eigenes Boot, die "Nafwa Nakoli" ist von langstieligen Schlingpflanzen umgeben, regelrecht an den Strand gefesselt. "Es gibt viele Faktoren, aber die Wasserhyazinthe ist unser größtes Problem", sagt er. "Wir können Tag für Tag zusehen, wie sie über den See wächst und ihn erstickt. Wenn wir doch nur große Maschinen hätten, um sie überall aus dem See zu ziehen, dann könnten auch die Fische überleben."

Der Victoriasee aus dem Weltall gesehen: Nach dem Kaspischen Meer und dem Oberer See ist er der drittgrößte der Welt (Quelle: Google Earth)Der Victoriasee aus dem Weltall gesehen: Nach dem Kaspischen Meer und dem Oberer See ist er der drittgrößte der Welt (Quelle: Google Earth) Dramatisch wie nirgends sonst
Sechs Kilometer entfernt, an einem beliebten Uferstück in Kisumu, wo sich ein Fischrestaurant an das nächste drängt und Kleinbusfahrer ihre Fahrzeuge mit reichlich Seifenschaum waschen, ist vom drittgrößten See der Erde (nach dem Kaspischen Meer in Asien und dem Oberer See in Nordamerika) nicht mehr viel zu sehen. Hier hat die Wasserhyazinthe ganze Arbeit geleistet, ein riesiges Areal ist völlig zugewachsen. Die Pflanze war ursprünglich nicht in Afrika heimisch. Ohne natürliche Feinde wurde sie zur Heimsuchung nicht nur des Victoriasees. Doch da der See für rund 30 Millionen Menschen in Kenia, Tansania, Uganda, Burundi und Ruanda die Lebensgrundlage bedeutet, ist die Lage hier so dramatisch wie nirgends sonst.

Vieles kommt zusammen
"Der See ist zum Sterben verurteilt", warnt auch der kenianische Wissenschaftler Eric Odada, der seit Jahren die Umweltbedingungen am zweitgrößten See der Welt untersucht. Vieles komme zusammen - die Wasserhyazinthe, die den Fischen den Sauerstoff raubt, der gefräßige Nilbarsch, der wie die Pflanze eingeschleppt wurde und heimische Arten verdrängt, Erosion am Seeufer durch Abholzung, der Anstieg der Wassertemperatur durch den Klimawandel und die Düngemittel der Teeplantagen im nahen Hochland, die durch Niederschläge und Grundwasser in den See gelangen.

Warnungen nicht neu
Der Victoriasee ist dem Kollaps nahe. Bereits jetzt gibt es nur noch 20 Fischarten, einst waren es 55, sagte Odada. Es bestehe durchaus die Gefahr, dass der See infolge der Umweltschäden austrocknet. Dabei warnen Wissenschaftler und Umweltexperten schon seit Jahren vor den Folgen des Überwucherns der Seeoberfläche durch die Schlingpflanzen. Doch die Pflanzen zu zerhäckseln brachte nur vorübergehend Besserung, der Einsatz von Pflanzengift oder Schädlingen wurde zwar erprobt, gilt aber wegen der unkontrollierbaren Nebenwirkungen als zu riskant.

"Wasser ist ungesund geworden"
Die Fischer von Dunga Beach fürchten um ihre Zukunft. "Früher haben wir das Wasser aus dem See zum Kochen und Trinken benutzt, aber das machen wir nicht mehr, es ist ungesund geworden", erzählt Geoffrey Obure. "Wir haben durchgesetzt, dass an unserem Ufer nicht mehr mit Seife gewaschen wird, denn wenn das Wasser schmutzig ist, können auch die Fische nicht überleben."

"Wir haben nicht die Macht"
"Wir können Lärm machen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen, aber wir haben nicht die Macht, um die notwendigen Veränderungen durchzusetzen", bedauert Bokumu, der seit fünf Jahren als Fischer arbeitet. In schlechten Monaten verdienten die Fischer umgerechnet nicht einmal 20 Euro, in guten das Zehnfache. Aber die guten Monate werden immer seltener, berichten die Fischer: "Und wenn wir nicht mehr vom Fischfang leben können, steht unser ganzes Dorf vor dem Aus."

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