Von Alice Gundlach und Ruth Preywisch
Am 17. Januar sah man in Norddeutschland und Skandinavien einen Lichtblitz über der Ostsee. Eine schwedische Webcam hielt das helle Spektakel fest. Schnell war klar: es muss sich um einen Meteoriten gehandelt haben. Der deutsche Meteoritenjäger Thomas Grau fand nun die dazugehörigen Gesteinsbrocken: auf der dänischen Insel Lolland.
Zuerst ließ sich der Spezialist für Meteoritenkunde die Kameraaufnahmen von dem Blitz zeigen. Dann befragte er Augenzeugen an mehreren Orten - das Geräusch war schließlich bis nach Rostock zu hören. Das sichtbare Nachglühenden, die lauten Geräusche: dem Forscher war schnell klar, dass der Meteor nicht ins Meer gerauscht war, sondern an Land detonierte.
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Gestein "so alt wie das Universum"
"Es handelt sich um einen besonders seltenen Meteoriten, einen kohligen Chondriten", berichtet Mark Vornhusen vom Wetterdienst Meteomedia. Er hatte Grau bei der professionellen Suche nach dem Stein unterstützt. Nur etwa vier Prozent aller Meteoriten, die auf der Erde einschlagen, sind solche kohligen Chondriten. Die Kruste der Gesteinsstücke ist pechschwarz und aus Kohlenstoff. Im Inneren des Meteoriten erkennt man kleine helle Silikatkügelchen, die so genannten Chondren. "Diese Brocken haben sich seit 4,5 Milliarden Jahren nicht verändert, sie sind aus dem Urgestein des Universums", sagt Vornhusen. "Der Stein trägt bestimmt Überraschungen in sich", ist auch Grau überzeugt. "Vielleicht birgt er sogar organische Chemie."
Eine Kamera filmte die mysteriöse Himmelserscheinung (Foto: sydsvenskan.se)
Steine liegen schon im Museum
Mittlerweile sind die Meteoritenbrocken, die Grau ausfindig gemacht hat, im Geologischen Museum von Kopenhagen. Dort werden sie schon ab diesem Wochenende ausgestellt. Auch den kleinen Krater, in dem Grau die Steine fand, hat er ausgegraben und mitgegeben. Die Fundstücke gehören offiziell dem Land Dänemark, Grau darf sie nicht behalten. Doch er erhält ein Honorar für seine Arbeit. "Wer erfolgreich Meteoriten findet, kann sich auch finanzieren", sagt er. Und betont, dass er keineswegs Hobbyforscher ist. Im Gegenteil, dass europäische Feuerkugelnetzwerk, bei dem er mitarbeitet, ist fast einzigartig auf der Welt.
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Menschen auf Lolland bemerkten nichts
Doch warum bemerkten die Menschen auf Lolland nicht, dass auf ihrer Insel ein Meteorit einschlug? "An diesem Tag war es dort sehr bewölkt", erklärt Wetterexperte Vornhusen. "Den Blitz hat man nur über den Wolken gesehen." Dazu sei der Meteorit lange vor seinem Einschlag in viele kleine Teile zerplatzt, die dann "in normaler Fallgeschwindigkeit" auf die Erde prasselten. "Als würde man Steine von einem Hochhaus werfen", sagt Vornhusen. Außerdem seien die Meteoriten so schnell, dass man sie nur schwer lokalisieren kann, ergänzt Grau. "Die Leute nehmen das einfach falsch wahr."Museum ruft zur weiteren Suche auf
Nun hat das Museum auch die Einwohner von Lolland dazu aufgerufen, nach noch mehr Teilen des Meteoriten auf ihrer Insel zu suchen. Als Hilfe bietet das Museum auf seiner Homepage eine Karte an, die das Gebiet, auf dem Trümmerteile wohl noch zu finden sind, eingrenzen soll.
