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Nordkorea: Waffenbauer steigern die Sprengkraft

Forscheranalyse des Atomtests  

Kims Waffenbauer steigern die Sprengkraft

26.05.2009, 10:12 Uhr | Von Holger Dambeck, Spiegel Online

Südkoreanischer Forscher vor seismologischen Kurven, die den Zeitpunkt der Detonation markieren (Foto: Reuters)Südkoreanischer Forscher vor seismologischen Kurven, die den Zeitpunkt der Detonation markieren (Foto: Reuters)

Eine Explosion wie zehn Kilotonnen TNT: Der mutmaßliche Atomtest in Nordkorea hatte laut deutschen und russischen Experten eine viel größere Wucht als beim ersten Versuch 2006. Endgültige Belege fehlen noch, doch den Indizien zufolge ist Nordkoreas Atomprogramm sehr ernst zu nehmen.

Am Montagmorgen gegen 3 Uhr registrierten Seismografen weltweit eine Erschütterung in Nordkorea. Die Experten vom US Geological Survey (USGS) gaben eine Magnitude von 4,7 an. Das Epizentrum 80 Kilometer nordwestlich der Stadt Kilchu im Nordosten des Landes lag verdächtig nahe an jener Stelle, wo Nordkorea am 9. Oktober 2006 eine Atombombe unterirdisch gezündet hatte - zum ersten Mal in der Geschichte des Landes.

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Stärkere Explosion als 2006

Kurz nach 4 Uhr schickten die Nachrichtenagenturen die ersten Eilmeldungen um die Welt, dass Nordkorea erneut einen Atomtest durchgeführt habe. Sie beriefen sich auf eine Mitteilung des staatlichen nordkoreanischen Mitteilungsdiensts KCNA - ihr zufolge war die Explosion diesmal stärker als 2006. Dass dies tatsächlich stimmen könnte, zeigt der Vergleich der seismischen Daten der beiden Explosionen.

Beben der Stärke 4,7

2006 ermittelte der USGS eine Magnitude von 4,3. Anfangs zweifelten Experten sogar, ob es sich überhaupt um eine Atomexplosion gehandelt hat. Am Montagmorgen maßen die Seismografen ein Beben der Stärke 4,7. Sofern die geologischen Gegebenheiten am Ort der Explosion vergleichbar sind, dürfte es sich also tatsächlich um eine stärkere Explosion handeln. Um eine deutlich stärkere sogar - denn die Magnitude wird mit einer Logarithmusfunktion aus der zugrundeliegenden Energie berechnet. Der Unterschied zwischen 4,3 und 4,7 ist also viel größer, als es die Nachkommastellen glauben machen.

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Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen

Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge hatte die Atomexplosion eine Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen, sagte ein Sprecher nach Angaben der Agentur Interfax. 10 bis 20 Kilotonnen - das entspricht fast der Sprengkraft jener beiden Atombomben, die die USA im Sommer 1945 über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen haben. Hunderttausende Japaner kamen dabei ums Leben. Umso verständlicher, wie heftig die Reaktionen vor allem Japans, aber auch Südkoreas auf den mutmaßlichen Atomtest ausfallen.

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Deutlich höhere Ladungsstärke

Auch in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover geht man davon aus, dass es sich um einen Atomwaffentest handelte. In dem Gebiet gebe es "nur eine sehr geringe Erdbebentätigkeit", teilte die BGR mit. "Aus der ermittelten Magnitude 4,7 lässt sich auf eine Ladungsstärke von ungefähr zehn Kilotonnen schließen, die damit erheblich über der Ladung des ersten Versuchs (eine Kilotonne) liegt."

Noch keine Beweise

Auch wenn alles tatsächlich auf einen unterirdischen Atomtest hindeutet - nachgewiesen ist dieser noch nicht endgültig. Auf den Seismogrammen, die das Zittern der Erde in Diagrammen abbilden, können Forscher in der Regel nur erkennen, ob ein Beben natürliche Ursachen hat oder auf eine Explosion zurückgeht. Ob es sich aber um eine nukleare oder um eine chemische Detonation handelt, verraten die Diagramme kaum.

Nachweis sehr schwierig

Den Beweis eines Atomtests liefern erst radioaktive Spaltprodukte oder freigesetztes Xenon. Bei dem Atomtest im Oktober 2006 dauerte es mehrere Tage, bis die USA bekanntgaben, dass es sich tatsächlich um eine nukleare Explosion gehandelt hat. US-Geheimdienste und Militärs hatten unter anderem mit Flugzeugen Luftproben in der Region eingesammelt. Der Nachweis kann sehr schwierig sein, sagt Thomas Hoffmann vom Geoforschungszentrum Potsdam im Gespräch mit "Spiegel-Online". "Wenn die unterirdische Explosionsstelle gut abgedichtet ist, gelangen kaum radioaktive Partikel in die Atmosphäre."

Forscher hoffen auf Winde

Hinzu kommt, dass Forscher nicht vor Ort messen können. Sie müssen vielmehr darauf hoffen, dass stetige Winde genügend Reaktionsprodukte in Richtung ihrer Messgeräte transportieren. Diese fangen die radioaktiven Partikel entweder mit feinen Filtern auf - oder aber sie messen die Menge des Edelgases Xenon, das bei Nuklearexplosionen ebenfalls freigesetzt wird.

Ständige Verstöße gegen Teststopp-Moratorium

Der erste Atomtest fand am 16. Juli 1945 im US-Bundesstaat New Mexico statt. "Trinitity" hieß die Bombe mit einer Sprengkraft von 20 Kilotonnen, die überirdisch gezündet wurde. Bis Anfang der neunziger Jahre führten die USA, die Sowjetunion Großbritannien und Frankreich mehr als 2000 Tests durch - die meisten davon unterirdisch. Seit 1996 besteht de facto ein Teststopp-Moratorium, gegen das jedoch Indien, Pakistan und Nordkorea verstoßen haben.

USA brauchen keine Tests mehr

Wenn der geplante Kernwaffenteststopp-Vertrag (CTBT) in Kraft tritt, würde die in Wien ansässige Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) seine Einhaltung überwachen. Die CTBTO baut derzeit die Infrastruktur auf, um Kernwaffentests zuverlässig identifizieren zu können. Staaten wie die USA oder Russland sind auf reale Tests allerdings jedoch kaum noch angewiesen. Sie haben genügend Messdaten aus Hunderten von Atomtests, mit deren Hilfe sie nukleare Explosionen am Computer simulieren können.

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