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Astronomen entdecken "Selbstmordplaneten"

Astronomen entdecken "Selbstmordplaneten"  

Die verhängnisvolle Reise eines Riesenplaneten

27.08.2009, 11:37 Uhr | dapd

Ein extrasolarer Planet umkreist seine Sonne (Computergrafik: ESA/C.Carreau)Ein extrasolarer Planet umkreist seine Sonne (Computergrafik: ESA/C.Carreau)

Auf der Suche nach neuen Phänomenen im All sind Astronomen jetzt auf einen besonders ungewöhnlichen Himmelskörper gestoßen: einen "Selbstmordplaneten". Der Planet ist so groß, dass er mit seiner Anziehungskraft gigantische und für ihn letztlich verhängnisvolle Plasmaströme auf seiner nahegelegenen Sonne hervorruft, berichtet sein Entdecker, der Brite Coel Hellier, im Wissenschaftsmagazin "Nature". Die Plasmaströme auf der Sonne beeinflussen wiederum die Umlaufbahn des Planeten "WASP-18b". Die Folge: Der seltsame Riese trudelt in einer Art Todesspirale immer schneller auf die Sonne zu, in der er dann eines Tages verglühen wird.

"Durch die Erzeugung der Plasmaströme verursacht er seine eigene Vernichtung", erklärt der an der englischen Keele Universität lehrende Astrophysiker. Es ist ein langsamer Tod: "WASP-18b" wird nach Einschätzung des Professors noch etwa eine Million Jahre seinen feurigen Todestango tanzen. Der Planet liegt rund 325 Lichtjahre von der Erde entfernt, was ihn nach astronomischen Maßstäben quasi zu unserem Nachbarn macht.


Planet ist 2100 Grad heiß

"WASP-18b" ist ein echter Brummer: Er ist ungefähr zehnmal so groß wie Jupiter, der größte Planet in unserem Sonnensystem. Er umkreist seine Sonne "WASP-18" in einer Entfernung von gerade einmal drei Millionen Kilometer. Das ist nur ein Fünfzigstel der Entfernung zwischen Erde und Sonne. Eine Nähe, die heiß macht: Die Temperatur auf dem "Selbstmordplaneten" beträgt laut Hellier etwa 2100 Grad Celsius. Er rast in weniger als einem Erdentag einmal um seine Sonne.


Lichtschwankungen verrieten "WASP 18b"

Man denke nur einmal daran, wie der Mond mit seiner vergleichsweise geringen Anziehungskraft Ebbe und Flut auf der Erde verursache, erläutert der Wissenschaftler. Der Effekt des merkwürdigen Riesenplaneten auf seine Sonne sei tausende Male stärker. Wie die meisten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems wurde der Planet nicht direkt mit einem Teleskop entdeckt. Die Astronomen kamen ihm auf die Spur, indem sie eine Verringerung des Lichts feststellten, das die im Sternbild Phoenix gelegene Sonne "WASP-18" jedes Mal aussendet, wenn der Planet sich zwischen sie und die Erde schiebt.

Total falsche Berechnungen?

Bislang haben Astronomen mehr als 370 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. "WASP-18b" ist "ein weiterer komischer Kauz in der Menagerie" außerhalb unseres Sonnensystem, erläutert der Planetenforscher Alan Boss vom Carnegie-Institut. Die Entdeckung eines "Selbstmordplaneten" ist so ungewöhnlich, dass der US-Astronom Douglas Hamilton von der Universität Maryland die Frage aufwirft, ob es nicht auch eine andere Erklärung für das Phänomen geben kann. Es könnte auch sein, dass einige grundlegende physikalische Berechnungen, auf die sich alle Astronomen verlassen, total falsch seien. Die Antwort werde man in weniger als einem Jahrzehnt haben, wenn man sehen kann, ob der Planet seine Todesspirale fortsetzt, sagte Hamilton.

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