Sie sind hier: Home > Panorama > Wissen > Medizin >

Medizin-Nobelpreis für künstliche Befruchtung

Medizin-Nobelpreis für künstliche Befruchtung

04.10.2010, 16:58 Uhr | dpa, dapd

Medizin-Nobelpreis für künstliche Befruchtung. Für die Erfindung der In-vitro-Fertilisation bekommt Robert Geoffrey Edwards den Nobelpreis (Foto: AP)

Für die Erfindung der In-vitro-Fertilisation bekommt Robert Geoffrey Edwards den Nobelpreis (Foto: AP) (Quelle: AP/dpa)

Der aus Großbritiannien stammende Wissenschaftler Robert Edwards hat den Nobelpreis für Physiologie und Medizin bekommen. Er erhält die Auszeichnung für die Entwicklung der künstlichen Befruchtung. Das Karolinska-Institut in Stockholm vergibt den mit 1,1 Millionen Euro dotierten Preis.

Der 85-jährige Physiologe hatte gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen britischen Gynäkologen Patrick Steptoe die In-vitro-Fertilisation entwickelt. Ihnen gelang die erste künstliche Befruchtung einer Frau: 1978 wurde das erste "Retortenbaby" Louise Joy Brown geboren. Etwa vier Millionen Menschen verdanken laut Institut der Technik ihr Leben.

"Wir haben Grenzen verschoben"

Zusammen mit Partner Steptoe gründete Edwards die Bourn Hall Clinic für künstliche Befruchtungen. Der Leiter der Klinik, Mike Macnamee, sei "wirklich erfreut", dass ihre Arbeit auf diese Weise anerkannt werde. "Edwards ist unser größter Wissenschaftler", seine inspirierende Arbeit in den frühen 60er Jahren habe zu einem Durchbruch geführt, der das Leben von Millionen von Menschen in aller Welt ermöglicht habe. "Als ich dem Team von Steptoe und Edwards in den 1980er Jahren beigetreten bin, haben wir Grenzen verschoben", sagte Macnamee.

Weitere Nachrichten und Links

Der frisch gebackene Nobelpreisträger Edwards ist gesundheitlich angeschlagen und kann keine Interviews mehr geben. Laut Macnamee ist einer seiner Wahlsprüche: "Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als ein eigenes Kind." Das Ziel des Forschers sei es nie gewesen, Ruhm zu erlangen. "Er wollte einfach Paaren helfen, Kinder zu zeugen."

Großer Widerstand in Deutschland

Der Nobelpreis-Juror und Professor für Kindermedizin, Hugo Lagercrantz, sagte, niemand habe am Anfang an Edwards geglaubt oder habe ihm Forschungsgelder bewilligt. "Die etablierte Wissenschaft glaubte ja, dass bei der künstlichen Befruchtung missgebildete Kinder herauskommen." Und dann habe es enormen religiösen Widerstand von Bischöfen gegeben, die meinten, nur Gott dürfe neues Leben schaffen.

Besonders groß sei der Widerstand in Deutschland gewesen. "Da hat man sich am meisten vor all dem gefürchtet, was nach Manipulation am Menschen aussehen konnte." Als dann das erste Kind 1978 geboren wurde, habe sich das Blatt aber gewendet. "Alle fanden Edwards Arbeit fantastisch."

"Er ist einer, der etwas trockener daher kommt"

Er sei aber kein enthusiastischer Redner, der sofort alle Zuhörer von seiner Sache überzeugt, erzählte Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin Münster (CeRA). "Er ist eher einer, der etwas trockener daherkommt. Vielleicht sei das auch einer der Gründe, warum es ein bisschen länger gedauert hat, dass es dieses Forschungsgebiet in die Öffentlichkeit geschafft hat: "Weil er nicht so eine schillernde Erscheinung ist und die Leute so mitreißen kann."

Seine eigenen Leistungen hat der britische Forscher immer mit einem gewissen Abstand betrachtet. Schon früh hatten Experten gefordert, ihm für seine Verdienste um die Reproduktionsmedizin in den Ritterstand zu erheben.

Edwards ist "linker Sozialist"

Als die Londoner Tageszeitung "Times" ihn 2003 darauf ansprach, entgegnete Edwards, er sei "nicht fürchterlich verärgert", dass ihm die Ehrung bislang nicht zu Teil geworden sei. "Ich bin ein sehr linker Sozialist und ich werde keine Träne vergießen. Aber wenn Sie einen Nobelpreis organisieren können, fahren Sie fort."

Er hatte nach dem Militärdienst Biologie studiert. Sein Forscherleben verbrachte er zum großen Teil in Großbritannien. An der University of Cambridge hatte er zuletzt bis 1989 eine Professur für Reproduktionsmedizin inne. 2001 erhielt er den renommierten Lasker-Preis. Auch privat war ihm das Glück hold: Der Brite hat fünf Töchter und elf Enkel.

Überraschende Entscheidung

Seit 1901 vergibt das Karolinska-Institut in Stockholm den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf heute zehn Millionen Kronen (eine Million Euro). Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen.

Die Entscheidung für Edwards kommt überraschend: Als aussichtsreichster Kandidat galt zuvor der japanische Wissenschaftler Shinya Yamanaka, der die künstliche Herstellung von Stammzellen möglich machte. Er hätte sich Beobachtern zufolge den Preis mit seinen kanadischen Kollegen Ernest McCulloch und James Till teilen können, die in den 1970er Jahren die Stammzellen entdeckten, oder mit dem britischen Klon-Pionier John Gurdon.

2008 bekam ein Deutscher die Auszeichnung

Die Wissenschaftsabteilung des Medienkonzerns Thomson Reuters nannte in ihrer jährlichen Vorhersage außerdem die amerikanischen Forscher Douglas Coleman und Jeffrey Friedman als potenzielle Preisträger. Sie entdeckten ein Hormon, das den Appetit reguliert, und brachten damit die Erforschung von Übergewicht voran.

Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Im vergangenen Jahr haben die Amerikaner Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak den Nobelpreis für die Erforschung der Zellalterung bekommen. 2008 hatte das Institut unter anderen den Deutschen Harald zur Hausen ausgezeichnet. Er hatte die Gebärmutterhalskrebs auslösenden Papilloma-Viren entdeckt.

Nobelpreis als "Wiedergutmachung" für Dynamit

Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Dynamit-Erfinder konnte nicht ertragen, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde. Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben".

Nobel selbst hatte mehr als 350 Patente angemeldet. Jährlicher Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel. Neben den eigentlichen Nobelpreisen für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Die Schwedische Reichsbank stiftete sie 1968.

Alternativer Nobelpreis bereits vergeben

Seit 1980 vergibt die schwedische "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden. Dieses Jahr haben ihn Aktivisten aus Nepal, Nigeria, Brasilien und Israel für ihren Einsatz für Menschenrechte und den Umweltschutz gewonnen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Sparen Sie 35% auf Sofas, Betten, Gartenmöbel u.m.*
jetzt zur Power Shopping Week bei XXXLutz
Gerry Weberbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe