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Meeresforschung: Gefürchtete Atlantikströmung schwächelt

Meeresforschung  

Gefürchtete Atlantikströmung schwächelt

08.01.2011, 15:56 Uhr | Von Axel Bojanowski

Meeresforschung: Gefürchtete Atlantikströmung schwächelt . Der Labradorstrom schwemmt kaltes Wasser aus der Arktik Richtung Süden (Foto: NASA)

Der Labradorstrom schwemmt kaltes Wasser aus der Arktik Richtung Süden (Foto: NASA)

Nebel, Eisberge, Kälte: Der Labradorstrom im Nordatlantik vor der Ostküste Kanadas ist bei Seeleuten gefürchtet. Ein Ingenieur wollte ihn gar umleiten. Doch nun hat sich die eisige Strömung auch so abgeschwächt - das hat Folgen.

Seefahrer fürchten den Labradorstrom, der vor Kanadas Ostküste kaltes Wasser aus der Arktis Richtung Süden schwemmt. Meist wabert dichter Nebel über der eisigen Strömung; auch Eisberge gefährden Schiffe. Vor Neufundland fällt der Labradorstrom dem Golfstrom in die Seite, der warmes Wasser aus den Tropen nach Norden bringt. Im Golfstrom zerbröseln die Eisberge; ihre Überreste sind leicht zu übersehen - wie etwa die Besatzung der "Titanic" erfahren musste.

Das kalte Wasser des Labradorstroms raubt dem Golfstrom einen Großteil seiner Wärme. Auch in Europa ist es deshalb kühler. Der Ingenieur Carroll Livingston Riker schlug deshalb 1913 dem damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson vor, den Labradorstrom zu blockieren. Nach seinem Plan sollte die Strömung an einem künstlichen Hindernis auf dem Meeresgrund Sand ablagern. Der Damm würde allmählich bis an die Meeresoberfläche wachsen - und den Labradorstrom umlenken, kalkulierte Riker.

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Doch nun hat sich die kalte Strömung auch ohne das Gigantenbauwerk abgeschwächt.

Größte Schwäche seit mindestens 1800 Jahren

Seit den siebziger Jahren habe der Labradorstrom deutlich an Einfluss verloren, berichten Forscher um Moritz Lehmann von der Universität Basel und Carsten Schubert von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserforschung (Eawag) in der Schweiz im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS). Die Forscher haben Tiefseekorallen vor Neuschottland untersucht, im Grenzgebiet zum Golfstrom. Die Korallen wachsen seit Jahrhunderten, sie bauen Nährstoffe aus dem Wasser in ihre Zellen ein. Wie Bäume bilden Korallen jedes Jahr einen Wachstumsring.

Zum Vergrößern auf das Bild klicken (Foto: NASA)Zum Vergrößern auf das Bild klicken (Foto: NASA)

Die Zusammensetzung der Ringe aus den letzten 40 Jahren unterscheide sich deutlich von den 1800 Jahren zuvor, berichten die Wissenschaftler. Seit den siebziger Jahren hätten die Korallen deutlich mehr Stickstoff-14 im Vergleich zu Stickstoff-15 eingebaut. Die zwei Varianten von Stickstoff dienen quasi als Fingerabdruck für Meeresströmungen: Sie unterscheiden sich je nach Umwelt und Lebewesen - Faktoren, die sich in Meeresströmungen kaum ändern.

Fingerabdruck in Korallen

Der Labradorstrom transportiert viel Stickstoff-15 im Vergleich zu Stickstoff-14. Das Wasser vor Neuschottland aber hat der Studie zufolge seit 40 Jahren den "Fingerabdruck" der kalten Strömung verloren. Nie zuvor in den vergangenen 1800 Jahren hätte der Labradorstrom so wenig Einfluss gehabt, resümieren die Forscher.

Als Ursache für die Veränderung tippen die Wissenschaftler auf den Klimawandel. Das zeitliche Zusammentreffen mit der Erwärmung der letzten Jahrzehnte lasse diesen Schluss zu, meinen sie. Die Kenntnisse über Meeresströmungen jedoch sind noch sehr lückenhaft, wie Wallace Broecker von der Columbia University in den USA - ein Pionier der Ozeanforschung - in einem neuen Buch darlegt.

Eine Vorhersage über die Entwicklung des Labradorstroms können die Forscher folglich nicht machen. Bis auf weiteres müssen Seefahrer vor Neufundland also weiterhin mit Nebel und Eisbergen rechnen. Immerhin hat sich in den letzten Jahren mit der kalten Strömung auch der Nebel nach Norden verlagert. Für Seefahrer eine angenehme Folge der Strömungsänderung.

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