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US-Gericht untersagt Patente auf menschliche DNA

US-Gericht untersagt Patente auf menschliche DNA

13.06.2013, 18:24 Uhr | AFP

US-Gericht untersagt Patente auf menschliche DNA. Menschliche DNA ist ein "Produkt der Natur" und damit nicht patentierbar, urteilten US-Richter (Quelle: dpa)

Menschliche DNA ist ein "Produkt der Natur" und damit nicht patentierbar, urteilten US-Richter (Quelle: dpa)

Das Oberste Gericht der USA hat Patente auf menschliches Erbgut in einer Grundsatzentscheidung verboten. Die menschliche DNA sei ein "Produkt der Natur", das im Gegensatz zu künstlich nachgeahmtem Erbgut nicht patentiert werden könne, erklärte der Supreme Court. Damit entschieden die Richter gegen das Unternehmen Myriad Genetics, das bislang Patente auf zwei krebsauslösende Gene hielt und exklusiv mehrere tausend Dollar teure Tests für diese Mutationen anbot.

"Naturgesetze" und "Naturphänomene" könnten ebenso wenig Patentschutz erhalten wie "fundamentale Werkzeuge der wissenschaftlichen und technologischen Arbeit", entschieden die Richter. Ein Gen könne nicht einfach nur deswegen patentiert werden, "weil es isoliert wurde", erklärten sie. Künstlich nachgeahmtes Erbgut könne aber sehr wohl patentiert werden, "da es nicht von der Natur hergestellt wird". Die neun Top-Juristen fällten ihre Entscheidung einstimmig.

Niederlage für Pharmafirma

In dem Verfahren ging es um das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das in den 90er-Jahren zwei krebsauslösende Gene isoliert und sich 1998 mehrere Patente auf dieses Erbgut gesichert hatte. Dies gab dem Unternehmen bislang die Möglichkeit, Tests für die Gene mit den Abkürzungen BRCA1 und BRCA2 exklusiv zu vermarkten. Die beiden Gene erhöhen das Risiko stark, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken.

Myriad Genetics hatte in dem Verfahren argumentiert, es habe nur wegen der Aussicht auf gute Gewinne die hohen Kosten für die Decodierung der Gene und die Entwicklung der Tests tragen können. Ein Anwalt des Unternehmens bezeichnete Gene zudem als "menschliches Konstrukt".

Weitreichende Folgen erwartet

Dagegen wandte sich ein Zusammenschluss von rund 150.00 Klägern, unter ihnen Wissenschaftler, Ärzte und Patientinnen. Sie warfen dem Unternehmen unter anderem vor, die mehrere tausend Dollar teuren Tests seien für viele Patienten unerschwinglich. Zudem blockiere die Patentierung der Gene deren Erforschung durch andere Unternehmen oder Institutionen. "Heute hat das Gericht eine bedeutende Hürde für die Patientenbetreuung und medizinische Innovationen beiseite geräumt", freute sich eine Anwältin der Bürgerrechtsbewegung ACLU nach dem Urteil.

Das Urteil war mit Spannung erwartet worden, weil es Auswirkungen auch auf zahlreiche andere Bereiche der Gentechnik und der Medizin haben dürfte. Patente wurden unter anderem auch im Zusammenhang mit anderen Krebskrankheiten sowie Alzheimer angemeldet. Insgesamt sind fast 20 Prozent der bekannten menschlichen Gene patentiert.

Schlagzeilen dank Angelina Jolie

Zuletzt hatte Hollywoodstar Angelina Jolie die Diskussion über den Umgang mit Risiko-Genen weltweit in die Schlagzeilen gebracht. Die Schauspielerin berichtete Mitte Mai in einem Beitrag in der "New York Times", wie sie sich vorsorglich beide Brüste amputieren ließ, weil bei ihr das Gen BRCA1 entdeckt worden war. Sie hatte daher ein deutlich erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs.

In dem Artikel bedauerte Jolie die hohen Kosten für die Tests von mehr als 3000 Dollar (2300 Euro), die für viele besorgte Frauen ein Hindernis bei ihrer medizinischen Untersuchung darstellten. Etwa 0,2 Prozent der Frauen weltweit tragen eine BRCA-Genmutation in sich.

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