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Komet "Tschuri" verblüfft Forscher: Vielseitiger als vermutet

Vielseitiger als bisher vermutet  

Komet "Tschuri" lässt die Forscher staunen

30.07.2015, 17:13 Uhr | dpa

Komet "Tschuri" verblüfft Forscher: Vielseitiger als vermutet. Die Oberfläche des Kometen "Tschuri" hat allerhand Verblüffendes zu bieten. (Quelle: dpa)

Die Oberfläche des Kometen "Tschuri" hat allerhand Verblüffendes zu bieten. (Quelle: dpa)

Der Komet "Tschuri" überrascht die Fachwelt: Er ist wesentlich vielseitiger als bisher vermutet. Messungen des Landeroboters "Philae" beweisen, dass der Himmelskörper mehr als ein Dutzend organische Moleküle enthält, die zu den Bausteinen des Lebens auf der Erde gehören. Zudem zeigen die ungeplanten Hopser des Mini-Labors, dass die Oberfläche stellenweise weich wie Neuschnee und andernorts extrem hart ist.

Das schreiben Forschergruppen mit maßgeblicher deutscher Beteiligung in sieben Fachartikel des Magazins "Science".

Ein Team um Fred Goesmann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) berichtet über den Nachweis von 16 organischen, zum Teil sehr kleinen Molekülen. Vier davon wurden bislang noch nie auf einem solchen Himmelskörper gefunden.

Moleküle für Leben auf Erde verantwortlich

"Insgesamt handelt es sich um einen wahren Baukasten organischer Verbindungen, von denen viele als Ausgangspunkt für wichtige biochemische Reaktionen dienen können", so Goesmann in einer Mitteilung seines Instituts.

In weiteren chemischen Reaktionen könnten sie sich zu Bausteinen des Lebens wie etwa Zuckern oder Aminosäuren entwickeln, die nach dem Glauben vieler Forscher zur Entstehung des Lebens auf der Erde beigetragen haben. Ein Team um Ian Wright von der britischen Open University in Milton Keynes fand Hinweise auf größere kettenförmige Moleküle, die nur aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen.

Oberfläche weich wie Neuschnee oder steinhart

"67P/Tschurjumow-Gerassimenko" verblüfft die Forscher auch mit seiner Oberfläche. Bei der ersten Landung einer Raumsonde auf einem Kometen war der kleine Landeroboter "Philae" zuerst in der Region Agilkia aufgesetzt, dann abgeprallt und zwei Stunden später nach zwei weiteren Hüpfern am ungeplanten Landeort Abydos zum Stillstand gekommen.

Die Forscher berichten, dass die Oberfläche des Kometen bei Agilkia von einer etwa 20 Zentimeter dicken Granulat-Schicht überzogen ist. Die sei etwa so weich wie Neuschnee, so dass der Landeroboter sogar Abdrücke hinterlassen habe.

Der spätere Landeplatz Abydos ist dagegen so hart, dass "Philae" vergeblich versuchte, ein Messgerät in den Boden zu hämmern, auch Füße oder Eisschrauben seien nicht nennenswert in den Boden eingedrungen. Das berichten Forscher um Tilmann Spohn vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Die Oberfläche ist dort vermutlich etwa 2000 Mal härter als am ersten Ort. "Vielleicht kann man es als größte Überraschung des Kometen bezeichnen, dass Abydos einen so harten Boden hat", erläutert Spohn in einer DLR-Mitteilung. "Wir hätten es wohl nie gewagt, eine Landung in einem so rauen Gelände wie Abydos zu versuchen", sagt der "Philae"-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR.

Temperaturen bei Minus 180 Grad

Wenig überraschend sind dagegen die Temperaturen auf "Tschuri". Sie lagen wie erwartet zwischen minus 180 und minus 140 Grad Celsius. Zudem besitzt der Komet kein eigenes messbares Magnetfeld. Für die Kometenforscher ist das eine wichtige Erkenntnis für die Entstehungsmodelle.

"Philae" war im November letzten Jahres auf dem Kometen gelandet - nach zehnjähriger Reise mit der Raumsonde "Rosetta". Vorher waren Kometenforscher fast einhellig der Meinung, der Landeroboter werde auf weichem Boden landen. "Stattdessen sind wir mehrfach abgeprallt, nachdem die Harpunen des Landers nicht auslösten, um den Lander im Boden zu verankern", stellt Jens Biele vom DLR fest. Warum die Harpunen nicht funktionierten, ist nach DLR-Angaben noch nicht geklärt.

Der Verlauf der Landung und die Messungen der Instrumente sollen auch bei der Planung zukünftiger Missionen helfen. So hat nach DLR-Angaben etwa die US-Raumfahrtbehörde Nasa Interesse, die Erkenntnisse der ersten Kometenlandung zu nutzen. "Wir haben auf jeden Fall eines mit dieser ersten Kometenlandung gelernt", sagt Ulamec. "Das Abprallen ist ein größeres Problem als das mögliche Versinken im Boden."

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