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"Tschuri" wirbelt jede Menge Staub auf

Komet nähert sich der Sonne  

"Tschuri" wirbelt jede Menge Staub auf

06.08.2015, 14:35 Uhr | dpa, uwe

"Tschuri" wirbelt jede Menge Staub auf. Der Komet "Tschuri" ist ein Brocken aus Gestein, Eis und Staub. (Quelle: dpa)

Der Komet "Tschuri" ist ein Brocken aus Gestein, Eis und Staub. (Quelle: dpa)

Am 13. August erreicht der Komet "Tschuri" seinen nächsten Punkt zur Sonne: 186 Millionen Kilometer wird er dann von dem glühenden Stern entfernt sein - das ist etwas mehr als der Abstand der Erde zur Sonne. Die Nähe heizt den Kometen auf, seine Oberfläche wird heißer und gefrorene Gase werden verdampfen. Die Folge: Jede Menge Staub von "Tschuri" schießt ins All.

Dann wird es für die europäische Raumfahrtagentur Esa spannend: Schließlich steht seit dem 12. November 2014 ihr Roboter "Philae" auf dem Kometen - und die Wissenschaftler hoffen, dass die Erwärmung und der viele Staub ihrem Lander nichts ausmachen.

Andrea Accomazzo, der Flugdirektor der "Rosetta"-Mission, rechnet damit, dass im September die Aktivität des Kometen am größten sein wird - also erst nach Erreichen des sonnennächsten Punktes. "Die Erwärmung von 'Tschuri' dauert ein bisschen", sagt Accomazzo. Dass es dem Brocken aus Gestein, Eis und Staub zu heiß werden könnte und er auseinanderbricht, hält Accomazzo jedoch für "sehr unwahrscheinlich".

"Rosetta" wird Abstand erhöhen

Die Nähe zur Sonne sei auch für die Raumsonde "Rosetta" kein Problem, meint der Flugdirektor. Sie werde aber vorsichtshalber einen Sicherheitsabstand von voraussichtlich mindestens etwa 200 Kilometern zu "Tschuri" einhalten. "Rosetta" muss wegen der Gas- und Staubentwicklung des Kometen vorsichtig sein. Durch den Kometenstaub hatte die Raumsonde im April vorübergehend Probleme mit der Orientierung bekommen.

Der größere Abstand schmälere allerdings die Chancen für eine gute Verbindung zu "Philae" auf dem Kometen, sagt der "Philae"-Projektleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Stephan Ulamec. Es gebe keine verlässliche und stabile Verbindung. "Das ist das Hauptproblem", sagt Ulamec. Deshalb können die Forscher dem Roboter zum Beispiel keine Kommandos für Experimente geben.

Woran liegt das? Durch die außerplanmäßige Landung an einem schattigen Ort war es eigentlich zu kalt für die Elektronik, sagt Ulamec. "Sie hat es trotzdem überlebt. Aber es kann sein, dass es zu thermischen Spannungen kommt und Kontakte brechen und es jetzt zu einer Art Wackelkontakt kommt." Bislang ist dieses Szenario aber nur eine Annahme.

Bislang weniger Daten als erhofft

Eigentlich wollten die Forscher von dem Landeroboter aber Bilder vom Gelände der Umgebung bekommen, um zu sehen, ob sie sich seit der Landung im November verändert hat. Sie wollten organische Gase messen, die Temperatur, weitere Daten zur inneren Struktur nehmen. "Philae" sollte vor Ort das Kometenmaterial - das wohl ursprünglichste und älteste Material des Sonnensystems - analysieren und damit einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems erlauben.

Doch als sich "Philae" am 9. Juli zuletzt meldete, funkte er in erster Linie nur Informationen über seinen eigenen Zustand.

Die Zeit läuft ab

Für weitere Messungen bleiben nur noch zwei Monate, dann dürfte "Philae" wieder in Tiefschlaf versinken: "Im Oktober, November sind wir so weit von der Sonne entfernt, dass keine Chance mehr besteht, den Lander zu aktivieren", sagt Ulamec.

Wenn "Tschuri" sich wieder etwas von der Sonne entfernt hat und weniger Staub freigesetzt wird, kann auch der Sicherheitsabstand verringert werden. Darauf sind die Wissenschaftler schon sehr gespannt: "Nächstes Jahr werden wir uns mit 'Rosetta' wieder deutlich näher an 'Tschuri' heranwagen können", sagt Accomazzo. Die Esa-Leute wollen nämlich schärfere Fotos von "Tschuri" schießen. "Dann sehen wir, was sich auf seiner Oberfläche verändert hat. Das ist genau das, was wir wollen."

Ulamec hofft, dass man auf diesen Bildern "Philae" erspähen kann. "Dann sehen wir, was los ist mit dem Lander, in welchem Gelände er steht und in welcher Situation."

Mission endet wohl in gut einem Jahr

Das Ende der "Rosetta"-Mission ist für September 2016 geplant - nach zwölfeinhalb Jahren im All und rund 7,9 Milliarden Kilometern Strecke. Dann hat "Rosetta" ausgedient. Die Sonde soll sich dann ebenfalls auf "Tschuri" niederlassen und nach der Landung - wie ursprünglich auch "Philae" - Signale zur Erde senden.

Die Chancen dafür seien zwar nicht unbedingt groß, meinte Accomazzo. "Aber wir werden es versuchen."

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