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Monogamie: Syphilis-Verbreitung begünstigte das Ende der Vielehe

Das Ende der Vielehe  

Verbreitung von Syphilis begünstigte Monogamie

16.04.2016, 10:24 Uhr | ts, t-online.de

Monogamie: Syphilis-Verbreitung begünstigte das Ende der Vielehe. Urmenschpaar aus Wachs (Quelle: imago images/Steffen Schellhorn)

Urmenschpaar aus Wachs (Teil einer Ausstellung im Landesamt für Archäologie in Halle ). (Quelle: Steffen Schellhorn/imago images)

Eigentlich liegt Monogamie nicht in der Natur des Menschen als Säugetier. Trotzdem hat sie sich im Verlauf der Evolution in den meisten Kulturen durchgesetzt. Warum ist das so? Solche Partnerschaften schützen die Gesellschaft vor der Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten. Das behaupten zwei Forscher aus Kanada und Deutschland.

Richard McElreath und Chris Bauch wollten wissen, warum mit der Vielweiberei für die meisten Kulturen Schluss war, als die Menschen vor etwa 10.000 Jahren sesshaft wurden und begannen, Ackerbau zu betreiben. Die beiden Forscher fütterten ihren Computer mit Daten zur Bevölkerungsentwicklung und zur Verbreitung von Infektionskrankheiten und erstellten damit eine Computersimulation. 

Dabei stellten sie einen überraschenden Zusammenhang zwischen der Sesshaftwerdung und der Ausbreitung von Syphilis, Tripper und Gonorrhö fest. Weil diese Krankheiten häufig zu Unfruchtbarkeit führen, können sie eine Population entscheidend schwächen.

Syphilis: Gefahr für große Gesellschaften

Wie gefährlich Geschlechtskrankheiten für eine Gesellschaft waren, hing offenbar entscheidend mit deren Größe zusammen. In kleineren Gruppen, wie sie zur Zeit der Jäger und Sammler üblich waren, verschwanden die Infektionen oft von selbst wieder. In größeren Gesellschaften verbreiteten sie sich jedoch rasant und wurden so offenbar zu einem massiven Problem für deren Überleben.

Für die beiden Forscher steht deshalb fest: Der Siegeszug der Einehe ist letztlich auf die massive Ausbreitung von Tripper & Co. zurückzuführen. Nur mit dem Verzicht auf die Vielehe konnten die damals rasant wachsenden Gesellschaften ihr Überleben sichern. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachblatt "Nature Communications".

Skepsis unter Forscherkollegen

Allerdings räumen die Forscher ein, dass noch weitere Faktoren den Wechsel zur Monogamie ausgelöst haben können. In der Wissenschaft ist der neue Ansatz allerdings nicht unumstritten. Wie "The Guardian" schreibt, bezeichnen andere Autoren die Theorie als "unwahrscheinlich". So kritisiert Kit Opie vom University College in London die Datengrundlage der Computersimulationen.

mit Material von dpa

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