Sie sind hier: Home > Panorama > Wissen >

Fukushima: Sorgen um Eisbarriere

Megaprojekt droht zu scheitern  

Eisbarriere um AKW Fukushima bereitet Sorgen

26.09.2016, 20:15 Uhr | Takehiko Kambayashi, dpa

Fukushima: Sorgen um Eisbarriere . Arbeiten an einer Eisbarriere in Fukushima. Der Wall soll den Abfluss kontaminierten Wassers verhindern. (Quelle: dpa)

Arbeiten an einer Eisbarriere in Fukushima. Der Wall soll den Abfluss kontaminierten Wassers verhindern. (Quelle: dpa)

Seit dem Atomunglück von 2011 fließt immer wieder radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Ruine des Kernkraftwerks Fukushima in den Pazifik. Eine Eisbarriere soll dies verhindern. Aber kann sie das?

"Ich versichere Ihnen, die Situation ist unter Kontrolle": Das sagte der japanische Regierunschef Shinzo Abe im September 2013 vor dem Olympischen Komitee über das Atomunglück in Fukushima. Die Bewerbung für die Sommerspiele 2020 in Tokio stand auf dem Spiel. Japan entschied die Vergabe für sich, die Probleme in der Atomruine Fukushima Daiichi sind aber bei weitem noch nicht gelöst.

Am 11. März 2011 war es in Folge eines schweren Erdbebens und Tsunamis zu Kernschmelzen in drei der sechs Reaktoren des Kraftwerks gekommen. Um sie zu kühlen, pumpt der Betreiberkonzern Tepco seitdem Wasser hinein. Auch über fünf Jahre nach der Katastrophe können mehr als 100.000 Anwohner wegen der radioaktiven Belastung nicht in ihre Häuser zurück.

Eisbarriere soll Wasserabfluss verhindern

Stillgelegt wird die Anlage nach Einschätzung von Tepco in etwa 30 bis 40 Jahren - doch damit es überhaupt dazu kommt, muss der Betreiber das Wasserproblem in den Griff bekommen. Grundwasser dringt in die Kellerräume der stark radioaktiv verseuchten Anlage ein. Und was noch schlimmer ist: Ein Teil dieses dann verseuchten Wassers versickert und gelangt in den Pazifik.

Eine 1,5 Kilometer lange und 30 Meter tiefe Barriere aus gefrorener Erde soll diesen Wasserfluss eigentlich unterbinden. Tepco hatte 2014 mit der Errichtung der unterirdischen Sperre begonnen, die Arbeiten endeten im Februar. Seit Juli sollte die Eiswand einsatzfähig sein, ist aber bislang nicht völlig durchgefroren. Das Projekt kostet die japanischen Steuerzahler 35 Milliarden Yen (308 Millionen Euro).

Koizumi wandelt sich zum schärfsten Kritiker

"Sie haben immer wieder gesagt, sie können das. Aber das tun sie nicht", sagte der ehemalige Ministerpräsident Junichiro Koizumi vor kurzem. Koizumi (74), in seiner Zeit als Regierungschef von 2001 bis 2006 ein überzeugter Unterstützer der japanischen Atomindustrie, hat sich zu einem ihrer schärfsten Kritiker gewandelt. Abes Aussage, die Situation sei unter Kontrolle, sei "eine Lüge" gewesen, sagt Koizumi. "Ich frage mich, wie er so etwas sagen konnte."

Offiziell heißt die Eisbarriere um die Reaktorblöcke 1 bis 4 "Undurchdringliche Wand auf der Landseite". Die Sperre funktioniert mittels Bodenvereisung. Durch Rohre im Boden wird eine Kühlflüssigkeit geleitet. Diese kühlt die Erde in ihrer Umgebung so weit herunter, dass das Grundwasser gefriert - so kann kein Wasser die Sperre von innen oder außen durchdringen.

Niederschläge beeinträchtigen Wirkung

Das Projekt sei auf Kurs, betont Tepco-Sprecher Tatsuhiro Yamagishi. 99 Prozent der Eisbarriere im kritischen Bereich direkt am Meer seien vollständig gefroren. Allerdings musste Tepco zugeben, dass im August durch starke Niederschläge Teile des Walls geschmolzen waren und neu vereist werden mussten. Verseuchtes Wasser sei zwar ausgesickert, aber nicht ins Meer gelangt, versicherte die Betreiberfirma. Man untersuche nun, wie man dies in Zukunft verhindern könne, erklärt Yamagishi.

Solche Aussagen beruhigen Hisataka Yamazaki, von der Anti-Atomorganisation "Depleted Uranium Centre Japan" nicht. Er glaube, es gebe Lecks, sagt er. Der Vorfall sei sehr ernst - denn die Gegend um Fukushima sei nicht von starken Stürmen betroffen gewesen. Noch heftigerer Regen könnte also den Eiswall weiter auftauen. Damit bestehe die Gefahr, dass mehr verseuchtes Wasser ins Meer fließen könnte.

"Sicherheit wird auf Eis gelegt"

Übergangslösungen wie der Eiswall würden nicht funktionieren, meint auch Hideyuki Ban vom Bürger-Atom-Informationszentrum in Tokio. "Ich denke, das Projekt ist gescheitert." Es habe von Anfang an Zweifel gegeben, ob die Barriere vollständig gefrieren könne.

Die Atomkatastrophe von Fukushima habe ihm klar gemacht, dass die Expertenaussagen, Atomkraft sei sicher, billig und sauber, unwahr seien, sagt Koizumi. "Ich schäme mich, diese Lügen geglaubt zu haben." Tepco und andere Betreiber würden ihre Profite über die Sicherheit stellen, sagt der ehemalige Atom-Unterstützer. "Der Gewinn hat Priorität, die Sicherheit wird auf Eis gelegt."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Highlights für den Herbst jetzt bis zu 30% reduziert
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenhappy-size.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal