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Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: Impfstoff "frühestens nächstes Jahr"

PODCASTVirologe Schmidt-Chanasit  

Eine Eigenschaft macht das Virus "absolut gefährlich"

Von Ursula Weidenfeld, Marc Krüger

22.04.2020, 14:13 Uhr
Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: Impfstoff "frühestens nächstes Jahr". Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: Momentan keine Hinweise, dass sich das Coronavirus langsamer ausbreitet. (Quelle: imago images)

Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: Momentan keine Hinweise, dass sich das Coronavirus langsamer ausbreitet. (Quelle: imago images)

Der renommierte Virologe Jonas Schmidt-Chanasit warnt davor, das Coronavirus zu unterschätzen. Im t-online.de-Podcast "Tonspur Wissen" gibt er Einblicke in den aktuellen Forschungsstand.

Das Gefährliche am neuen Coronavirus sei gar nicht mal eine sehr hohe Sterblichkeitsrate, sagt Schmidt-Chanasit im t-online.de-Podcast "Tonspur Wissen". Das Gefährliche sei, dass viele Menschen gar nicht erkrankten, das Virus "aber trotzdem gut übertragen können". So steckten Menschen andere an, bevor sie selbst Symptome hätten, und es komme dadurch zu einer "rasend schnellen Verbreitung". Hören Sie hier die komplette Podcast-Folge mit Jonas Schmidt-Chanasit:

Durch diese "in gewissen Zeiträumen auch stille Verbreitung" könne das Coronavirus unbemerkt auch beispielsweise in Altersheime vordringen und dort besonders anfällige Menschen "mit Vorerkrankungen oder eben auch ältere Patienten" infizieren. Insbesondere dort komme es dann zu vielen Todesfällen, erklärt Schmidt-Chanasit, der am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin arbeitet und zu neuen Infektionskrankheiten forscht.

Das Problem mit dem Impfstoff

Bisher gebe es auch keine Hinweise darauf, dass sich das Coronavirus langsamer ausbreite oder Menschen weniger erkrankten, sagt Schmidt-Chanasit. "Insofern müssen wir jetzt mit diesem Virus leben und den Auswirkungen und müssen versuchen, dort natürlich entsprechende Gegenmittel zu entwickeln."

Als solche Gegenmittel kommen nach Ansicht des Virologen sowohl ein Impfstoff als auch antivirale Medikamente infrage. Eine Impfung gegen das Coronavirus allerdings werde es "frühestens nächstes Jahr" geben – "wenn überhaupt". Das sei "schon sehr optimistisch", sagt Schmidt-Chanasit.

Mehrere Medikamente im Test

Was Medikamente betreffe, könne es "wesentlich schneller" gehen als beim Impfstoff, erklärt der Wissenschaftler. Grund sei, dass es bereits zugelassene Medikamente gegen andere Erkrankungen gebe, bei denen momentan geprüft werde, ob sie gegen das neue Coronavirus wirken. "Das ist dann wirklich eine Entscheidung von einem Tag". Medikamente gebe es weltweit. Sie würden auch bereits in klinischen Studien eingesetzt.

Das Problem: Einige der untersuchten Medikamente wie Remdesivir oder Favipiravir seien nicht breit verfügbar, sagt Schmidt-Chanasit. Diese seien "auf so wenige Produktionsstätten beschränkt, dass man da sicherlich nicht in dem Maße Mengen herstellen könnte, wie sie benötigt werden würden". Außerdem sei wahrscheinlich, "dass diese Medikamente in den USA erst mal eingesetzt werden", wo sie meist hergestellt würden. "Und wenn da noch etwas übrig sein sollte, eben andere Länder versorgt werden können", erklärt Schmidt-Chanasit. Das sei auch jetzt schon zum Teil bei Schutzmasken und Tests der Fall.

"Seit Jahren im Einsatz, Nebenwirkungen bekannt"

Das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin dagegen, das auch bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, sei weltweit verfügbar. Schmidt-Chanasit kritisiert dabei auch Medien, in denen Hydroxychloroquin "immer in Zusammenhang gebracht wird mit schlimmen Nebenwirkungen." Da sei Obacht geboten: "Dieses Medikament wird seit Jahrzehnten eingesetzt." Die Nebenwirkungen seien bekannt. "Man kann es gezielt und richtig einsetzen, Remdesivir hat genauso auch Nebenwirkungen," sagt Schmidt-Chanasit. 

Alle weiteren Podcast-Themen rund um die Folgen des Coronavirus finden Sie hier in der Übersicht.



Den Podcast "Tonspur Wissen" von t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft gibt es in allen Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets und bei allen großen Plattformen:

Verwendete Quellen:

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