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Coronavirus - "Ich glaube nicht, dass Menschen jetzt religiöser werden"

PODCASTHilfe in Corona-Zeiten  

Religiöse Menschen können mit der Krise leichter umgehen

Von Ursula Weidenfeld, Marc Krüger

23.04.2020, 13:41 Uhr
Coronavirus - "Ich glaube nicht, dass Menschen jetzt religiöser werden". Religions-Historikerin Irene Dingel: "Riten und Sprache geben religiösen Menschen Orientierung und Halt." (Quelle: Angelika Stehle)

Religions-Historikerin Irene Dingel: "Riten und Sprache geben religiösen Menschen Orientierung und Halt." (Quelle: Angelika Stehle)

Corona-Angst kann Menschen in eine existenzielle Krise versetzen. Gläubig werden sie deswegen wohl nicht, sagt Expertin Irene Dingel im Podcast. Trotzdem könne Religion helfen.

In der Corona-Krise finden vor allem Menschen in der Religion Halt, die eh bereits gläubig sind. Das sagt Irene Dingel vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz. Im t-online.de-Podcast "Tonspur Wissen" erklärt die Religions-Historikerin: "Ich glaube nicht, dass Menschen jetzt religiöser werden." Vielleicht gebe es ein leichtes Ansteigen, "aber das wird dann sicherlich auch wieder sehr schnell abflachen." Hören Sie hier die komplette Folge:

In der Geschichte sei das meist anders gewesen: Vor der Zeit der Aufklärung hätten die Menschen große Krisen wie Missernten, Seuchen oder Naturkatastrophen noch als Schicksalsschläge interpretiert, "oder aber eher noch als Strafen Gottes für kollektiv begangenes Unrecht, für schlechte Regierung oder für fehlgerichtetes Leben", sagt Dingel.

Inzwischen habe sich der Mensch die Natur weitgehend untertan gemacht, erklärt die Historikerin: "Das heißt, die Adressaten des Appells zur Abwendung befürchteter Katastrophen oder Krisen sind im Grunde die Menschen, die Gesellschaften, die Regierungen selbst" – und nicht mehr ausschließlich Gott. "Wir brauchen ja nur letzthin an die Klima-Aktivisten, die Umweltaktivisten, mit ihrer großen Galionsfigur Greta Thunberg zu denken." Das sei der heutige Impuls, der die Menschen bewege.

Religion kann Widerstandskraft stärken

Dennoch vermittelt die Religion laut Dingel den Gläubigen ein Koordinatensystem. Religion begleite wichtige Stationen im Leben eines Menschen – wie Geburt, Heirat, Tod, aber auch Krisensituationen – mit Riten und einer geprägten Sprache: "Das gibt religiösen Menschen eine Orientierung, einen Halt, den sie nicht selbst hervorbringen müssen."

Zum anderen könne Religion gerade in Krisen dazu aufrufen, nicht dem Zerstörerischen die Macht über das eigene Leben zu geben, sagt die Wissenschaftlerin: "Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich bei religiösen Menschen eine etwas gesteigerte Resilienz deutlich macht", sie also eine höhere psychische Widerstandskraft haben und manchmal besser mit schwierigen Situationen im Leben zurecht kommen können.

Alle weiteren Podcast-Themen rund um die Folgen des Coronavirus finden Sie hier in der Übersicht.

Den Podcast "Tonspur Wissen" von t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft gibt es in allen Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets und bei allen großen Plattformen:

Verwendete Quellen:

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