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Coronavirus - "Wir haben nicht 80 Millionen Virologen in Deutschland"

PODCASTWissenschaft in Corona-Zeiten  

"Wir haben nicht 80 Millionen Virologen in Deutschland"

Von Ursula Weidenfeld, Marc Krüger

30.04.2020, 15:11 Uhr
Coronavirus - "Wir haben nicht 80 Millionen Virologen in Deutschland". Leibniz-Präsident Matthias Kleiner, Psychologin Cornelia Betsch und Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. (Quelle: t-online.de)

Leibniz-Präsident Matthias Kleiner, Psychologin Cornelia Betsch und Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. (Quelle: t-online.de)

Virologen können in der Corona-Pandemie beides sein, Helden und Reizfiguren. Der bekannte Viren-Experte Jonas Schmidt-Chanasit fordert deshalb mehr Schutz für Forscher. Kollegen widersprechen.

Forscher müssen sich in der Corona-Krise vor Medien und Öffentlichkeit zurückziehen dürfen, findet Top-Virologe Jonas Schmidt-Chanasit: "Wissenschaft braucht einen geschützten Raum", auch um Erkenntnisse ausdiskutieren zu können. "Wir haben nicht 80 Millionen Virologen in Deutschland", sagt Schmidt-Chanasit im Podcast "Tonspur Wissen". Hören Sie hier das komplette Gespräch mit Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin sowie der Psychologin Cornelia Betsch von der Universität Erfurt und dem Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, Matthias Kleiner:

Psychologin Betsch erklärt den Hype um einzelne Wissenschaftler mit der Vorliebe der Menschen für Geschichten. "Das ist so eine Art Popkult, der sich dann entwickelt." Dabei entstehe zwar mehr Wissen, es gehe allerdings auch um Unterhaltung. "Und die Geschichte funktioniert besser, wenn man sagt, der Herr Drosten trinkt auch gerne mal Bier." Professor Christian Drosten ist Virologe an der Charité in Berlin und unter anderem mit einem Podcast des Norddeutschen Rundfunks bekannt geworden.

Der fatale Eindruck, Virologen würden regieren

Wissenschaft zum Anfassen sei eben konkreter, erklärt Betsch, wenn die Menschen zu einzelnen Personen eine ähnliche Beziehung aufbauen könnten wie zum Lieblingshelden in einer Serie: "Viele Menschen führen jetzt mit Virologen eine solche Beziehung, was ja auch irgendwie Sicherheit gibt", sagt die Forscherin, die jede Woche repräsentativ die Deutschen befragt, wie sie das Leben in Zeiten des Coronavirus empfinden.

Experte Schmidt-Chanasit dagegen sieht darin eine Gefahr. So entstehe "dieser ja wirklich fatale Eindruck, dass Virologen Deutschland regieren." Dies gelte es zu vermeiden – zum Beispiel, indem sich wissenschaftliche Institutionen oder Gremien äußerten statt einzelne Personen. "Meines Erachtens kann man auch gerade, wenn es wenige Experten sind, nicht verlangen, dass unbedingt eine Beratung zu erfolgen hat oder eine Äußerung in den Medien", sagt der Virologe.

Diskussion über Wissenschaft, nicht über Persönliches

Das sieht der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Kleiner, anders: "Die Gesellschaft hat ein Recht auf mein Wissen als Wissenschaftler", sagt er. "Sie hat aber kein Recht darauf, über meine Haare zu diskutieren oder über mein Outfit und über die Frage, ob ich verheiratet bin oder nicht."

Nach Ansicht von Professor Kleiner hat die Politik erkannt, dass sie unter Beratung der Wissenschaft in der Corona-Pandemie ihre Entscheidungen oft nur mit unvollständigen Informationen treffen könne und mitunter auch wieder rückgängig machen müsse. Dabei lasse sich den Menschen auch vermitteln, dass bestimmte wissenschaftliche Ergebnisse nur unter Vorbehalt seien: "Wir müssen und können der Öffentlichkeit eine so differenzierte Information zumuten", sagt Kleiner.

Alle weiteren Podcast-Themen rund um die Folgen des Coronavirus finden Sie hier in der Übersicht.

Den Podcast "Tonspur Wissen" von t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft gibt es in allen Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets und bei allen großen Plattformen:

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