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Coronavirus - "Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Regale immer voll sind"

PODCASTCorona-Folgen bei Nahrung  

"Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Regale immer voll sind"

Von Ursula Weidenfeld, Marc Krüger

27.05.2020, 16:20 Uhr
Coronavirus - "Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Regale immer voll sind". Leere Regale im Laden: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kam es zeitweise zu Nahrungsmittelknappheit. (Quelle: snapshot/imago images)

Leere Regale im Laden: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten kam es zeitweise zu Nahrungsmittelknappheit. (Quelle: snapshot/imago images)

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie abhängig Deutschland von Lebensmitteln aus dem Ausland ist. Doch das hat auch Vorteile, sagen die Agrarwissenschaftler Frank Ewert und Annette Piorr.

Die zeitweise leeren Regale in der Corona-Krise haben bei den Deutschen ein neues Bewusstsein dafür geschaffen, wo genau Lebensmittel produziert werden. Es sei aber auch keine Lösung, alles nur regional anzubauen und zu verkaufen, sagen Frank Ewert und Annette Piorr vom Leibniz-Institut für Agrarlandschafts-Forschung im Podcast "Tonspur Wissen". Hören Sie hier die komplette Folge:

Auch regionale Lebensmittel-Produkte sind nach Aussage des Agrarwissenschaftlers Ewert sensibel – das hätten die Dürren in den Jahren 2018 und 2019 in Deutschland gezeigt. Die Auswirkungen wären mit ausschließlich regionalen Märkten wesentlich größer gewesen: "Wir haben sie kaum in den Geschäften gemerkt, weil wir eine sehr starke internationale Vernetzung hatten", sagt Ewert.

Annette Piorr und Frank Ewert: "Das System hat sich gut auf Engpässe in den Regalen eingestellt." (Quelle: Die Hoffotografen/Andreas Krone/ZALF)Annette Piorr und Frank Ewert: "Das System hat sich gut auf Engpässe in den Regalen eingestellt." (Quelle: Die Hoffotografen/Andreas Krone/ZALF)

Milch und Fleisch gegen Obst und Gemüse

Deutschland sei im Schnitt zu rund 90 Prozent Selbstversorger, erklärt Ewert. Darin sei aber auch eingeschlossen, dass etwa Milch und Fleisch exportiert und Gemüse, Obst und Reis importiert würden. "Da haben wir dann eben im Hochsommer Selbstversorgungsgrade, die nur bei Obst 25 Prozent und bei Gemüse 40 Prozent sind", sagt Agrar-Expertin Piorr.

Andere Obst- und Gemüsesorten seien aber in diesen Breitengraden nicht zu Hause, ergänzt Ewert. "Man muss dann überlegen, wenn man das im eigenen Land etablieren soll, wie das kostenmäßig aussieht, auch was die Ressourcen an Wasser und Energie anbetrifft. Wir bezahlen ja schon jetzt nicht die tatsächlichen Preise der landwirtschaftlichen Produkte." Einer der Gründe seien Subventionen und andere Unterstützungen der Landwirte.

Die Frage der Wertschätzung

Eine Sache könnte sich durch die Corona-Pandemie verändert haben. "Es gab eben lange wirklich die Sichtweise: Die Stadt ist der Motor, das ist der kreative Pool", das Hinterland wurde dagegen eher als "Empfänger von irgendwelchen Ausbreitungseffekten" betrachtet, sagt Agrarwissenschaftlerin Piorr. Das sei heutzutage nicht mehr so. 

Auch für ihren Kollegen Ewert ist die Wertschätzung ein wichtiger Punkt – das betreffe auch Landwirte. Diese hätten in den vergangenen Jahrzehnten in der "Wertschätzung innerhalb der Gesellschaft als Berufsgruppe nicht unbedingt gewonnen". Wenn man darüber nachdenke, dass "Essen und Ernährung nun mal ein zentraler Aspekt ist", müssten die Akteure dieser Produktketten genauso wertgeschätzt werden wie andere Berufsgruppen. "Und da ist sicher auch einiges zu verbessern", sagt Ewert.

Alle weiteren Podcast-Themen rund um die Folgen des Coronavirus finden Sie hier in der Übersicht.

Den Podcast "Tonspur Wissen" von t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft gibt es in allen Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets und bei allen großen Plattformen:

Verwendete Quellen:

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