Sie sind hier: Home > Panorama > Wissen >

Coronavirus – "Die Bedeutung dieser App wird systematisch überschätzt"

PODCASTKampf gegen Covid-19  

"Die Bedeutung der Corona-App wird überschätzt"

Von Ursula Weidenfeld, Marc Krüger

15.06.2020, 09:36 Uhr
Coronavirus – "Die Bedeutung dieser App wird systematisch überschätzt". Ein Mann mit Gesichtsmaske blickt auf sein Smartphone (Symbolbild): Digitalexpertin Jeanette Hofmann sieht die geplante Corona-App nur als kleinen Baustein der Pandemie-Bekämpfung. (Quelle: imago images/Westend61)

Ein Mann mit Gesichtsmaske blickt auf sein Smartphone (Symbolbild): Digitalexpertin Jeanette Hofmann sieht die geplante Corona-App nur als kleinen Baustein der Pandemie-Bekämpfung. (Quelle: Westend61/imago images)

Die geplante Corona-App ist nicht so effektiv, wie sie sein könnte, sagt Digitalexpertin Jeanette Hofmann. Die Idee der digitalen Abstandsmessung werde aber bleiben  auch für andere Zwecke.

Mit der geplanten Corona-App werden die Deutschen nicht in ihr Leben vor der Pandemie zurückkehren können, sagt Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung: "In meiner Wahrnehmung wird die Bedeutung dieser App systematisch überschätzt", erklärt die Politikwissenschaftlerin bei "Tonspur Wissen", dem gemeinsamen Podcast von t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft. Hören Sie hier die komplette Folge:

Die Corona-App sei ein "kleiner Baustein in einem großen Konzept", sagt Hofmann. "In diesem großen Konzept steht nach wie vor die manuelle Verfolgung von Infektionsketten an erster Stelle." So funktioniert die Infektions-Verfolgung per App nach Ansicht der Wissenschaftlerin nur, wenn es auch genügend Test-Stationen gibt.

Je mehr Menschen außerdem über die App vor einer möglichen Ansteckung gewarnt würden, desto mehr müssten auch befragt werden, sagt Hofmann. Und auch die medizinische Infrastruktur gehört für die Expertin dazu: "Was nützt einem, wenn man ein positives Testergebnis hat, aber es gibt kein Krankenhausbett?"

Wozu wird die App-Technik künftig genutzt? 

Dass sich Deutschland dafür entschieden habe, die Daten der App-Nutzer nicht zentral zu verarbeiten, hat nach Meinung der Forscherin seinen Preis: "Dafür zahlen wir natürlich mit einer gewissen Effizienz, die aus epidemiologischer Sicht sehr zentral gewesen wäre." Zudem sei der Erfolg der App davon abhängig, dass sich Infizierte auch tatsächlich melden. Doch da ist Hofmann zuversichtlich: "Die Bürger werden sich mehrheitlich so verantwortlich verhalten, wie von ihnen auch Verantwortung verlangt wird."

Digital-Expertin Jeanette Hofmann: "Die Corona-App ist ein kleiner Baustein in einem großen Konzept." (Quelle: WZB/David Ausserhofer)Digital-Expertin Jeanette Hofmann: "Die Corona-App ist ein kleiner Baustein in einem großen Konzept." (Quelle: WZB/David Ausserhofer)

Trotzdem birgt die App nach Ansicht von Hofmann Risiken. "Nicht ganz zu Unrecht" herrsche in Deutschland eine gewisse Angst, dass ein legitimer Zweck einer Datensammlung immer mehr ausgedehnt werde. "Wir sind mit dieser Corona-App ja erstmalig in der Lage, den Abstand zwischen Individuen zu vermessen. Und ich glaube, an dieser Idee werden wir künftig nicht mehr vorbeikommen." So könnte die Technologie künftig sowohl bei anderen Krankheitswellen, aber auch in der Polizeiarbeit zum Einsatz kommen – etwa im Kampf gegen Terroristen.

Alle weiteren Podcast-Themen rund um die Folgen des Coronavirus finden Sie hier in der Übersicht.

Den Podcast "Tonspur Wissen" von t-online.de und der Leibniz-Gemeinschaft gibt es in allen Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets und bei allen großen Plattformen:

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal