Sie sind hier: Home > Panorama > Wissen >

Gendern & "Cancel Culture" – "Eine Sprachpolizei gibt es in Deutschland nicht"

Podcast "Tonspur Wissen"  

"Eine Sprachpolizei gibt es in Deutschland nicht"

Von Marc Krüger, Ursula Weidenfeld

17.11.2020, 10:30 Uhr
Gendern & "Cancel Culture" – "Eine Sprachpolizei gibt es in Deutschland nicht". Henning Lobin: "Ich halte die Rede von einer Sprachpolizei in Deutschland für überzogen." (Quelle: IDS/T. W. Klein)

Henning Lobin: "Ich halte die Rede von einer Sprachpolizei in Deutschland für überzogen." (Quelle: IDS/T. W. Klein)

Gendern, "Cancel Culture" und die Grenzen des Sagbaren – es wird viel übers Sprechen gesprochen. Sprachwissenschaftler Henning Lobin erklärt im Podcast, worum es dabei geht und warum Sprache so wichtig ist.

"Ich glaube nicht, dass wir uns zwangsläufig verpflichtet fühlen müssen, in einer ganz bestimmten Art und Weise sozusagen ständig gesellschaftskompatibel zu sprechen", sagt Henning Lobin, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. Aber jeder Mensch signalisiere natürlich durch die Art und Weise der Sprache "eine ganz bestimmte Haltung oder Meinung zu sehr vielen Fragen". Das gelte nicht nur bei geschlechtergerechter Sprache, sondern auch in Bezug auf politische Haltungen, erklärt Lobin im Podcast "Tonspur Wissen" von t-online und der Leibniz-Gemeinschaft.

Hören Sie hier die komplette Folge "Tonspur Wissen" und abonnieren Sie den Podcast kostenlos bei Spotify oder Apple Podcasts:

Lobin gibt dafür ein Beispiel: Wer geschlechterneutrale Sprache verwende, erreiche allein dadurch natürlich nicht, dass die Gleichstellung der Geschlechter auch tatsächlich erreicht werde. Man bringe dadurch aber zum Ausdruck, "dass man dieses für ein Anliegen hält." Je nachdem, welche Wörter man verwende, werde man auch gesehen.

In der Politik gelte dies insbesondere für Populisten, die Sprache gezielt einsetzen würden. International sei der Diskurs vor allem von US-Präsident Donald Trump beeinflusst worden. Er hat laut Lobin "die politische Kultur als solche und auch die politische Sprache, die Art, wie in der Politik gesprochen wird" verändert. In Deutschland könne man "relativ gut nachvollziehen, wie der Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag im Jahr 2017 eine Veränderung in der politischen, sprachlichen Kultur des Landes herbeigeführt hat".

"Jeder kann so sprechen, wie er oder sie möchte"

Dennoch sieht Sprachwissenschaftler Lobin keine generellen Einschränkungen, die einen Diskurs über wichtige Themen unmöglich machen würden. Inwieweit bestimmte Dinge sagbar oder auch nicht mehr sagbar seien, "das ist eigentlich eine geradezu sprachpolitische Auseinandersetzung". Grundsätzlich gelte: "Jeder kann so sprechen und schreiben, wie er oder sie möchte bei uns in Deutschland." Es sei denn, man beleidige jemanden.

Eine "Sprachpolizei, wie es manchmal behauptet wird, gibt es nicht", stellt Lobin im Gespräch mit Ursula Weidenfeld klar. Es gebe in Deutschland keine Institution, die es tatsächlich ermöglicht, "strafrechtlich gegen Verstöße vorzugehen". Die Rede von einer angeblichen Sprachpolizei halte er deshalb für "überzogen".

In welchem Land es eine solche Sprach-Institution gibt, wie nach Ansicht von Sprachwissenschaftler Lobin mit der angeblichen "Cancel Culture" umgegangen werden sollte und warum eine Gesellschaft unbedingt eine gemeinsame Sprache braucht, hören Sie in der Podcast-Folge von "Tonspur Wissen".


Den Podcast "Tonspur Wissen" von t-online und der Leibniz-Gemeinschaft gibt es in allen Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets und bei allen großen Plattformen:

Die Spezial-Folgen von "Tonspur Wissen" zum Coronavirus finden Sie hier in der Übersicht.

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal