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Diese Folgen muss der Wirecard-Skandal haben

Podcast "Tonspur Wissen"  

Diese Folgen muss der Wirecard-Skandal haben

Von Ursula Weidenfeld, Moritz Bailly, Marc Krüger

15.12.2020, 11:15 Uhr
Diese Folgen muss der Wirecard-Skandal haben . Schriftzug der Wirecard AG am Firmensitz in Aschheim. Die Finanzaufsicht hatte den Betrug über lange Zeit nicht erkannt. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Schriftzug der Wirecard AG am Firmensitz in Aschheim. Die Finanzaufsicht hatte den Betrug über lange Zeit nicht erkannt. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Der Fall Wirecard ist einer größten Finanzskandale der deutschen Wirtschaft – und er betrifft auch Finanzaufsicht und Politik. Was ist passiert und was muss sich jetzt ändern? Antworten gibt es im Podcast.

Jan Pieter Krahnen zieht eine klare Lehre aus der Affäre um den insolventen DAX-Konzern Wirecard: "Unsere Architektur der Aufsicht des Wertpapiermarktes ist nicht optimal eingestellt." Der Professor und wissenschaftliche Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE forscht zu den politischen Folgen des Wirecards-Skandals. Im Podcast "Tonspur Wissen" von t-online und der Leibniz-Gemeinschaft zeichnet er den Fall Wirecard nach und erklärt, wie einer der "Hoffnungsträger der deutschen Finanzindustrie" zum Insolvenzfall wurde.

Hören Sie hier die komplette Folge "Tonspur Wissen" und abonnieren Sie den Podcast kostenlos bei Spotify oder Apple Podcasts:

Das Unternehmen hatte mit gefälschten Bilanzen über Jahre hohe Gewinne vorgegaukelt – am Ende fehlten 1,9 Milliarden Euro auf den Konten von Wirecard. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte ab und brachte Tausende Aktionäre um ihr Geld.

Was Wirtschaftsprüfer und Finanzaufsichtsbehörden jahrelang übersehen hatten, wurde durch Journalisten der "Financial Times" aufgedeckt. Im Februar 2019 hatte die Zeitung berichtet, "dass es mit dem Asiengeschäft von Wirecard Unregelmäßigkeiten gibt und dort nach verlorenem Geld sozusagen gesucht wird", berichtet Krahnen.

Die seltsame Reaktion der deutschen Finanzaufsicht

Doch die Reaktion der Behörden auf diese Enthüllungen war zunächst eine überraschende: Statt gegen Wirecard richteten sich die Ermittlungen gegen die Journalisten und die Aktienhändler. "Die deutsche Aufsicht hat als Erstes vermutet, dass das ein Komplott, ein Machtmissbrauch ist – von Aktienhändlern, die versuchen, die Firma schlechtzureden, und aus diesem Herabrutschen des Preises versuchen, ein Geschäft zu machen", erklärt Krahnen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin verhängte daraufhin ein Leerverkaufsverbot, um den Aktienkurs des Unternehmens zu schützen, "der ohne diesen Eingriff weiter herabgerutscht wäre", sagt der Forscher.

Für Krahnen war diese Intervention ein Zeichen dafür, dass die Behörden den Enthüllungen der Journalisten keinen Glauben schenkten und dem Markt damit signalisierten, Wirecard gehe es gut. "Und das ist natürlich etwas, was im Grunde eine Aufsicht in dieser Form nicht tun soll."

Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE forscht zu den politischen Implikationen des Wirecard-Skandals. (Quelle: SAFE)Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE forscht zu den politischen Implikationen des Wirecard-Skandals. (Quelle: SAFE)

Wie sollte eine europäische Finanzaufsicht aussehen?

Im Auftrag des Europäischen Parlaments hat Krahnen mit seinen Kollegen ein Gutachten erstellt, das die politischen Folgen des Skandals untersucht. Welche Lehren lassen sich aus dem Fall Wirecard ziehen? Wie sollte eine staatliche Regulierung im Finanzbereich aussehen, die besser vor Betrug schützen kann? Eine der Empfehlungen der Forscher ist "eine europäische Aufsicht, die in allen europäischen Kapitalmärkten auf einheitliche Weise einen Standard von Marktintegrität schafft. So, wie wir das im Bankenbereich mit der Bankenaufsicht ja auch geschafft haben, nach der letzten Finanzkrise." 

Wichtig sei außerdem eine stärkere Trennung von Aufsicht und Politik, meint Krahnen. Denn "in Deutschland etwa ist die Finanzaufsicht dem Finanzministerium unterstellt, und das bedeutet ja auch, dass sozusagen Politiker, die in der Exekutive tätig sind, in einer ungesunden Weise in die Aufsicht vermischt werden können. Das würde man auch damit verhindern."

Welche Rolle die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young im Wirecard-Skandal spielten, und warum der Experte kein Problem darin sieht, dass die Bundesregierung Wirecard unterstützt hatte, hören Sie in der Podcast-Folge von "Tonspur Wissen".


Den Podcast "Tonspur Wissen" von t-online und der Leibniz-Gemeinschaft gibt es in allen Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets und bei allen großen Plattformen:

Die Spezial-Folgen von "Tonspur Wissen" zum Coronavirus finden Sie hier in der Übersicht.

Verwendete Quellen:

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