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Fischerei: Wissenschaftler kritisieren Fangquoten der EU

Kabeljau  

Forscher und Fischer kritisieren Fangquoten

21.12.2006, 11:04 Uhr

Richtig zufrieden ist niemand: Die EU-Agrarminister wollen den Kabeljau in der Nordsee retten und legten am Donnerstag geringere Fangquoten fest. Sie sinken allerdings weniger stark, als von der Kommission ursprünglich gefordert. Wissenschaftler befürchten, dass der bedrohte Fisch ausstirbt. Die Fischer dagegen beklagen, dass die Quoten zu niedrig sind.

Keine Schonfrist für Sardellen
Die Minister beschlossen, die Fangquote für Kabeljau je nach Gebiet zwischen 14 und 20 Prozent sowie die Zahl der Fangtage um sieben bis zehn Prozent zu verringern. Der Kommissionsvorschlag sah dagegen vor, die zulässigen Fänge von Kabeljau im kommenden Jahr um ein Viertel zu reduzieren und Sardellen im ersten Halbjahr 2007 ganz vom Fischfang auszunehmen. Damit sollte es den Beständen erlaubt werden, sich zu erholen. Frankreich, Spanien, Dänemark und auch den deutschen Fischern ging das zu weit. Sie argumentieren, der EU-Vorschlag vernichte Arbeitsplätze.


Wissenschaftler unzufrieden
Umweltschützern und Forschern ging schon der Kommissionsvorschlag nicht weit genug. Entsprechend enttäuscht reagierten sie auf die neuen Fangquoten: "Das entspricht nicht den Anforderungen, die wir als Wissenschaftler stellen", sagte Siegfried Ehrich von der Hamburger Bundesforschungsanstalt für Fischerei. Die Beschlüsse der Politiker blieben weit hinter den Empfehlungen der Wissenschaftler zurück. Der Kieler Meeresbiologe Rainer Froese kritisierte: "Das ist viel zu wenig."

Fangstopp gefordert
Froese fordert einen zwei- bis dreijährigen Fangstopp für die Ostsee, wo der Fisch auch Dorsch genannt wird. Düstere Aussichten sieht er auch in der Nordsee: Hier seien die Bestände so weit reduziert, dass der Traditionsfisch vor dem Zusammenbruch stehe. Es sehe "sehr schlecht" aus. In zwei Jahren werde die Art dort wahrscheinlich verschwunden sein. Helfen könne nur noch ein Fangstopp. In der Zwischenzeit müsste den Betrieben das Überleben gesichert werden. Langfristig würde ein vorübergehender Fangstopp die wirtschaftliche Situation der Fischer verbessern, prognostiziert Froese.

Größere Maschen
Forscher Ehrich erwartet dagegen nicht, dass der Kabeljau ausstirbt. "Wir haben ein Managementproblem." Aus seiner Sicht ist nicht die Fangmenge, sondern die Anzahl der Seetage die effektivere Stellschraube. Auch wäre es sinnvoll, wenn die Fische bis zum Fang ein höheres Alter erreichen. Die Verwendung von Netzen mit größeren Maschen sei beim gleichzeitigen Fang verschiedener Arten allerdings schwierig. Dann würden Schellfisch und Wittling nicht mehr erfasst.

Konsumenten können helfen
"Hoffnung kommt von Teilen der Industrie und von Verbrauchern, nicht jedoch von der Politik, glaubt Froese. Er setzt auf ein anderes Fischereiverhalten und das Qualitätssiegel MSC (Marine Stewardship Councel): Es garantiert ökologische Standards beim Fang. Kunden, Handel und Industrie fragten verstärkt nach MSC-Fisch, der überwiegend aus dem Pazifik stamme, erläutert der Biologe. "Das ist ein Erfolg."


Mehr Seelachs
Scharfe Kritik an den Brüsseler Beschlüssen kommt auch von den Fischern. "Die Reduzierung der Seetage für Kabeljaufischer von 103 auf 91 ist existenzbedrohend", mahnte Kai Arne Schmidt, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft der Hoch- und Kutterfischer in Cuxhaven. Hinzu komme: Die alte Regelung habe sich nur auf EU-Gewässer bezogen. Die Fischer durften darüber hinaus vor Norwegen Kabeljau fangen. Jetzt ist nach 91 Tagen komplett Schluss. Schmidt lobte die Bundesregierung aber dennoch, weil sie immerhin erreicht habe, dass die betroffenen Fischer anschließend mit einem Kontrolleur an Bord auf Seelachsfang gehen dürfen. "Dafür sind wir dankbar."

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