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Massensterben der Bienen in ganz Deutschland

Agrarministerium sucht nach Ursachen  

Massensterben der Bienen in ganz Deutschland

15.05.2008, 13:53 Uhr | dpa

Bienen: fleißig und sanft, aber immer anfälliger für Krankheiten und Parasiten (Quelle: imago images)Bienen: fleißig und sanft, aber immer anfälliger für Krankheiten und Parasiten (Quelle: imago images) Bundesweit sterben die Bienen: Nach Forscherangaben haben rund 30 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt. Besonders dramatisch ist das Phänomen im Rheintal von Baden-Württemberg. Bienenzüchter in Baden machen das Pflanzenschutzmittel Clothianidin dafür verantwortlich, das auf Maisfeldern im Kampf gegen den Maiswurzelbohrer eingesetzt wird. Das Bundesagrarministerium sucht nun nach den Ursachen.

Nervengift Clothianidin in toten Bienen nachgewiesen

"Wir nehmen das ernst und haben Untersuchungen veranlasst", sagte eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag in Berlin. Das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut) in Braunschweig rechnet in den kommenden Tagen mit Ergebnissen. Clothianidin wurde nach Angaben des Instituts in Spuren bereits in den Bienen aus dem Rheintal nachgewiesen. Diese ersten Resultate reichten aber nicht für eine abschließende Einschätzung, ob die Dosis allein für den Bienentod verantwortlich ist. Im vergangenen Jahr hatte ein großflächiges Bienensterben in Nordamerika für Schlagzeilen gesorgt.

Badisches Rheintal Millionenfacher Tod in den Bienenstöcken

"Fast eine Naturkatastrophe"

Der Würzburger Biologieprofessor Jürgen Tautz vermutet Überzüchtung und ein zu geringes Nahrungsangebot als Ursachen für das Bienensterben in Deutschland. "Die Verluste sind derzeit bundesweit sehr hoch, teilweise bis zu 100 Prozent", sagte Tautz. "Das ist fast eine Naturkatastrophe." Unter natürlichen Bedingungen sei ein Verlust von zehn Prozent nach jedem Winter normal.

Bienen werden immer anfälliger für Krankheiten

Zwar unterschieden sich die Ursachen für das Bienensterben regional, dennoch sei die Anfälligkeit der Tiere für Parasiten und Krankheiten in den vergangenen Jahren gestiegen. "Es ist eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Gründen, die zu dem Sterben führt", sagte Tautz. Das bisherige Zuchtziel, sanftmütige und sehr fleißige Bienen zu erhalten, konnte zwar erreicht werden. Dabei seien aber Aspekte wie Krankheitsanfälligkeit außer Acht geblieben. For allem die Varroamilbe, ein Parasit, schwäche nun häufiger die Brut. "Wir brauchen heute nur noch ein Zehntel der Menge an Milben, um ein Volk zu töten, als vor zehn Jahren nötig gewesen wäre."

Milben vermehren sich schneller als Bienen

Tautz zufolge arbeiten Wissenschaftler derzeit an Bienen, die gegen die Varroamilbe resistent sind, um so Abhilfe zu schaffen. "Das ist ein Wettrennen; das können wir nicht gewinnen." Denn: Die Varroamilbe vermehre sich fünf- bis siebenmal im Jahr, die Biene nur einmal. Damit könne sich die Milbe rascher an neue Lebensbedingungen anpassen als die Bienen verändert werden könnten. "Aber wir haben schon verloren, wenn wir es nicht versuchen", sagte der Biologe.

"Kein bunter Speiseteller"

Weitere Gründe für das Massensterben sieht Tautz vor allem in der Industrialisierung der Landwirtschaft, dem verstärkten Einsatz von Insektiziden und Pestiziden sowie in der zunehmenden Monokultur. "Die Bienen finden keinen bunten Speiseteller mehr", sagte der Wissenschaftler. "Diese einseitige Ernährung schwächt die Tiere" und mache sie wiederum anfälliger für Krankheiten. Hinzu kämen die milden Winter - die Insekten richteten sich weniger auf Kälte ein. Plötzlichen Kälteeinbrüchen in warmen Wintern seien sie dann nicht mehr gewachsen, weil Nahrung und Brennstoff zur Wärmeerzeugung fehlten.

Seltener mähen, weniger spritzen

Tautz plädierte dafür, Wegränder seltener zu mähen und weniger zu spritzen. Zudem sollten früh blühenden Bäumen und Sträuchern wie Weiden oder Haselsträuchern zeitlich etwas später ausgeschnitten werden, um den Bienen eine Chance auf vielfältigere Nahrung zu geben.


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