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Großbritannien will ersten kommerziellen Weltraum-Bahnhof bauen

Flüge ab 2018  

Briten wollen Weltraum-Bahnhof bauen

16.07.2014, 08:28 Uhr | dpa

Großbritannien will ersten kommerziellen Weltraum-Bahnhof bauen. Dieses Computerbild zeigt, wie der künftige Weltraum-Bahnhof in Großbritannien aussehen könnte. (Quelle: UK Space Agency/dpa)

Dieses Computerbild zeigt, wie der künftige Weltraum-Bahnhof in Großbritannien aussehen könnte. (Quelle: UK Space Agency/dpa)

Großbritannien will künftig eine führende Rolle in der kommerziellen Raumfahrt einnehmen und plant deshalb den Bau des ersten Weltraum-Bahnhofes in Europa. Ab 2018 sollen reiche Touristen von dort ins All befördert werden. Große Pläne für eine Nation, die bislang in der Raumfahrt kaum eine Rolle spielte.

Der Traum vom Urlaub im All ist für abenteuerlustige Kunden mit dickem Geldbeutel längst nicht mehr abwegig. Im Jahr 2030 könnten etwa 40 Milliarden Pfund (gut 50 Milliarden Euro) mit Reisen in den Weltraum erwirtschaftet werden, hat Großbritanniens staatliche Weltraum-Agentur errechnet. An diesem Geschäft will das Land mitverdienen und plant nun den Bau eines eigenen Weltraum-Bahnhofes.

Bekannt wurde das Vorhaben am Wochenende. Auf der Flugmesse im südenglischen Farnborough stellte der Luftfahrt-Beauftragte Robert Goodwill es nun offiziell vor. "Um in der kommerziellen Raumfahrt eine Führungsrolle zu haben, brauchen wir einen Weltraum-Bahnhof, der uns regelmäßige Flüge ermöglicht", sagte er. Es wäre der erste in Europa. Schon 2018 sollen von Großbritannien aus kleine Satelliten und auch Superreiche ins All befördert werden. Bis 2030 sollen zehn Prozent des weltweiten Geschäfts mit dem Weltraum dann britisch sein.

Große Pläne, wenig Konkretes

Große Pläne einer Nation, die in der Raumfahrt bislang nicht gerade glänzte. Immerhin: 34.000 Menschen im Land verdienen ihr Geld inzwischen in der Branche, die mehr als elf Milliarden Pfund im Jahr erwirtschaftet. Es soll mehr werden, im Zuge der Re-Industrialisierung fördert die Regierung die Luft- und Raumfahrt.

Doch Details zu den Bahnhofsplänen gibt es nicht. Was kostet das Projekt, wie viel müssen Steuerzahler stemmen? "Wir sind noch in der Erkundungsphase", weicht Catherine Mealing-Jones von der UK Space Agency aus. Um die Investitionsfrage werde man sich natürlich kümmern.

Richard Branson soll es richten

Medienberichten zufolge hofft die Regierung auf den milliardenschweren Briten Richard Branson. Seine Firma Virgin Galactic hatte schon für 2011 die ersten privaten Weltraumflüge mit dem "SpaceShipTwo" von New Mexico aus angekündigt. Mehrere hundert Menschen haben nach Angaben der Firma bereits Tickets gekauft. Es locken Flüge in 100 Kilometer Höhe und mehrere Minuten Schwerelosigkeit. Geflogen ist allerdings noch keiner. Die bisher sieben Weltraumtouristen waren auf der internationalen Raumstation ISS rund 400 Kilometer über der Erde, Dennis Tito machte 2001 den Anfang.

Man kann darüber streiten, ob Unternehmen wie Virgin Galactic oder XCor überhaupt "echten" Weltraumtourismus anbieten würden, wenn ihre Raumgleiter zum Einsatz kämen. Doch auch diese Flüge seien technisch extrem anspruchsvoll und bräuchten spezielle Flughäfen, erklärt Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: "Mit viel Regen und Wind geht nichts." Aus Sicherheitsgründen müssen die Anlagen in unbewohntem Gebiet liegen.

Weltraum-Bahnhof könnte in Schottland entstehen

Immerhin acht angeblich geeignete Orte haben Experten in Großbritannien ausgemacht – sechs davon in Schottland. Das ist vielleicht kein Zufall, auf jeden Fall ist es ein Politikum. Denn in gut zwei Monaten entscheiden die Schotten, ob sie weiterhin zum Königreich gehören wollen. Ist der Bahnhof ein Werbe-Versprechen für Fans der Unabhängigkeit? Oder gar ein Druckmittel?

Schottlands Regierungschef Alex Salmond versicherte jedenfalls eilig, das Land bleibe am besten geeignet, egal, wie das Referendum ausgehe. Doch David Parker, Chef der UK Space Agency, sagte: "Wir planen auf der Basis, dass Schottland ein Teil Großbritanniens bleibt." Und eine Entscheidung über den Standort werde "selbstverständlich" erst nach der Abstimmung gefällt.

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