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"Stimmung in der Crew ist super"

dpa, Thomas Körbel

Aktualisiert am 06.06.2018Lesedauer: 4 Min.
Alexander Gerst beim Test seines Raumanzugs: Er soll auf ISS – als erster Deutscher überhaupt – im Herbst auch das Kommando übernehmen.
Alexander Gerst beim Test seines Raumanzugs: Er soll auf ISS – als erster Deutscher überhaupt – im Herbst auch das Kommando übernehmen. (Quelle: Esa/ESA/dpa)
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Astronaut Alexander Gerst ist auf dem Weg zur Internationalen Raumstation. Freunde, Verwandte und Raumfahrtgrößen begleiten ihn bei seinem Start. Der Abflug verläuft fast wie im Bilderbuch.

Zum Abschied bleibt von Alexander Gerst ein Feuerschweif als Gruß am Firmament. Rasch verdichtet er sich zu einem kleiner werdenden Punkt zwischen den Wölkchen am Himmel über der kasachischen Steppe. Das Dröhnen der Triebwerke hängt noch einen Moment in den Ohren. Dort, wo eben noch die Sojus-Rakete aufragte, klafft eine Lücke. In Erinnerung bleibt das Bild einer Rakete, die zunächst wie in Zeitlupe unter einem Meer aus Flammen schwebt, fast in der Luft steht, bevor sie mit der gewaltigen Kraft von mehr als 20 Millionen PS in die Höhe schießt.


Die besten Fotos: Alexander Gerst fliegt zur ISS

Schon einen Tag vor dem Start gab es Hilfe von ganz oben: Ein orthodoxer Priester hat die Sojus-Rakete an der Startrampe gesegnet, mit der der deutsche Astronaut Alexander Gerst am Mittwoch zur ISS aufgebrochen ist.
Schon am Mittwochmorgen ging es los: Die us-amerikanische Nasa-Astronautin Serena Aunon-Chancellor (von links), der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew und der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst kommen aus dem Hotel.
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Der große Tag nach über zwei Jahren Training

Nach zweieinhalb Jahren anstrengenden Trainings ist Deutschlands beliebter Astronaut Gerst zur Internationalen Raumstation (ISS) gestartet. Mit der Sojus-Rakete hob "Astro-Alex" am Mittwoch vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. Schon nach neun Minuten ist das Raumschiff im Erdorbit angekommen – fast 28.000 Kilometer pro Stunden schnell.

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Bis Freitag ist Gerst mit dem Russen Sergej Prokopjew und der US-Amerikanerin Serena Auñón-Chancellor im engen Raumschiff "Sojus MS-09" unterwegs. 34 Mal wird die Crew die Erde umrunden, bis sie am Raumlabor andockt. Ein gutes halbes Jahr soll Gerst auf dem Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde leben, experimentieren und – als erster Deutscher überhaupt – im Herbst auch das Kommando übernehmen.

Vor vier Jahren war Gerst schon einmal auf der ISS. Wenn er vor seinem zweiten Start aufgeregt war, dann ließ er es sich nicht anmerken. Alle, die ihn noch getroffen haben, bestätigten in Baikonur, er sei die Ruhe in Person.

Gersts zweite Reise zu den Sternen beginnt an der historischen Startrampe 1, von der aus Juri Gagarin 1961 als erster Mensch den Kosmos erkundete. Die Sonne brennt an diesem Junitag, trotz Wolken ist es drückend heiß.

"Desinteressierte Kamele am Wegesrand"

Wer Glück hat, sieht auf dem Weg zum Startkomplex ein Kamel am Straßenrand dösen – so auch Gerst: "Beobachten desinteressierte Kamele am Wegesrand", twittert er am Morgen wenige Stunden vor dem Start. Und: "Stimmung in der Crew ist super". Beim Verlassen des Hotels "Kosmonaut" strahlt der 42-jährige Glatzkopf aus Künzelsau in Baden-Württemberg. Er winkt in seinem blauen Overall in die Menge. Sehr glücklich wirkt er, nun, da es endlich wirklich losgeht.

Wenige Stunden später hat er den Overall gegen den Raumanzug getauscht. Nur kurz verharren er und seine beiden Kollegen in der prallen Sonne und winken in die Menschenmenge. Aus dem Bus heraus formt Gerst ein Herz mit seinen Händen - vielleicht für seine angereiste Freundin, vielleicht für seine Eltern. Wer weiß?

Die Sojus-Rakete mit Alexander Gerst an Bord legte einen perfekten Start hin.
Die Sojus-Rakete mit Alexander Gerst an Bord legte einen perfekten Start hin. (Quelle: Reuters-bilder)

Aus gut zwei Kilometern Entfernung blicken die Familien der Raumfahrer, die Branchenprominenz und die Weltpresse auf die Rampe. Bei Jan Wörner, Chef der europäischen Raumfahrtagentur Esa, brechen sich vor dem Start die Emotionen Bahn. "Alex, weißt du, du könntest mein Sohn sein", habe er Gerst am Dienstag noch gesagt. "Da war die Situation, dass ich sagte: "Junge, pass auf dich auf"", sagt Wörner.

Auch Weltraumpionier Sigmund Jähn ist dabei

Gersts engste Freunde und Verwandte haben die weite Reise angetreten, um ihren "Forscher und Entdecker" zu begleiten. "Wir freuen uns sehr, ihn nun zum zweiten Mal ins All fliegen zu sehen, und wünschen ihm das Allerbeste", teilt die Familie über die Esa mit.

Ein besonderer Gast beim Start ist Deutschlands Weltraumpionier Sigmund Jähn. Gerst hat den 81-jährigen "guten Freund" selbst eingeladen. "Er ist aus meiner Sicht einer der fähigsten Leute, die wir hatten", sagt Jähn über "Astro-Alex". Im August 1978 flog der DDR-Bürger mit einer Sojus zur Raumstation Saljut-6: Und wurde so zum ersten Deutschen im All. Gerst ist der elfte Deutsche, der zu den Sternen aufbricht, eine Frau gehörte bislang nicht dazu.

Das Ziel von Gerst und seinen Kollegen: Die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus (Mitte unten links) in der Erdumlaufbahn.
Das Ziel von Gerst und seinen Kollegen: Die Internationale Raumstation (ISS) mit dem angedockten europäischen Wissenschaftslabor Columbus (Mitte unten links) in der Erdumlaufbahn. (Quelle: Nasa/dpa)

In den 40 Jahren seit Jähns Mission hat sich viel geändert in der Branche. Die Technik ist automatisierter, digitaler, ausgereifter. Der Veteran Jähn sagt auch: "Die Leute werden immer klüger. Der Alexander Gerst ist ja ein treffendes Beispiel. Ein äußerst fähiger junger Mann, ein gestandener Wissenschaftler."

Der Zeitplan ist eng getaktet

Als Wissenschaftler erwartet den promovierten Geophysiker Gerst auf der ISS ein strammes Programm. Für rund 300 Experimente soll das halbe Jahr im All etwa reichen. 41 Forschungsprojekte steuert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bei. Gerst soll in der Schwerelosigkeit unter anderem an Künstlicher Intelligenz und an den Eigenschaften planetarer Magnetfelder forschen.

Der Zeitplan ist eng getaktet. "Wenn Alex Commander ist, hat er weniger Zeit, weil er noch andere Aufgaben wahrnehmen muss", sagt Volker Schmid vom DLR. Als Kommandant ist Gerst vor allem für die Sicherheit der Crew im Notfall verantwortlich. Dafür muss er den Zustand der Station im Blick behalten. Schmid will deshalb als Leiter von Gersts Mission "Horizons" so viele Aufgaben wie möglich umsetzen, bevor der Astronaut im Herbst auf der ISS das Ruder übernimmt.

Gerst kann "alle mit an Bord nehmen"

An Gersts Qualifikation zweifelt auch Ex-Astronaut Thomas Reiter nicht. Wenn der ranghohe Esa-Funktionär von Gersts Mission erzählt, freut er sich selbst ein bisschen wie ein Schuljunge auf eine Mondlandung. "Alex ist jemand, der unheimlich gut die Eindrücke, die er dort oben hat, mit anderen teilen kann", sagt der 60-Jährige. Das habe Gerst schon bei seiner ersten Mission 2014 gezeigt. "Er hat alle, und ich meine auch Kollegen wie mich, die das selbst schon erlebt haben, wirklich mit an Bord genommen."

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