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Das richtige Weinglas für Rotwein, Weißwein und Sekt

Vier Kriterien für ein gutes Glas  

Eine Frage des Stiels: Das richtige Weinglas auswählen

04.01.2019, 09:24 Uhr | Marcus Woeller, dpa

Das richtige Weinglas für Rotwein, Weißwein und Sekt. Aus einem schönen Glas schmeckt ein guter Wein noch viel besser. (Quelle: Getty Images/YinYang)

Aus einem schönen Glas schmeckt ein guter Wein noch viel besser. (Quelle: YinYang/Getty Images)

Wenn man im Urlaub ist, schmeckt der Wein auch aus dem kleinen Wasserglas. Aber wieder Zuhause angekommen, fährt der Genießer gerne edles Kristall verschiedenster Formen auf, um den guten Tropfen zu servieren. Ist das notwendig? Nein, sagen Wein-Experten.

Gourmets und Experten diskutieren über Terroir, Barrique oder Bouquet und kennen sogar die eingesetzte Weinhefe beim Namen. Doch für den Genuss ist nicht nur entscheidend, was da in Fass und Flasche heranreift. Wichtig ist auch, in welchem Glas der Wein serviert wird.

"Ohne das richtige Glas bleibt ein wichtiger Teil der Aromenfülle eines Weines unentdeckt oder geht auf der Strecke zwischen Glas und Nase verloren", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Mainz. "Es ist Aufgabe des Glases, dem Wein seine volle Entfaltung zu ermöglichen und seine Aromen in die richtigen Bahnen zu lenken." Das Weintrinken ist nämlich vor allem auch ein Akt des Riechens. Deshalb erfüllt ein gutes Glas den Zweck, die Aromen des Weins zu bündeln und als olfaktorischen Reiz an das Gehirn zu übermitteln.

Die Form des Glases beeinflusst also über den Geruch auch den Geschmack des Weins. "Es ist sehr wichtig, dass sich ein Weinglas nach oben hin verjüngt und genug Volumen hat, so dass sich das Aroma des Weins an der Luft entfalten kann", erklärt Julia Gold, Sommelière in der Weinhandlung Paasburg's in Berlin. "Wichtig ist auch, dass das Glas über eine gewisse Stiellänge verfügt. Erstens, damit sich nicht Gerüche von der Haut mit in das Aroma des Weins mischen, und zweitens, damit man das Glas auch bequem am Stiel halten kann und nicht am Kelch anfassen muss."

Generell gelten vier Kriterien für ein gutes Weinglas: Sauber, dünnwandig, langstielig und glasklar sollte es sein. Die Weinexperten gestehen einem filigranen Glas einen objektiv besseren Trinkgenuss zu, erläutert Büscher. "Der Kontakt zum Wein erfolgt unmittelbarer. Denn man spitzt beim Trinken aus einem dünnwandigen Glas die Lippen, so dass sich der Wein von der Zungenspitze aus im Mund verteilt und so alle Geschmackspapillen auf der Zunge in den Genuss des Weins kommen." Auch die Temperatur werde von einem dünnen Glas weniger beeinflusst.

Erfolgreiche Kristallgläser von Riedel aus Österreich

Hersteller hochwertiger Kristallgläser wie Riedel aus Österreich oder Stölzle aus der Lausitz vereinen in ihren Glasserien diese Funktion mit klassischem oder auch modernerem Design. Aus dem Jahr 1973 ist eine der erfolgreichsten handgemachten Glasfabrikate, die Linie "Sommeliers" von Claus Riedel. Sie wird bis heute ständig erweitert. 18 verschiedene Weingläser umfasst die Serie, dazu gesellen sich Gläser für Wasser, Spirituosen und andere alkoholische Getränke.

Für den Genuss von Bordeaux empfiehlt die Firma Riedel etwa ein stolze 27 Zentimeter hohes Glas mit hochgezogenem Kelch, dessen Fließverhalten sich für Weine mit "Körper, hoher Extraktkonzentration und süßen, runden Tanninen" eigne. Vergleichsweise klein erscheint dagegen das Rosé-Glas mit 18 Zentimetern und einem kurzen Kelch, der sich nach oben hin erst verjüngt und dann wieder öffnet.

Riedel Sommeliers Value Set Bordeaux

  • 2er Set Bordeaux Grand Cru
  • Volumen: 0,86 l/Höhe: 270 mm
  • Kristall
  • Glas mundgeblasen
  • spülmaschinenfest

Gläser von Stölzle: Drei Formen reichen aus

Die mundgeblasene Premium-Serie "Solution" der Firma Stölzle aus Weißwasser hat der Architekt und Weinexperte Prof. Wilhelm Holzbauer entworfen. Architektonisch, geometrisch und fast zackig wirken die Gläser, deren Silhouette von geraden Linien und Winkeln statt fließenden Schwüngen gekennzeichnet ist. Die Serie ist allerdings viel weniger diversifiziert oder auf einzelne Rebsorten beziehungsweise Anbaugebiete angepasst.

Drei Formen reichen aus: ein bauchiges Glas für "reife, hochwertige und tanninarme Rotweine", ein schlankes, hohes Glas für "kraftvolle, tanninbetonte Rotweine" und die etwas kleinere Version für "mittelschwere, klassisch ausgebaute Weiß- und Rotweine". Erweitert wird das Sortiment um ein Spirituosenglas und eine Champagnerflöte.

Stölzle Power Rotweinkelch

  • 6er Set Rotweinglas
  • Volumen:517 ml/Höhe: 226 mm
  • bleifreies Kristallglas 
  • spülmaschinenfest
  • "Made in Germany"

Für den Hausgebrauch sei aber ein Satz mittelgroßer Rotwein- und Weißweingläser sowie Sektgläser ausreichend, sagt Weinexperte Büscher. Als Universalglas empfiehlt er ein eiförmiges Glas wie das Modell "Sensus", das die Deutsche Lebensmittelgesellschaft (DLG) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Weininstitut und dem Glashersteller Schott Zwiesel entwickelt hat.

Schott Zwiesel Sensus Weinprobierglas

  • 6er Set Weinprobiergläser 
  • für Rot- und Weißwein
  • Volumen:299 ml/Höhe: 182 mm
  • Tritan-Protect Kristallglas
  • spülmaschinenfest

Auch Julia Gold hält zu viele verschiedene Weingläser für zu Hause für übertrieben. "Hat man ordentliche Gläser, reicht eine Form für alle Weine", sagt sie. "Auch zur Verkostung ist das erst mal ganz gut, weil man gleiche Voraussetzungen hat. Vielleicht legt man sich dann später noch größere Rotweingläser für besondere Tropfen an."

Weintrinken auch eine visuelle Freude

Aber schmeckt der Wein nun wirklich besser aus guten Gläsern? Die Berliner Gastronomin Ortrud Hücherig vom Feinkostgeschäft "Sowohlalsauch" nennt den springenden Punkt: "Guter Wein: ja. Schlechter Wein: sicherlich nicht." Außerdem mache das Weintrinken aus guten Gläsern nicht nur geschmacklich, sondern auch visuell Freude.

Die Expertin gibt einfach und funktional gestalteten Gläsern dabei unbedingt den Vorzug. "Ein schlichtes Design lenkt nicht vom puren optischen Eindruck des Weins ab", findet sie. Und Hücherig rät: Auf keinen Fall sollten die Konsumenten ein zu modisches Weinglas wählen, "sondern klassische Formen ohne Spielereien am Stiel, Blasen im oder Muster auf dem Glas". Von der Farbfülle eines guten Weins sollte eben nichts ablenken.

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