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Schnellbauschule eröffnet: Mangel an Schulplätzen droht

Berlin  

Schnellbauschule eröffnet: Mangel an Schulplätzen droht

05.08.2019, 18:11 Uhr | dpa

Schnellbauschule eröffnet: Mangel an Schulplätzen droht. Erste Schule der Berliner Schulbauoffensive

Der Neubau der Integrierten Sekundarschule Mahlsdorf. Foto: Wolfgang Kumm (Quelle: dpa)

Der erste Neubau eines milliardenschweren Schulbauprogramms in Berlin ist eröffnet worden - trotz dieser Anstrengungen droht ein Mangel an Tausenden Schulplätzen. Im schlimmsten Fall könnten Prognosen zufolge zum Schuljahr 2021/22 mehr als 20 000 Plätze fehlen, wie der Leiter der Steuergruppe der Taskforce Schulbau, Norbert Illiges, am Montag erläuterte. Man sei deshalb dabei, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um das zu verhindern. Aktuell fehlen Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zufolge aber keine Schulplätze.

Unterdessen bemängelte der Landeselternausschuss die Bildungsqualität in der Hauptstadt. Zum Start des neuen Schuljahres erklärte der Vorsitzende der Elternvertretung, Norman Heise: "Berlin steckt mitten in einer schulischen Bildungskrise, und wir (...) nehmen nicht wahr, dass hier entschieden genug gegengesteuert wird." Er forderte Scheeres auf, einen "Krisengipfel" einzuberufen. Er verwies auf das wiederholt schlechte Abschneiden Berliner Drittklässler bei Vergleichstests in Lesen, Schreiben und Rechnen, viel Unterrichtsausfall sowie die bundesweit höchste Quote von Schulabgängern ohne Abschluss - zuletzt 11,7 Prozent (2017).

Viele Schulen in der Hauptstadt sind nach jahrelanger Sparpolitik marode. Zugleich steigt die Schülerzahl an. Deshalb hatte Rot-Rot-Grün im Jahr 2017 ein Schulbauprogramm beschlossen, um neue Schulplätze zu schaffen. Bis 2026 sollen für 5,5 Milliarden Euro rund 60 neue Schulen entstehen sowie Hunderte bestehende saniert werden.

In Mahlsdorf entstand für 34,8 Millionen Euro eine Integrierte Sekundarschule, in der 550 Schüler der Klassen 7 bis 13 lernen. Sie wurde am Montag als erster Neubau eröffnet. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Schnellbauschule, die zum Teil aus vorgefertigten Holzelementen gebaut wurde. Zwischen Grundsteinlegung und Eröffnung lag lediglich knapp ein Jahr. Am Samstag folgt die Eröffnung der zweiten Schule - es ist eine Grundschule in Lichtenberg.

Dennoch deuten Prognosen aus den Bezirken darauf hin, dass es im übernächsten Schuljahr Engpässe bei den Schulplätzen geben könnte - im schlimmsten Fall könnten mehr als 20 000 fehlen. Basis für die Prognosen sind Daten wie Geburtenrate, Bevölkerungsentwicklung und mögliche neue Wohngebiete in einem Bezirk. Sie berücksichtigen auch den Stand der Schulbauplanungen.

Die Senatsverwaltung für Bildung betonte, dass zwischen Schulplatz- und Schülerzahlprognose zu unterscheiden sei. "Betrachtet man lediglich die prognostizierten Schülerzahlen, werden ausreichend Schulplätze zu Verfügung stehen. Die Schulplatzprognose muss aber weitere Faktoren berücksichtigen, insbesondere das jeweilige Einzugsgebiet von Grundschulen." Deshalb gehe die Schulplatzprognose stets von Bedarf aus, der über den reinen Schülerzahlen liege. Es würden auch alle Wohnungsbauprojekte erfasst, die in Planung seien.

Senatorin Scheeres betonte am Rande der Schuleröffnung in Mahlsdorf, es sei wichtig, dass man wisse, wieviele Klassenzüge im kommenden Jahr benötigt werden. Dadurch könnten die Bezirke jetzt prüfen, was sie in ihrem Bestand regeln können. Sie nannte ein Beispiel aus Charlottenburg-Wilmersdorf, bei dem jede Räumlichkeit in den Schulen daraufhin überprüft würde, ob zusätzliche Klassen gegründet werden können. "Ich sehe da schon auch noch Kapazitäten", sagte Scheeres. Zusätzlich kämen Ergänzungsbauten dazu. In den vergangenen Jahren seien 15 000 neue Schulplätze geschaffen worden. "Das ist wirklich auch immer ein Wettlauf mit der Zeit." Die Lage nannte sie angespannt. "Es ist eine Riesen-Herausforderung."

Landeselternausschuss-Vorsitzender Heise betonte: "Wir hoffen, dass genug Plätze zur Verfügung stehen werden." Es müsse jetzt schnell gehen. Bei der Suche nach Kapazitäten in bereits bestehenden Schulen dürfe der Fachunterricht zugleich nicht vernachlässigt werden, indem etwa Fachunterrichtsräume zu normalen Klassenzimmern umfunktioniert werden könnten.

Als Gründe für die drohende Lücke an Schulplätzen nannte Illiges, dass etwa Grundstücksflächen nicht so bereitgestellt werden wie ursprünglich gedacht. Auch Gutachten verzögerten Bauvorhaben. Man sei dabei, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um den drohenden Mangel zu verhindern. Temporär könnten Container und Holzmodulbau helfen. Er appellierte auch an die Bezirke, beim Bauen Schulen einen Vorrang zu geben.

Die Sprecherin der Grünen-Fraktion, Tizia Labahn, nannte die Zahlen "alarmierend". "Die Fraktion wird nun Gespräche in der Koalition darüber führen, was es damit auf sich hat", teilte sie mit.

Die bildungspolitische Sprecherin der Berliner SPD-Fraktion, Maja Lasic, sagte: "Wir brauchen von allen Beteiligten, allen voran von den drei Koalitionspartnern ein klares Bekenntnis zur Schulbauoffensive, auch dann, wenn es weh tut." Bei Nutzungskonflikten auf Flächen müsse die Botschaft geäußert werden: "Schule geht vor".

Die planerischen Annahmen aus den Bezirken zur Kapazität an Schulplätzen beziehen sich auf den Stand Sommer 2018. Im Herbst sollen neue Prognosen vorliegen, wie Illiges ankündigte. Er geht davon aus, dass sie in einer ähnlicher Größenordnung liegen werden. Derzeit lernen gut 363 000 Schüler an den allgemeinbildenden Schulen.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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