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Gera als Spiegel Europas: Rennen um Titel Kulturhauptstadt

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Gera als Spiegel Europas: Rennen um Titel Kulturhauptstadt

01.10.2019, 11:17 Uhr | dpa

Gera als Spiegel Europas: Rennen um Titel Kulturhauptstadt. Das Theater der Stadt Gera

Das Theater der Stadt Gera. Acht deutsche Städte wollen europäische Kulturhauptstadt 2025 werden - darunter Gera. . Foto: Bodo Schackow/zb/dpa (Quelle: dpa)

Gera steht mit sieben weiteren deutschen Städten im Rennen um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2025. "Ich bin froh, dass wir aus vielen Landstrichen Deutschlands Städte dabei haben", sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), derzeit Vorsitzender der Kulturministerkonferenz, am Dienstag nach Ablauf der Bewerbungsfrist. Um den Titel bewerben sich außerdem Chemnitz, Dresden, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg und Zittau. Damit kommen fünf von acht Städten aus einem ostdeutschen Bundesland.

"Gera ist Europa im Konkreten und im Besonderen", sagte Oberbürgermeister Julian Vonarb (parteilos) bei der Vorstellung in Berlin. Mit der Bewerbung solle im Kleinen gezeigt werden, wie Europa im Großen aussehen könne. Vonarb verwies auf die vielfältige Industrie- und Kulturgeschichte der Ostthüringer Stadt: "Die Idee des europäischen Humanismus, der Weltoffenheit und Toleranz sind an wenigen Orten so eng verknüpft mit ökonomischem Fortschritt und Zukunftsfreude wie in Gera." Es solle zudem gezeigt werden, wie sich Stadt und Land wechselseitig durchdringen.

Setzt sich Gera durch, dann sollen rund 38 Millionen Euro in das Programm der Kulturhauptstadt fließen. Das Budget soll dabei aus Mitteln von Bund, Land, Stadt sowie aus Einnahmen bestritten werden. In ihrer Bewerbung sehen sich die Ostthüringer auch als Modell für industrielle Transformation. Dabei nehmen sie auf die Umbrüche nach der Wiedervereinigung 1990 Bezug. Zudem geht es mit Blick auf den einstigen Uranbergbau in der Region auch um Fragen der Ausbeutung von Ressourcen sowie nach den Folgen für Mensch, Klima und Natur.

Deutschland darf im Jahr 2025 neben Slowenien eine der beiden Kulturhauptstädte Europas stellen. Im Dezember trifft eine Jury eine Vorauswahl, im Herbst 2020 sollen dann die Titelträger feststehen. Die letzte europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988). Für dieses Jahr wurden das italienische Matera und das bulgarische Plowdiw ausgewählt.

Mehrere Bewerberstädte werfen die Frage auf, wie Gesellschaften zueinander finden können. Dresden beispielsweise beschäftigt sich mit der Frage nach einer "neuen Heimat". Dass Dresden um die eigene Geschichte ringe und das friedliche Zusammenleben "so zerbrechlich" erscheine, stehe für Entwicklungen, die in ganz Europa zu beobachten seien, sagte Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, Mitglied vom Bewerbungskuratorium Dresdens.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte, gesellschaftliche Konflikte, bewusste Provokationen, Grenzüberschreitungen und offene Gewalt seien ein Thema in vielen Städten Europas. Dazu zeigte sie Bilder von Ausschreitungen in ihrer Stadt und von Protesten der Gelbwesten in Paris.

Hannover ließ seine Bewerbung von der Britin Hannah Gibson vorstellen, die ihre Sorge vor dem Brexit ausdrückte. Nürnberg fragte nach dem eigenen Bild: Denke man bei Nürnberg an Lebkuchen und Dürer? Oder an den Reichsparteitag der Nationalsozialisten? "Vielleicht fällt Ihnen zu Nürnberg aber auch gar nichts ein", sagte der Leiter des Bewerbungsbüros, Hans-Joachim Wagner. Nürnberg will eine "neue Idee" der Stadt entwickeln.

Auch das niedersächsische Hildesheim bewirbt sich. "Sie wissen es – und wir wissen es auch: Wir sind Provinz", sagte der Leiter des dortigen Bewerbungsbüros, Thomas Harling. Das sei aber auch gut so. Sie wollten nach Lösungen suchen in Stadt-Land-Beziehungen. Er brachte eine Zuckerrübe mit - zum Motto "Beets, Roses and the Meaning of Life".

Hamburgs Kultursenator Brosda wertete die Bewerbungen als Beleg für regionale Vielfalt. "Wir haben eine Tendenz manchmal in Deutschland dazu, kulturelle Fragen sehr auf die Hauptstadt zu fixieren", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Aber die Vielfalt des Landes zeigt sich gerade in den Regionen." Kultur sei überall im Land eine relevante Dimension, "und nicht nur in den großen Metropolen, wo vermeintlich die Fragen der Welt diskutiert werden".

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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