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Rechtsmediziner im Weizsäcker-Prozess: "Mit massiver Wucht"

Berlin  

Rechtsmediziner im Weizsäcker-Prozess: "Mit massiver Wucht"

30.06.2020, 14:58 Uhr | dpa

Rechtsmediziner im Weizsäcker-Prozess: "Mit massiver Wucht". Richterhammer aus Holz

Auf einer Richterbank liegt ein hölzerner Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Der mutmaßliche Mörder des Berliner Chefarztes Fritz von Weizsäcker hat einem Gutachten zufolge mit massiver Wucht zugestochen. Es sei ungewöhnlich, dass ein einzelner Stich so heftig geführt werde, erklärte der Rechtsmediziner Michael Tsokos von der Berliner Charité am Dienstag vor dem Landgericht der Hauptstadt. Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, wurde am 19. November 2019 gegen Ende eines Vortrages in der Schlossparkklinik durch einen Stich in den Hals getötet. Es habe keine Chance gegeben, die Blutung zu stillen, so der Rechtsmediziner am fünften Verhandlungstag.

Angeklagt ist ein Mann aus Andernach in Rheinland-Pfalz. Dem 57-Jährigen werden Mord an dem 59 Jahre alten Professor sowie versuchter Mord an einem Polizisten zur Last gelegt. Der 34 Jahre alte Beamte, der privat zu dem Vortrag gekommen war, wollte den Angreifer stoppen und wurde schwer verletzt. Als Mordmotiv nimmt die Staatsanwaltschaft Hass auf die Familie des Getöteten an, insbesondere auf den früheren Bundespräsidenten. Die tödliche Stichwunde in den Hals war laut Gutachten 14 Zentimeter lang.

Der Angeklagte hat die Attacke gestanden, ohne Reue zu zeigen. "Ich bin froh, dass er tot ist. Für mich war es notwendig", hatte der 57-Jährige sein Geständnis vorgelesen. Er bezeichnete sich als Zwangsneurotiker, Ex-Nazi und verkrachte Existenz.

In dem Prozess ist die Schuldfähigkeit des 57-Jährigen ein zentraler Punkt. Zur Beurteilung dieser Frage wurden am Dienstag auch der Vermieter des Angeklagten und der Hausverwalter als Zeugen vernommen. Der Hausverwalter erklärte, die Wohnung des 57-Jährigen habe sich in einem "desaströsen Zustand" befunden. Der Mieter habe sich "um nichts gekümmert". In einem Brief habe ihn der Angeklagte auch indirekt bedroht. Die Verhandlung wird am 3. Juli fortgesetzt.

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