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Berlin: Mutter und Sohn stehen wegen Entführung vor Gericht

Tötungspläne für die "Familienehre"?  

Mutter und Sohn stehen wegen Entführung vor Berliner Gericht

22.09.2020, 17:35 Uhr | dpa

Berlin: Mutter und Sohn stehen wegen Entführung vor Gericht. Justitia mit Waage und Schwert (Symbolbild): Mutter und Sohn mussten sich wegen Verschleppung vor dem Gericht verantworten. (Quelle: imago images/Jan Huebner)

Justitia mit Waage und Schwert (Symbolbild): Mutter und Sohn mussten sich wegen Verschleppung vor dem Gericht verantworten. (Quelle: Jan Huebner/imago images)

In Berlin sollen eine Mutter und ihr Sohn eine 23-Jährige verschleppt haben. Sie hatten sie nach Georgien gebracht und dort festgehalten. Vor Gericht haben die beiden zunächst geschwiegen.

Eine Mutter und ihr Sohn müssen sich vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen ihre Tochter und Schwester wegen angeblich verletzter Familienehre von Berlin nach Georgien verschleppt haben. Außerdem sollen sie Tötungspläne geschmiedet haben. Mitangeklagt sind ein Onkel der Entführten, ein entfernter Verwandter sowie ein Freund der Familie. Die 23-Jährige soll laut Anklage im August 2019 gegen ihren Willen in eine abgelegene Region Georgiens gebracht und dort wochenlang festgehalten worden sein. Die 24- bis 45-jährigen Angeklagten schwiegen zu Prozessbeginn am Dienstag.

Die junge Frau sei im Oktober 2018 mit einem psychisch kranken tschetschenischen Landsmann nach islamischem Recht verheiratet worden. Anfang 2019 sei sie aus der Wohnung der Familie des Mannes geflohen, so die Anklage. Sie habe den Ehemann angezeigt. Mutter und Bruder hätten verhindern wollen, dass die Frau in einem Unterbringungsverfahren am Landgericht gegen ihren Mann aussagt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe sich im Zustand der Schuldunfähigkeit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anschließen wollen.

Die 23-Jährige soll getäuscht und zunächst nach Polen gebracht worden sein. Mit ihrer 45-jährigen Mutter und ihrem 24-jährigen Bruder habe sie dann ein Flugzeug nach Georgien besteigen müssen, so die Anklage. Ziel der Reise sei ein abgelegenes Dorf gewesen. Nach Ankunft habe der Bruder seine Schwester mit einem Schlauch heftig geschlagen, "um sie von Fluchtversuchen abzuhalten".

Tötungspläne besprochen

Wegen fehlender Personalpapiere soll eine geplante Weiterreise nach Tschetschenien gescheitert sein. Die Mutter und der Bruder hätten unter anderem durch das Verlassen des Ehemannes und der Aussage bei der Polizei die "Familienehre" verletzt gesehen, heißt es in der Anklage. Mit einem 36-jährigen Angeklagten sei "intensiv eine Tötung" oder schwere Verletzung der Frau erörtert worden.

Seit Mitte Januar befinden sich drei der Angeklagten in Haft – unter anderem wegen Verdacht auf Freiheitsberaubung, Verabredung zu einem Verbrechen und versuchte Anstiftung zum Mord. Den beiden weiteren Angeklagten wird Beihilfe zur Last gelegt. Der Prozess wird am 25. September fortgesetzt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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