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Herta Müller: Literatur kann Dinge nicht ändern, aber helfen

Berlin  

Herta Müller: Literatur kann Dinge nicht ändern, aber helfen

25.02.2021, 22:17 Uhr | dpa

Herta Müller: Literatur kann Dinge nicht ändern, aber helfen. Herta Müller

Die Literatur-Nobelpreis-Trägerin Herta Müller. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild (Quelle: dpa)

Literatur-Nobelpreis-Trägerin Herta Müller hat die Rolle von Literatur in Diktaturen und autoritären Systemen betont. "Literatur kann die Dinge nicht unmittelbar ändern", sagte Müller am Donnerstagabend in Berlin während des Festivals "Re:Writing the Future" zu Kunst und Kultur im Exil. Die Absicht eines Regimes sei, die Menschen zu zerbrechen, sagte die in Rumänien aufgewachsene Schriftstellerin ("Atemschaukel", "Herztier"), der 2009 der Literatur-Nobelpreis zuerkannt wurde.

Literatur müsse sich aber mit diesen Dingen beschäftigen. "Es gibt eine weltweite Literatur, die aus diesem Zwang, dieser Traumatisierung entstanden ist", sagte die in Berlin lebende 67-Jährige. Extremsituationen wie Kriege, Diktaturen oder Lager führten zu dieser Form des Schreibens. "Ich habe aus dieser Literatur sehr viel gelernt, auch wie das Leben geht."

Als Beispiel nannte Müller die Literatur ihrer Gesprächspartnerin Swetlana Alexijewitsch. Auch die belarussische Schriftstellerin ("Der Krieg hat kein weibliches Gesicht", "Tschernobyl") hat den Nobelpreis für Literatur bekommen, sie wurde 2015 ausgezeichnet.

Die 72-Jährige berichtete, als Kind habe sie jenseits der Bücher eine andere Welt erlebt. "Draußen auf der Straße war alles viel härter." Sie habe eine Literatur schaffen wollen, die diesem Leben draußen gerecht wurde. "Alle Menschen wollen von sich erzählen, aber nicht alle können das." Für ihre Bücher suche sie Menschen, die diese Gabe des Erzählens haben. "Ich komme hin und höre zu."

Kunst könne die Welt nicht verändern, "egal was es für wunderbare Bücher gibt". Kunst und Literatur müssten aber eine Macht entfalten, "die Menschen aus der Banalität des Alltags herausreißt, mit denen sie sich schützen".

Im Rahmen des digitalen Festival setzen sich mehr als 80 Kulturschaffende, Künstlerinnen und Künstler sowie Menschenrechtsexpertinnen und -experten mit Entstehungsbedingungen von Kunst im Exil und Kultur in Zeiten des Lockdowns auseinander.

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