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Bielefeld: Wie die Stadt Fotograf Veit Mette immer wieder inspiriert

Fotograf der Stadt  

Das Auge von Bielefeld

Von Christine Georg

22.01.2020, 12:22 Uhr
Bielefeld: Wie die Stadt Fotograf Veit Mette immer wieder inspiriert. Menschen tanzen beim Karneval: Der Fotograf Veit Mette hat auch Menschen mit Behinderung in Bielefeld porträtiert. (Quelle: Veit Mette)

Menschen tanzen beim Karneval: Der Fotograf Veit Mette hat auch Menschen mit Behinderung in Bielefeld porträtiert. (Quelle: Veit Mette)

Der Fotograf Veit Mette kam Mitte der achtziger Jahre nach Bielefeld und dort mit der Fotografie in Kontakt. Porträt eines Weltenbummlers, der sein zu Hause in Ostwestfalen gefunden hat.

Veit Mette ist in seinem Leben schon an vielen Orten auf der Welt gewesen. Für seine Examensarbeit lebte der Fotograf zum Beispiel drei Wochen in einem griechischen Dorf und porträtierte es. Während seines Zivildienstes beschäftigte er sich intensiver mit der Fotografie und begann für Zeitschriften und regionale Zeitungen zu arbeiten. Schließlich landete er in Bielefeld und nennt es seit Mitte der Achtziger sein zu Hause.

Seine ersten Erfolge bewogen Mette dazu, sich gegen ein zweites Staatsexamen zu entscheiden. Seit dieser Entscheidung folgten Veröffentlichungen in großen deutschen Zeitungen und Zeitschriften, Bildbände und Ausstellungen.

Seine Fotografien versuchen, die Stadt aus einer anderen Perspektive zu zeigen, wie hier den Leineweber-Markt. (Quelle: Veit Mette)Seine Fotografien versuchen, die Stadt aus einer anderen Perspektive zu zeigen, wie hier den Leineweber-Markt. (Quelle: Veit Mette)

Rund dreißig Jahre später ist Mette ein bekannter Fotograf, der sich selbst als Einzelgänger und Autodidakt beschreibt. "Fotografie ist mein Ausdrucksmittel", sagt Mette. Durch seine Fotografie kommentiere er seine Sicht der Welt und hält es für ein Geschenk, wenn seine Bilder in einer Welt, in der Bilder kaum noch wahrgenommen werden, Menschen noch immer festhalten können.

Ausstellungen in USA und Russland

Seine Projekte führten den Fotografen an die unterschiedlichsten Orte der Welt. 1995 stellte er seine Bilder aus dem New Yorker Harlem aus, zuletzt realisierte er 2017 ein Projekt in Russland und eine Ausstellung Polen. Doch bis heute lebt und arbeitet Mette in Bielefeld und gestaltete hier das Bielefelder Stadtbild mit.

So zierte seine mobile Ausstellung "Drinnen, das ist wie draußen nur anders", mit Arbeiten über Menschen aus Bethel, die Bielefelder Stadtbahn. In der großen Halle der Universität Bielefeld stellten seine Bilder den Alltag der Studierenden dar. Für das 800. Jubiläum der Stadt Bielefeld fertigte Mette 2014 ein Stadtportrait an und zeigte dies auf dem zentralen Kesselbrink. "Die Kommunikation von Fotografie in den öffentlichen Raum ist einer meiner typischen Punkte, die mich von anderen Fotografen unterscheidet", sagt Mette.

Umzug kommt nicht in Frage

Wichtig ist für ihn, dass die Menschen über die Bilder nachdenken und über sie in einen Diskurs treten. Für ihn sind viele Themen, denen er sich widmet, universell und in fast jeder Stadt zu finden, wie auch in Bielefeld. Weshalb ein Umzug, neben persönlichen Gründen, für Mette nicht in Frage kam.

Auch vor bewegenden Geschichten schreckt Mette nicht zurück. Neben einem Projekt über Essstörung, begleitete er schon inhaftierte Jugendliche und bildete das Leben von jugendlichen Migranten ab. Mette will bei diesen Portraits das Gefühl unserer Zeit einfangen. Er beschreibt dieses Gefühl als etwas "flirrendes, nicht fassbares".

Die Sparrenburg in Bielefeld: Sie ist eines der Wahrzeichens der Stadt. (Quelle: Veit Mette)Die Sparrenburg in Bielefeld: Sie ist eines der Wahrzeichens der Stadt. (Quelle: Veit Mette)

Für sein Projekt "Generation Üc" bedeutete dies, die Zerrissenheit der Jugendlichen zwischen zwei Kulturen abzulichten. Trotz dieser Themen schafft er es stets eine professionelle Distanz zu wahren.

"Ich glaube als Fotograf ist es wichtig, an die Bilder zu denken und nicht nur an die soziale Situation, die man fotografiert. Sonst würde man irgendwann nicht mehr fotografieren", erklärt er.

Fehlende Ausbildung war unerwarteter Vorteil

Eine seiner größten Schwächen war zugleich auch ein Vorteil. Da er keine klassische Ausbildung im Bereich der Fotografie genossen hatte, fehlte ihm das technische Wissen und das Netzwerk. Gleichzeitig konnte er aber unvoreingenommen an die Fotografie rangehen. Rückblickend bereut Mette jedoch nichts. Er lerne vielmehr aus seinen Fehlern: "Das was ich in einem Projekt nicht richtig mache, muss ich im nächsten Projekt anders umsetzen."

In seinen diesjährigen Projekten spiegeln sich wohl die letzten Jahrzehnte seiner Arbeit wider. Ende Januar führt es Mette noch einmal raus aus Bielefeld. In Las Palma stellt er seine Bilder mit dem Arbeitstitel "World out / off Frame" aus. Die durch Mehrfachbelichtung entstandenen Bilder zeigen die Umwelt und die Zerrissenheit unserer Zeit. Doch wie immer kehrt Mette zurück nach Bielefeld und lässt seine Kunst auf das Stadtbild wirken.

Fotos auf Hauswänden zeigen Stadtteilveränderungen

Mit dem Abenteuerspielplatz in Baumheide plant Mette seit einem Jahr eine großformatige Fotoinstallation an Häuserwänden. Für dieses Projekt portraitierte Mette Kinder, die den Jugendtreff besuchen. Ziel der Fotoinstallation ist die Veränderung des Stadtteils durch Fotografie, um auf diese Weise auch auf die dort lebenden Kinder aufmerksam zu machen. Mitte Mai geht es für Mette zurück in Vergangenheit.

In der kommunalen Galerie in Bielefeld stellt Mette Bilder aus seinem ersten Jahr als Fotograf aus. Neben Bildern aus Bielefeld werden hier auch Bilder aus Berlin und der Sowjetunion präsentiert. Hier ist ihm besonders der Diskurs wichtig, in den die Menschen während der Ausstellung treten. Ob er nun die Geschichten einer Stadt zeigt oder das Leben der Menschen ablichtet. Kein Einzelgänger kommt den Menschen wohl so nah, wie Veit Mette.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Veit Mette
  • Eigene Recherchen

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