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Spielsucht in der Krise: Nicht nur Schattenseiten des Virus

Magdeburg  

Spielsucht in der Krise: Nicht nur Schattenseiten des Virus

09.05.2020, 09:05 Uhr | dpa

Spielsucht in der Krise: Nicht nur Schattenseiten des Virus. Spielsucht in Zeiten von Corona

Ein Glücksspielautomat läuft in einer Spielbank. Foto: Jan Woitas/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Ob Wettbüro, Spielhalle oder Kasino - für Spielsüchtige strahlen diese Orte eine magische Anziehungskraft aus. Wegen der Coronakrise bleiben die Spielstätten aber vorerst weiter dicht. Das könne sich auf die Betroffenen positiv auswirken, sagte die Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen in Sachsen-Anhalt, Helga Meeßen-Hühne, in Magdeburg. Denn ohne Kasino könne die Sucht auch nicht ausgelebt werden.

"Die Menschen mit der Präferenz Spielhalle fühlen sich vermutlich gerade befreit", erklärte Meeßen-Hühne. Sie seien nicht im Konflikt, ob sie in die Kasinos hineingehen und spielen würden oder nicht. Denn die Spielhallen seien ohnehin zu. Auch Menschen, die süchtig nach Sportwetten seien, würden wegen der Coronakrise weniger zocken, weil es keine Sportveranstaltungen wie etwa Bundesligaspiele gebe.

"Die neue Situation kann bei ihnen möglicherweise neue Potenziale freisetzen", sagte Meeßen-Hühne. Sie seien mehr zu Hause und hätten Zeit, sich um ihre Kinder oder andere Aufgaben zu kümmern. "Sie spüren, dass sie gebraucht werden", so die Suchttherapeutin. Das könne sich gut anfühlen.

Zwar gebe es für die Süchtigen auch die Möglichkeiten Online-Kasinos zu nutzen, aber für viele Abhängige gehöre der Gang in die Spielhalle zur Sucht dazu. "Dort hat man die Illusion von sozialen Kontakten", sagte Meeßen-Hühne. Etwa wenn die Angestellte sich nach dem Wohlbefinden des Gasts erkundige oder einen Kaffee serviere.

Der Begriff "Spielen" sei oft mit einem Vergnügen oder einem Hobby verknüpft, erklärte Hartmut Görgen vom Fachverband Glücksspielsucht in Bielefeld. Das Verhalten könne sich aber bekanntlich zu einer Sucht entwickeln. Die Folge: Verschuldung, Vernachlässigung von Familie, Arbeit und Beziehungen sowie der Verlust der Kontrolle über alltägliche Aufgaben. Die gravierendste Folge seien Suizide.

In einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus diesem Jahr gibt es in Deutschland rund 229 000 Menschen mit problematischem und rund 200 000 mit pathologischem Spielverhalten, wie Görgen erklärte.

"Beratungsstellen für Suchtkranke sind oft der erste Anlaufpunkt für Betroffene, aber auch für deren Angehörige", sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Andreas Pinkert, in Magdeburg. Die Betroffenen würden dort erste Hilfsangebote und Tipps zur Weitervermittlung erhalten und auch Fragen zum Umgang mit möglichen Rückfällen stellen.
Ziel sei, "dass Betroffene niedrigschwellige Angebote, gegebenenfalls auch anonym, in Anspruch nehmen können, um möglichst wieder ein eigenständiges Leben ohne Sucht führen zu können, ihren Arbeitsplatz zu erhalten und in erster Linie ihren Gesundheitszustand zu verbessern", sagte Pinkert.

Das Sozialministerium des Landes fördert seit Jahren die Arbeit der Berater und Beraterinnen in Sachsen-Anhalt. Auch die Landesstelle für Suchtfragen werde allein in diesem Jahr mit 218 400 Euro vom Land unterstützt.

Neben den Beratungen sei ein wesentlicher Pfeiler des Themas Sucht die Prävention. Deshalb fördere das Land zahlreiche Fachstellen für Suchtprävention. Sie würden sich mit relevanten Akteuren - von der Schule bis zur Polizei - vernetzen und Aufklärungsarbeit leisten. In diesem Jahr würden die Fachstellen rund 433 500 Euro vom Land erhalten. Um Projekte speziell für Glücksspielsucht kümmere sich das Innenministerium des Landes.

Laut Landesstelle für Suchtfragen gibt es seit 2017 in Sachsen-Anhalt aber keine Beratungsstellen mit dem Schwerpunkt Glücksspielsucht mehr. 2015 wurden 404 Beratungssuchende für Glücksspielsucht registriert, ein Jahr später 412 Menschen, 2017 gab es 357 Hilfesuchende und 2018 waren es 271 Hilfesuchende. Die Daten für 2019 liegen noch nicht vor, so Meeßen-Hühne. Doch die Leiterin der Landesstelle für Suchtfragen ist sich sicher, dass die Nachfrage noch da sein würde, wenn es wieder Beratungen gebe. Nur die Stadtmission in Magdeburg biete aktuell schwerpunktmäßig Beratungen für das pathologische Glücksspiel an.

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