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Bonn: Verkehrsberuhigung in Beuel bleibt Zankapfel

Mehr Platz zum Verweilen  

Verkehrsberuhigung in Beuel bleibt Zankapfel

Von Klaas Tigchelaar

29.04.2021, 13:02 Uhr
Bonn: Verkehrsberuhigung in Beuel bleibt Zankapfel. Die Friedrich-Breuer-Straße:  Die Straße soll in einen verkehrsberuhigten und autofreien Bereich umgestaltet werden. (Quelle: Klaas Tigchelaar)

Die Friedrich-Breuer-Straße: Die Straße soll in einen verkehrsberuhigten und autofreien Bereich umgestaltet werden. (Quelle: Klaas Tigchelaar)

Nach Plänen der Beueler Bezirksvertretung soll die Friedrich-Breuer-Straße durch die Beueler Innenstadt zukünftig verkehrsberuhigt werden. Nur Anwohner und Lieferverkehr sollen dort dann noch fahren dürfen. Händler und die Gewerbegemeinschaft Beuel (GGB) sind entsetzt.

Nicht nur die Bonner Ratskoalition setzt voll auf die Mobilitätswende. Auch in der Koalitionsvereinbarung der Beueler Bezirksvertretung zwischen den Grünen, SPD und der Linken ist von "echter Bevorzugung von Fuß- und Radverkehr und konsequentem Ausbau des ÖPNV" die Rede.

Hierzu soll unter anderem die Friedrich-Breuer-Straße in einen verkehrsberuhigten und autofreien Bereich umgestaltet werden. "Für Fahrrad, Bus, Bahn, Taxi und motorisierten Individualverkehr (MIV), z.B. PKW von Menschen mit Handicap" soll die Straße weiterhin befahrbar bleiben, heißt es in der Vereinbarung.

Rathausgasse und Hans-Böckler-Straße sollen auch in beide Richtungen weiter genutzt werden können, "dadurch ist die Erreichbarkeit der Tiefgaragen und der umliegenden Wohngebiete gewährleistet". Als Ausweichparkflächen sind hier vor allem die Tiefgarage unter dem Beueler Rathaus, im Brückenforum, unter dem Rewe-Markt und die Parkplätze am Heckelsbergplatz vorgesehen. Durch das neue Parkleitsystem sollen diese auch besser gefunden werden können.

Händler ächzen noch unter Corona

Angesichts der angespannten Corona-Lage, in der einige Läden im Beueler Zentrum gar nicht mehr geöffnet haben, und viele nur Ware zum Abholen anbieten können, würden diese Pläne die Händler noch mehr in existentielle Bedrängnis bringen. Zumal die Sperrung der Parkflächen im südlichen Teil der Straße im November 2020 und die Errichtung von Absperrpollern einige Wochen zuvor schon die Gemüter erregt hat, bei Geschäftsinhabern wie Passanten.

Damit ist auch die Planung, die Sperrung im südlichen Teil nach dem Lockdown wieder aufzuheben womöglich vom Tisch. "Unser Ziel ist es, einige Zeit nach der Pandemie mit einer attraktiveren Friedrich-Breuer-Straße die Menschen wieder zurück in die Geschäfte und Restaurants zu führen", erklärt Guido Pfeiffer, Bezirksverordneter und Sprecher der Bezirksfraktion der Grünen in Beuel.

Umgestaltung mit Bürgerbeteiligung

Gemeinsam mit den Gewerbetreibenden, dem Handel, den Kunden und Anwohnern möchte die Bezirksvertretung "in einer komplexen Bürgerbeteiligung die Umgestaltung detaillieren", so Pfeiffer. "Sie wird durch einen dreistufigen Prozess, startend mit einer Bürgerbeteiligung, weiterführend mit der Ergebniskonzeption und abschließend in einer Umsetzung erfolgen. Diese Schritte werden mehrere Monate in Anspruch nehmen. Erst dann kann die eigentliche Umgestaltung stattfinden."

Dass viele Händler durch Corona mit gravierenden Umsatzeinbußen oder gar zu befürchtenden Geschäftsaufgaben zu kämpfen haben, sieht Pfeiffer nur als Teil eines viel größeren Problems: "Die Friedrich-Breuer-Straße lädt nicht zum Verweilen ein, sondern nur zum schnellen Vorbeikommen. Der Blitzeinkauf soll und kann aber nicht die Zukunft sein." Online-Angebote und Lieferdienste würden dem stationären Handel schon länger stetig mehr Kundschaft wegnehmen, durch die Pandemie würde dies nur noch beschleunigt.

Das Beueler Zentrum soll mehr Verweilplätze bekommen, mehr Fahrradparkplätze, attraktive Außengastronomie und mehr Platz für Außenangebote wie beispielsweise einen erweiterten Wochenmarkt, der derzeit drei Mal pro Woche vor dem Rathaus stattfindet. "Die GGB wird mit dabei sein, wie alle anderen betroffenen Menschen im Beueler Zentrum auch ihre Ideen, Anforderungen und Interessen mit einbringen sollen."

Ein Stufenplan wäre sinnvoll

Paul Schmäing, der auf der Straße das Café Cultura betreibt, derzeit nur im Außer-Haus-Verkauf am Fenster, sieht das deutlich pessimistischer. Für ihn war der Wegfall der oberirdischen Parkflächen spürbar, da die Kunden Beuel entweder gar nicht mehr ansteuern, oder durchfahren, wenn direkt an der Straße kein Platz frei ist.

"Diese Kunden gehen uns definitiv verloren, da sie für ihre kleineren oder kurzen Besorgungen nicht in die Tiefgaragen fahren", so der Gastronom. Er hält einen Stufenplan für viel sinnvoller, der bei positiven Erfahrungen ausgebaut werden könne. "Dazu gehört zum Beispiel der Ausschluss des Individualverkehrs am Wochenende (samstags), Rücknahme einzelner Parkflächen (z.B. jeder 3. Parkplatz), Geschwindigkeitsüberwachung, Reduzierung der Parkgebühren unterirdisch, beziehungsweise eine (Teil-)Erstattung der Gebühren durch Gewerbetreibende."

Eine Umfrage der GGB zum Erhalt der Parkflächen in der Friedrich-Breuer-Straße ging indes ziemlich knapp aus. Von 1.191 Befragten waren 660 (55 Prozent) für den Erhalt, 531 (45 Prozent) wünschten sich eine Straße ohne Parkflächen. Denn wenn Paketdienste, SUVs oder Lieferwagen in der Vergangenheit die oberirdischen Parkplätze blockierten, war dort für Fußgänger auf den schmalen Bürgersteigen meist kein Durchkommen mehr möglich.

Der GGB-Vorsitzende Werner Koch, der auch Bezirksverordneter der CDU ist, betonte gegenüber dem General-Anzeiger dennoch, wie wichtig es sei, "dass sowohl Politik als auch die Gewerbetreibenden das gemeinsame Ziel vor Augen haben, das Beueler Zentrum möglichst noch attraktiver zu gestalten." Dem kann auch Gastronom Schmäing sich anschließen: "Wesentlich sollte sein, dass es eine für alle Beteiligten verträgliche Lösung gibt."

Verwendete Quellen:
  • Gespräche mit Guido Pfeiffer von den Grünen, Paul Schmäing vom Café Cultura
  • General-Anzeiger
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
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