Sie sind hier: Home > Regional > Chemnitz >

Sächsische Firma produziert OP-Masken

Heinsdorfergrund  

Sächsische Firma produziert OP-Masken

20.05.2020, 15:09 Uhr | dpa

Sächsische Firma produziert OP-Masken. Maskenproduktion

Im Reinraum der TEG Textile Expert Germany GmbH läuft die Produktion von OP-Mundschutzmasken. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB (Quelle: dpa)

Kittel an, Schuhe wechseln, Maske und Haarnetz auf und die Hände desinfizieren: Ohne Hygienemaßnahmen kommt niemand in den Raum. In einem so genannten Reinraum hat die Firma Textile Expert Germany (TEG) in Heinsdorfergrund als erstes sächsisches Unternehmen mit der Produktion von zertifizierten OP-Mundschutzmasken begonnen. "Wir haben bisher 500 000 Euro investiert. Bis zum Herbst wird es rund eine Million Euro sein", sagte Geschäftsführer Timo Fischer am Mittwoch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Kapazität liege bei mehreren 100 000 OP-Schutzmasken pro Woche. Mittelfristig wolle man mehrere Millionen Stück pro Woche herstellen. Im Sommer soll zudem die Produktion von FFP2-Masken anlaufen. Man plane mit einer Kapazität von 200 000 Stück pro Woche.

Die gesamte Produktion wird ausschließlich durch deutsche Zulieferer sichergestellt. Die am Ende sechs Anlagen werden in der Schwester-Firma Fischer Automation im fränkischen Köditz hergestellt, die Timo Fischer und sein Vater Karlheiz leiten. Die Vliesstoffe kommen aus Sachsen-Anhalt und Bayern. "Wir setzen auf Made in Germany", betont Timo Fischer.

In der deutschen Textil- und Modeindustrie hat nach einer Erhebung des Gesamtverbandes mode+textil fast jedes zweite Unternehmen die Herstellung von Masken aufgenommen. Eine Umfrage unter den Firmen habe erbracht, dass Ende April pro Woche 2,5 Millionen FFP-Masken, 7,5 Millionen OP-Masken und etwa 12 Millionen Alltagsmasken von den mittelständischen Unternehmen gefertigt wurden.

Das Bundesgesundheitsministerium geht jedoch allein kurzfristig von einem weit höheren Bedarf aus. Man rechne damit, dass das deutsche Gesundheitswesen während der Corona-Pandemie im Jahr mindestens 400 Millionen FFP2- und rund 800 Millionen Mund-Nasen-Schutzmasken benötige, hieß es auf dpa-Anfrage.

Das Bundeswirtschaftsministerium will durch Förderprogramme für die Textilindustrie und den Maschinenbau Anreize für die Maskenproduktion schaffen. Ziel sei es, Investitionen für Produktionsanlagen in Deutschland anzureizen, um die jährlich produzierte Menge von Filtervlies um 4000 Tonnen zu erhöhen, teilt die Behörde auf dpa-Anfrage mit. "Damit können bis zu 5 Milliarden Schutzmasken pro Jahr produziert werden."

Im Maschinenbau sind zwei Programme beschlossen worden, die Ende Mai in Kraft treten sollen. Ein "Sprinterprogramm" sichert einen Zuschusses von 30 Prozent für kurzfristig verfügbare Maschinen zur nationalen und europäischen Herstellung zertifizierter Masken. Das Ministerium will damit einen jährliche Kapazität von rund 2,5 Milliarden Schutzmasken schaffen.

Das zweite Programm soll mittel- bis langfristig verfügbare, hochautomatisierte und damit wettbewerbsfähige Maschinen zur Herstellung zertifizierter Masken fördern. Mit dem Zuschuss von bis zu 40 Prozent ist das Ziel von 4,5 Milliarden Schutzmasken jährlich verbunden, so das Berliner Ministerium.

Seit Beginn der Corona-Krise im März haben rund 70 ostdeutsche Hersteller die Produktion von Mund-Nasen-Masken sowie von anderen dem Gesundheitsschutz dienenden Textilien aufgenommen, teilt der Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) auf dpa-Anfrage mit. Auch wenn nicht alle Unternehmen dabei bleiben, verwies der Branchenverband darauf, dass die Investitionen der Unternehmen nachhaltig sein müssen und forderte politische Maßnahmen.

Produzenten, die in spezielle Technologien sowie in kostspielige Tests und medizinische Zertifizierungen investieren, benötigen langfristig zuverlässige Abnehmer, sagt vti-Hauptgeschäftsführer Jenz Otto. "Nun liegt es an Politik und Behörden, am einschlägigen Medizinfachhandel und an den Einkaufsentscheidern im Gesundheitswesen, diese Produkte zu ordern." Bundes-, Landes- und Landkreisbehörden sollten mit gutem Beispiel vorangehen und entsprechende Verträge abschließen.

Darauf setzt auch die Firma C. H. Müller, die wie die TEG normalerweise als Zulieferer für die Automobilindustrie ihr Geld verdient und ihren Sitz im gleichen Gewerbegebiet hat. Während die TEG Wegwerfartikel herstellt, setzt C. H. Müller auf Nachhaltigkeit. Weil Wegwerfprodukte oft auch Verbundstoffe seien, würden gigantische Müllberge entstehen, die verbrannt werden müssten. "Wir wollen uns davon abheben, was andere tun", sagt Geschäftsführer Philipp Porst.

Das Ergebnis ist eine Mehrwegmaske fürs Gesicht, in die eine spezielle Filtermembran mit Kupferpartikeln eingesetzt wird. Kupfer sei das einzige Metall, dass sowohl gegen Bakterien als auch Viren wirke, sagt Porst. "Wir nennen das aktive Virenbarriere." Die Membran könne nicht nur für Masken, sondern auch für andere Filteranlagen verwendet werden.

Der Kupferfilter ist Porst zufolge bei 90 Grad Celsius waschbar, die Maske bei 60 Grand. Tests hätten erbracht, dass das Masken-Membran-System so mindestens einen Monat verwendbar ist. Überdies hat das Unternehmen einen wiederverwendbaren Schutzanzug entwickelt, der laut Porst atmungsaktiv ist.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
10-Tages-Vorhersage

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal