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Ostsachsens Handwerk schlägt Alarm: Kammer fordert Konzepte

Dresden  

Ostsachsens Handwerk schlägt Alarm: Kammer fordert Konzepte

21.01.2021, 13:08 Uhr | dpa

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie gefährden Handwerksbetriebe aller Branchen und Größen in Ostsachsen. Nach Angaben der Handwerkskammer Dresden vom Donnerstag unter Verweis auf eine Online-Umfrage sind zwei Drittel der Befragten direkt oder indirekt von der Krise betroffen. "Viele Betriebe haben in Folge der Pandemie ganz reale Existenzsorgen", sagte Präsident Jörg Dittrich. Er sprach von einer "ernsten Lage".

Zwischen dem 4. und 12. Januar wurden 2005 der 22 500 Mitgliedsbetriebe des Kammerbezirks befragt, die Rücklaufquote lag bei 23 Prozent. 92 Prozent der teilnehmenden Betriebe ringen demnach mit den Auswirkungen der Pandemie. Je ein Fünftel gab Umsatzrückgänge und Belastungen durch Zusatzkosten für Hygienemaßnahmen an. Auch fehlendes Personal durch Kinderbetreuung, Quarantäne, Grenzschließungen sowie Auftragsstornierungen oder Materialengpässe wurden genannt. Sieben Prozent der Betriebe mussten wegen behördlicher Anordnung ganz schließen wie Friseure und Kosmetiker.

Am Dresdner Elbufer machten etwa 100 Friseure, Kosmetiker und Kunden auf die prekäre Lage der Branche aufmerksam - in Trauerkleidung und stillem Protest. Die Geschäftsführerin der Friseurinnung Dresden, Beatrice Kade-Günther, sprach von einer "katastrophalen Situation", viele der erneut im Lockdown geschlossenen Betriebe seien in Existenznot. "Wir fordern, dass die versprochene Hilfe ganz schnell an die Unternehmen ausgezahlt wird, deren Liquidität leidet." Sie kritisierte, dass Perspektiven und Strategien für den weiteren Verlauf der Pandemie nach dem 14. Februar fehlen, bis zu dem der aktuelle Lockdown dauern soll.

Vor diesem Hintergrund kritisierte Kammerpräsident Dittrich die schleppende Auszahlung der versprochenen staatlichen Unterstützung wie November- und Dezemberhilfen oder Entschädigungszahlungen sowie die komplizierte Antragstellung. "Die Gelder müssen zügig fließen, um ein Firmensterben in Ostsachsen, im gesamten Freistaat zu verhindern", sagte er. Die Unternehmen rechneten mit weiteren Umsatzrückgängen wegen Haushaltssperren, Auftragsausfällen oder -verschiebungen und geringerer Kaufkraft wegen Arbeitslosigkeit. Fast jeder dritte Inhaber befürchtet Steuererhöhungen.

Dittrich warnte deutlich davor, "dass der Mittelstand durch erhöhte Steuer- und Sozialabgaben die Corona-Schulden auffängt". Vielmehr müssten Steuer- und Sozialbeiträge analog dem Vorjahr gestundet werden, zugunsten der Liquidität der Unternehmen. "Und wir fordern erneut die Aufhebung der Haushaltssperren in Kommunen als wichtigen Schritt, die Auftragslage der Betriebe zu stabilisieren." Das ostsächsische Handwerk könne nicht warten, "bis wir irgendwann Herdenimmunität erreicht haben". Es brauche dringend ein Konzept für das Wirtschaftsleben mit Corona und Strategien für die Zukunft. "Ein Lockdown nach dem anderen ist nicht mehr tragbar."

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