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Prozess um Messerangriff, Gutachter: Täter gefährlich

Dresden  

Prozess um Messerangriff, Gutachter: Täter gefährlich

26.04.2021, 11:59 Uhr | dpa

Prozess um Messerangriff, Gutachter: Täter gefährlich. Statue der Justitia

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Der wegen der tödlichen Messerattacke vom Oktober 2020 in Dresden angeklagte junge Syrer hat nach Einschätzung eines Gutachters die IS-Ideologie verinnerlicht und ist extrem gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit sei "sehr hoch", dass Abdullah A. erneut schwere Straftaten bis hin zur Tötung begehen würde, wenn er die Möglichkeit dazu hätte, sagte der forensische Psychiater Norbert Leygraf am Montag im Prozess gegen den 21-Jährigen am Oberlandesgericht (OLG) Dresden.

Die radikal-islamistische Überzeugung sei fest in seiner Persönlichkeit verwurzelt und mit der Verpflichtung verbunden, einen aktiven Beitrag zum Dschihad zu leisten - als Kämpfer mit dem IS in Syrien oder durch die Tötung Ungläubiger in Deutschland.

Leygraf hält A. mangels Hinweisen auf eine psychische Erkrankung oder seelische Beeinträchtigung für schuldfähig, die Anwendung von Jugendstrafrecht für unangemessen und die Voraussetzungen zur Anordnung einer Sicherungsverwahrung für erfüllt. Der 2015 nach Deutschland geflüchtete A. habe sich 2016 radikalisiert, dazu isoliert und die Gebetspflichten streng erfüllt. Über das Internet sei er schnell mit Anhängern und Sympathisanten des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) in Kontakt gekommen und habe dessen Ideologie übernommen.

A., der als islamistischer Gefährder gilt, ist wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, am 4. Oktober 2020 zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen von hinten niedergestochen zu haben. Einer von ihnen starb, der andere überlebte knapp. Das Motiv sieht sie in A.'s Gesinnung: Er habe die Homosexualität des Paares als "schwere Sünde" betrachtet und die Männer dafür mit dem Tode bestrafen wollen.

Gegenüber Leygraf hatte A. das offen zugegeben und mit seinem Ziel erklärt, seiner Meinung nach Ungläubige zu töten. 2018 war er vom OLG-Staatsschutzsenat wegen IS-Propaganda zu einer Jugendstrafe verurteilt und erst Ende September 2020 entlassen worden. Knapp drei Wochen nach dem Angriff wurde er erneut verhaftet

Dem Gutachter zufolge ist A. unbeeinflussbar und hält unbeirrt an der dschihadistischen Ideologie fest. In der Haft habe er Kooperationsbereitschaft vorgetäuscht, allen Bemühungen um ein kritisches Hinterfragen widerstanden und sein Ziel "nicht aus den Augen verloren, konsequent umgesetzt, als es möglich war". Und er bestehe darauf, richtig gehandelt zu haben.

Bei einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht sieht Leygraf daher die Gefahr weiterer schwerer Straftaten, Gewalt- oder Tötungsdelikte aufgrund des "inneren Zustands", der Leben und Verhalten von A. bestimme. Mit langfristiger Sozialtherapie könne es eine Chance geben, ihn von seiner radikalen Gesinnung wegzubringen - aber das brauche Zeit. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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