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Wohnungsgenossenschaften ziehen positive Bilanz in Krise

Dresden  

Wohnungsgenossenschaften ziehen positive Bilanz in Krise

27.05.2021, 10:21 Uhr | dpa

Wohnungsgenossenschaften ziehen positive Bilanz in Krise. Baukräne ragen in den Himmel

Baukräne ragen in den Himmel. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften sind nach eigener Einschätzung bislang gut durch die Corona-Krise gekommen. 2020 konnten sie ihre Investitionen sogar auf einen Rekordwert steigern. Wie ihr Verband am Donnerstag mitteilte, wurden insgesamt 567,5 Millionen Euro investiert - gut 50 Millionen Euro mehr als 2019. Für Instandhaltung wurden 304,4 Mio Euro aufgewendet, für Modernisierung 186,9 Mio Euro und für Neubau 76,2 Mio Euro.

Lediglich beim Neubau wurden für 411 Wohnungen rund 18 Millionen Euro weniger investiert als im Jahr zuvor. Als Grund dafür nennt der Verband Bauverzögerungen als Folge von Lieferengpässen aufgrund der Pandemie. Für dieses Jahr rechne man mit einem Aufholprozess.

2020 sei trotz Corona ein beeindruckendes Jahr gewesen, sagte Mirjam Luserke, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG). Als Beleg nannte sie etwa die Bilanzsumme aller 209 im VSWG organisierten Unternehmen von 9,5 Milliarden Euro und einen Umsatzerlös von 1,36 Milliarden Euro. Die Genossenschaften beschäftigen den Angaben nach mehr als 2600 Mitarbeiter sowie 75 Auszubildende und 23 Studenten, sie hätten sich in der Corona-Krise als sicherer Arbeitgeber erwiesen. Mit knapp 300 000 Wohnungen haben die sächsischen Wohnungsgenossenschaften etwa ein Fünftel (20,5 Prozent) aller Mietwohnungen in Sachsen im Bestand.

Den sächsischen Wohnungsmarkt sieht der Verband vor enormen Herausforderungen. Schon seit 2015 wächst demnach der Leerstadt außerhalb der Großstädte Dresden, Leipzig und Chemnitz wieder langsam. Aktuell betrage er bei den Genossenschaften im Schnitt 8,3 Prozent, 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Der Abriss von 501 Wohnungen habe diese Entwicklung gebremst. "Ohne diesen Rückbau wäre der Leerstand allein im Jahr 2020 um 0,4 Prozentpunkte angestiegen." Insgesamt variiere die Leerstandsquote bei einzelnen Genossenschaften stark zwischen 0 und 38,1 Prozent. Mittlerweile hätten 15 Genossenschaften einen Leerstand von mehr als 20 Prozent.

Die durchschnittliche Nettokaltmiete einer Genossenschaftswohnung stieg 2020 leicht auf 5,11 Euro an. "Dies verdeutlicht einmal mehr, dass Wohnungsgenossenschaften - auch in Krisenjahren - ihre Rolle als verlässlicher Partner für bezahlbares Wohnen wahrnehmen", betonte Luserke. Bezahlbarer Wohnraum sei ein großes Thema, diesen wolle man erhalten: "Wir verkaufen nicht das Produkt Wohnen. Wir sind eine Lebensform in der Genossenschaft." 85 Prozent aller Bestandsmietverträge lägen unter sechs Euro pro Quadratmeter. Nur bei einem Prozent der Wohnungen seien es mehr als acht Euro. Das betreffe fast ausschließlich Neubauwohnungen.

Mietrückstände als Folge der Corona-Pandemie sind nach Angaben des VSWG kein großes Problem. Insgesamt liege die Summe der Mietforderungen bei knapp einer Million Euro. Bezogen auf die 297 724 Wohneinheiten der Unternehmen relativiere sich das aber. Das liege auch an der guten Zahlungsmoral der Mieter. Viele von ihnen seien Rentner und ohnehin nicht von gekürzten Bezügen betroffen gewesen.

Luserke sieht die umstrittene Fusion der Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen und daraus resultierende Schlussfolgerungen kritisch. Wenn Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) damit Pläne für ein bundesweites Mietenmoratorium bestätigt sieht, sei das ein fatales Signal. Sachsen befinde sich in einer ganz anderen Lage. Weder Dresden noch Leipzig hätten einen angespannten Wohnungsmarkt. In Leipzig habe man mehr als 2000 leerstehende Wohnungen, die sofort bezugsfertig sind. "Ich appelliere an mehr Differenzierung und differenzierte Wahrnehmung", sagte Luserke.

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