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Düsseldorf: Muslim gründet Karnevalsverein für mehr Toleranz und Miteinander

Für Toleranz und Miteinander  

Muslim gründet Karnevalsverein: "Müssen Heimat mitgestalten"

Von Sandra Langen-Straeter

06.02.2020, 11:08 Uhr
Düsseldorf: Muslim gründet Karnevalsverein für mehr Toleranz und Miteinander. Ataman Yildirim vor dem Entwurf für den Toleranzwagen 2020: In seinem Karnevalsverein sind alle willkommen. (Quelle: barbara-schmitz.de)

Ataman Yildirim vor dem Entwurf für den Toleranzwagen 2020: In seinem Karnevalsverein sind alle willkommen. (Quelle: barbara-schmitz.de)

Egal ob Muslim, Christ oder Jude, egal ob hetero, schwul, lesbisch oder etwas dazwischen – im neuen Karnevalsverein "Orient-Okzident-Express" sind alle willkommen. t-online.de-Autorin Sandra Langen-Straeter hat mit dem Vereinsgründer Ataman Yildirim, der selbst Muslim ist, gesprochen.

"Einer muss den Narren spielen, einer muss nach vorne", sagt Ataman Yildirim über sich. Er ist Vereinsvorsitzender des Düsseldorfer Karnevalsvereins "Orient-Okzident-Express – engagierte Muslime im Rheinland", den er im letzten Jahr gründete. Auslöser war, dass Yildirim in den Gremien im Karneval die Vielfalt vermisste: "In Deutschland haben 25,5 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund. Liegt es an den Strukturen, dass sie in den Vereinen nicht vertreten sind?"

Und weil seine Maxime "Reden ist gut, handeln ist besser" lautet, war die Idee zu einem jecken Verein, der für alle offen ist, geboren. Yildirim betont: "Es wird viel über Rassismus und Integration gesprochen, für mich ist das Tun wichtig – um mit Menschen, egal welcher Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung, in die direkte Interaktion zu kommen."

Ataman Yildirim mit Staatssekretärin Serap Güler, Minister Joachim Stamp und Wagenbauer Jacques Tilly (v.l.n.r.): Die beiden Staatsbediensteten wurden mit dem Toleranzorden ausgezeichnet. (Quelle: barbara-schmitz.de)Ataman Yildirim mit Staatssekretärin Serap Güler, Minister Joachim Stamp und Wagenbauer Jacques Tilly (v.l.n.r.): Die beiden Staatsbediensteten wurden mit dem Toleranzorden ausgezeichnet. (Quelle: barbara-schmitz.de)

Noch steckt der Verein in den Kinderschuhen, aber er mischt schon mit im Karnevalsgeschehen in Düsseldorf: Er nimmt etwa zusammen mit der katholischen und evangelischen Kirche sowie der jüdischen Gemeinde am Initiatorenkreis des Toleranzwagens 2020 teil und fährt auch in diesem Jahr auf dem Wagen wieder beim Rosenmontagszug mit. Als NRW-Integrationsminister Joachim Stamp und dessen Staatssekretärin Serap Güler Ende Januar mit dem Toleranzorden ausgezeichnet wurden, war Yildirims Verein unter den Gästen. Und wenn am 10. Februar das Düsseldorfer Prinzenpaar bei einem Empfang der Jüdischen Gemeinde zu Besuch sein wird, ist auch der "Orient-Okzident-Express" dabei.

Minderheiten müssen sichtbar sein

Yildirim beteuert: "Wir müssen weg von den Lippenbekenntnissen und echte Berührungspunkte schaffen. Meist wird über Muslime, Migranten, Homosexuelle und andere gesprochen, aber nur selten mit ihnen." Oft gebe es kaum Möglichkeiten, wie unterschiedliche Gruppen miteinander in Kontakt kommen können. Yildirim, selbst Sozialpädagoge und Experte für Antidiskriminierungsarbeit, erinnert sich an ein Gespräch mit einem schwulen Türken: "Er sagte, dass der Verein ein wichtiger Schritt ist. Dieser Türke hat nur Kontakt zu anderen schwulen Türken, aber nicht zu schwulen Deutschen. Das hat mich wirklich überrascht."

Für Yildirim gehört zu einem echten Miteinander auch die Sichtbarkeit von Muslimen und anderen Bevölkerungsgruppen. Am Beispiel seiner Religionsgemeinschaft macht er fest: "Zur gesellschaftlichen Teilhabe gehört auch das Empowerment und mehr Sichtbarkeit von Muslimen im öffentlichen Leben. Keine Hinterhofmoscheen mehr und mehr Transparenz. Vielfalt bedeutet auch, Vielfalt zu sehen."

Mehr Diversität im Düsseldorfer Karneval

"Meine Vision ist: mehr Muslime, Migranten, Person of Colour in Vorständen wie in Karnevalsvereinen", sagt Yildirim, der zwar in der Türkei geboren ist, aber als Baby nach Deutschland kam und als seine Heimat bezeichnet: "Diese Heimat müssen wir mitgestalten. Das bedeutet auch, kritische Themen anzusprechen."

Klar, wenn es um Muslime und Karneval geht, kommt ein zwar weniger kritisches, aber für den einen oder anderen dennoch bedeutsames Thema aufs Tapet: Wie handhabt der Verein das eigentlich mit dem im jecken Treiben allgegenwärtigen Alkohol? Auch da ist Yildirim um keine Antwort verlegen: "Wir lieben Demokratie, jeder kann trinken, was er möchte. Ich trinke sehr gerne Buttermilch."

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Ataman Yildirim
  • Jüdische Gemeinde Düsseldorf
  • Evangelische Pressestelle Düsseldorf
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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