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Düsseldorf: NRW organisiert islamischen Religionsunterricht neu

Zusammen mit Islamverbänden  

NRW organisiert islamischen Religionsunterricht neu

17.05.2021, 15:50 Uhr | dpa

Düsseldorf: NRW organisiert islamischen Religionsunterricht neu. Islamunterricht (Quelle: dpa/Oliver Berg)

Ein Junge liest während des islamischen Religionsunterrichts in einem Schulbuch (Symbolbild): In NRW soll der dieser Unterricht künftig anders gestaltet werden. (Quelle: Oliver Berg/dpa)

In Nordrhein-Westfalen soll der islamische Religionsunterricht neu aufgestellt werden. Vor allem Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Anschauungen und Religionen sind das Ziel.

Das Land NRW will den islamischen Religionsunterricht weiter ausbauen und ein neues Kapitel in der Zusammenarbeit mit den Islamverbänden aufschlagen. Wie Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag mitteilte, wird eine Kommission mit Vertretern von sechs Islam-Organisationen dem Land nun in einem bundesweit einmaligen Modell als Ansprechpartner für den bekenntnisorientierten Unterricht zur Verfügung stehen. Das Gremium könne seine Arbeit jetzt analog zur Beteiligung der Kirchen beim katholischen und evangelischen Religionsunterricht aufnehmen.

Derzeit erhalten knapp 22.000 Schüler an 260 Schulen in Nordrhein-Westfalen islamischen Religionsunterricht von 300 Lehrkräften. Der Unterricht liegt in der Verantwortung des Landes. Er werde von in Deutschland ausgebildeten Religionslehrern erteilt, betonte Gebauer. Muslimische Schüler hätten ein Recht darauf. Es würden dabei auch Kenntnisse über andere Religionen vermittelt. "Das schützt vor Vorurteilen und schärft den Blick." Offenheit, Toleranz und Respekt gegenüber anderen Religionen und Anschauungen sollten gestärkt werden, schilderte die Ministerin.

In Kritik geratene Ditib mit im Boot

Auch die Ditib als größte Islam-Organisation in Deutschland ist bei dem Unterrichtsfach jetzt wieder neu mit im Boot. Das Land hatte vor einigen Jahren jede Kooperation mit der umstrittenen Türkisch-Islamischen-Union wegen ihrer Nähe zu Ankara auf Eis gelegt – auch im Schulbereich. Gebauer zufolge hatte die Ditib in den vergangenen Monaten "intern, aber auch öffentlich" eine "Staatsferne" dargelegt und auch auf eine Unabhängigkeit des Landesverbands hingewiesen. Der Ditib-Bundesverband hatte nach anhaltender Kritik um Vertrauen geworben und Reformen angekündigt.

Voraussetzung für eine Aufnahme in die Kommission sei, "dass die Organisation in der Zusammenarbeit beim Islamischen Religionsunterricht eigenständig und staatsunabhängig ist und die Verfassungsprinzipien achtet." Die Kommission vertritt laut Ministerium die Interessen und Anliegen der islamischen Organisationen bei dem ordentlichen Unterrichtsfach. Konkret geht es um eine Beteiligung bei der Genehmigung von Lehrbüchern. Außerdem sollen sie "religiöses Einvernehmen" herstellen bei Kernlehrplänen, die in staatlicher Verantwortung erarbeitet würden.

Entscheidung über Unterrichtserlaubnis durch Islamverbände

Die Islamverbände entscheiden der Ministerin zufolge zudem über die religiöse Unterrichtserlaubnis – Idschaza – für die Pädagogen. Der Verband der Islamlehrer hatte kritisiert, der zuvor tätige und nun aufgelöste Beirat habe nicht unabhängig und neutral agiert, die Idzascha-Vergabe habe stattdessen den Charakter eines "Gesinnungstests" gehabt.

Dass die neue Kommission sich jetzt konstituieren könne, stelle einen wichtigen Schritt für einen weiteren Ausbau des islamischen Religionsunterrichts dar, unterstrich die Politikerin in Düsseldorf. Sie sprach von einem "Meilenstein". Man sei mit mehreren Verbänden im Gespräch gewesen und habe diese eingehend geprüft.

Sechs Organisationen Teil des Modells

Neben der Ditib stellen weitere fünf Organisationen jeweils ein Mitglied und einen Stellvertreter für das Gremium: Der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), die Islamische Religionsgemeinschaft NRW, das Bündnis Marokkanische Gemeinde (BMG), die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken (IGBD) und die Union der Islamisch-Albanischen Zentren.

2012 hatte der islamische Religionsunterricht in NRW an 33 Schulen mit 42 Lehrern und 1.800 Schülern begonnen. Seitdem wächst der Bedarf. Ein organisatorisches Übergangsmodell war ausgelaufen, eine Neuordnung fällig. Gebauer sagte, die Kommission sei offen für weitere Mitglieder. Die Verfassung schreibe die Beteiligung einer Religionsgemeinschaft vor. Die ihr zugewiesenen Aufgaben nehme nun das neue Gremium wahr.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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