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Prozess um Trickbetrug: Haftstrafe und Bewährungszeiten

Erfurt  

Prozess um Trickbetrug: Haftstrafe und Bewährungszeiten

29.01.2020, 02:22 Uhr | dpa

Prozess um Trickbetrug: Haftstrafe und Bewährungszeiten. Mann mit Telefon

Ein Mann hält einen Telefonhörer in der Hand. Foto: Julian Stratenschulte/Archiv (Quelle: dpa)

Im Prozess um eine Betrugsmasche mit Anrufen falscher Polizisten ist der Kopf des angeklagten Trios zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Er habe sich in sieben Fällen der Beihilfe des gewerbsmäßigen Betrugs schuldig gemacht, hieß es im Urteil am Landgericht Erfurt am Mittwoch. Auch die zwei Mitangeklagten wurden wegen mehrerer Fälle der Beihilfe des gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt - ein Strafmaß wurde aber noch nicht festgelegt.

Denn ob die zwei jungen Männer tatsächlich eine Jugendstrafe verbüßen müssen, soll erst noch entschieden werden: Zum Tatzeitpunkt waren sie Heranwachsende, weshalb Jugendstrafrecht anzuwenden sei, hieß es. Dieses erlaube, eine Jugendstrafe auszusetzen, solange nicht klar sei, ob noch schädliche Neigungen bei den Betroffenen vorhanden seien, erklärte der Vorsitzende Richter, Holger Pröbstel. Der Bewährungszeitraum für die zwei nun Verurteilten beträgt zwei Jahre. Gegen die Urteile können Rechtsmittel eingelegt werden.

Anfang 2019 hatten mehrere Senioren in Erfurt Anrufe von angeblichen Polizeibeamten oder Staatsanwälten erhalten. Diese brachten die Senioren durch Lügenkonstrukte dazu, Geld und Wertgegenstände an von den Anrufern diktierten, frei zugänglichen Orten zu deponieren. Das inzwischen 23, 21 und 20 Jahre alte Trio aus Bremen soll das Geld dann abgeholt haben. So sollen sie mindestens 190 000 Euro erbeutet haben. Die Polizei kam ihnen durch Telefonüberwachung auf die Spur.

Teilweise hätten die Opfer das Geld im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Fenster geworfen, sagte Pröbstel zur Urteilsverkündung. Er bezog sich damit auf einen Fall, in dem ein Rentner dazu gebracht worden war, Geld von seinem Balkon zu werfen.

Die Anrufer setzten die Senioren nach Auffassung des Gerichts enorm unter Druck. Sie erzählten den Opfern etwa, dass diese kurz davor stünden, ausgeraubt zu werden oder dass diese bei der Aufklärung etwa von Falschgeldfällen helfen sollten. Allein in einem Fall summierte sich der Betrag auf mehr als 75 000 Euro.

Der Fall lasse ihn auch nach vielen Jahren als Richter nicht kalt, sagte Pröbstel. Mitbürgern im hohen Alter seien teilweise die gesamten Ersparnisse abgeluchst worden.

In ihren letzten Worten entschuldigten sich die drei Männer bei den Opfern und. Der Trio-Kopf erklärte: "Ich bin da unglücklich hineingeraten." Dass es überhaupt so etwas wie den Polizistentrick gibt, wolle er erst später erfahren haben.

Nach Einschätzung der Richter, wussten die Männer wohl, dass sie etwas Kriminelles taten. Die Kammer hielt demnach aber auch die Geständnisse der Männer für glaubwürdig. Sie hatten dargestellt, die Hintermänner, mit denen der 23-Jährige per Telefon in Kontakt stand, nicht zu kennen und vom Ausmaß der Taten nichts gewusst zu haben.

Pröbstel verwies auch darauf, dass die zwei Männer bereits neun Monate und der dritte ein Jahr in Untersuchungshaft verbracht haben. Zudem sollen die Männer eine Entschädigung zahlen. Wobei der Löwenanteil von weit mehr als 200 000 Euro von dem Kopf des Trios zu zahlen sei.

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