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Erfurt: Bischof Ulrich Neymeyr kritisiert Urteil zur Sterbehilfe

"Ein Schlag ins Gesicht"  

Erfurter Bischof kritisiert Urteil zur Sterbehilfe

27.02.2020, 11:31 Uhr | dpa

Erfurt: Bischof Ulrich Neymeyr kritisiert Urteil zur Sterbehilfe. Ein Altenpfleger hält in einem Pflegeheim die Hand einer Frau (Symbolbild): Die katholische und evangelische Kirche, so auch ein Erfurter Bischof, kritisieren das Urteil zur Sterbehilfe.  (Quelle: dpa/Sebastian Kahnert)

Ein Altenpfleger hält in einem Pflegeheim die Hand einer Frau (Symbolbild): Die katholische und evangelische Kirche, so auch ein Erfurter Bischof, kritisieren das Urteil zur Sterbehilfe. (Quelle: Sebastian Kahnert/dpa)

Das Bundesverfassungsgericht hat das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe gekippt. Das Urteil sorgt für ein geteiltes Echo. Der Erfurter Bischof Neymeyr zweifelt an der Begründung des Gerichts.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat die vom Bundesverfassungsgericht angestoßene Liberalisierung der Sterbehilfe scharf kritisiert. Dass das Gericht entschieden habe, das Verbot organisierter Angebote zur Sterbehilfe verletze den Einzelnen in seinem Recht auf selbstbestimmtes Sterben, sei "ein Ausdruck der Kultur des Todes", sagte Neymeyr am Donnerstag in Erfurt.

Der Bischof Ulrich Neymeyr bei einem Gottesdienst im Erfurter Dom: Er kritisiert das Urteil zur Sterbehilfe scharf.  (Quelle: imago images/Karina Hessland/Archiv)Der Bischof Ulrich Neymeyr bei einem Gottesdienst im Erfurter Dom: Er kritisiert das Urteil zur Sterbehilfe scharf. (Quelle: Karina Hessland/Archiv/imago images)

"Das gestrige Urteil ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich um lebensmüde, schwerstbehinderte und schwerstkranke Menschen sorgen." Es gebe bereits Berichte, dass Bewohner niederländischer Pflegeheime in entsprechende Einrichtungen in Deutschland wechselten, weil ihnen in den Niederlanden der assistierte Suizid zu offensiv nahegelegt werde.

Grenzen für Selbstbestimmung des Menschen

Dass das Gericht seine Entscheidung mit der Selbstbestimmung des Menschen begründet hat, ist aus Sicht Neymeyrs nicht stichhaltig. Der Selbstbestimmung des Menschen würden immer Grenzen gesetzt bleiben, sagte er. "Der Mensch wird nie entscheiden können, wer seine Eltern sind, und ob, wann und wo er geboren wird." Gleichzeitig versprach Neymeyr, Christen würden sich auch in Zukunft in ambulanten und stationären Einrichtungen um lebensmüde, schwerstbehinderte und schwerstkranke Menschen kümmern.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch das 2015 per Gesetz eingeführte Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe gekippt. Der entsprechende Strafrechtsparagraf sei nichtig, weil er "die Möglichkeiten einer assistierten Selbsttötung faktisch weitgehend entleert", erklärten die Richter in Karlsruhe.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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