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Gedenkstättenleiter sieht mehr Rassismus und Desinformation

Erfurt  

Gedenkstättenleiter sieht mehr Rassismus und Desinformation

05.10.2020, 02:16 Uhr | dpa

Gedenkstättenleiter sieht mehr Rassismus und Desinformation. Jens-Christian Wagner, Neuer Direktor der Gedenkstättenstiftung

Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, steht auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Geschichtsrevisionismus sowie ein politischer Rechtsruck und Desinformation gehören nach Ansicht des neuen Direktors der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, zu den größten inhaltlichen Herausforderungen der künftigen Stiftungsarbeit. "Wir erleben eine Zunahme von Rassismus, von Antisemitismus, von Nationalismus, von antidemokratischen Ressentiments und damit einhergehend auch von Geschichtsrevisionismus", sagte Wagner am Montag in Erfurt.

Es gebe viele Personen, die versuchten, Geschichte umzudeuten und die NS-Verbrechen in ihrer Gesamtheit zu relativieren oder für die eigenen Zwecke nutzbar zu machen. Als Beispiel nannte er unter anderem Menschen, die bei Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen sich zu einer Art neuer Opfer stilisierten - mit entsprechender Symbolik wie gelben Sternen, die Juden im Nationalsozialismus tragen mussten. "Da haben wir als Gedenkstätten, aber auch die Gesellschaft allgemein - auch die Schulen - eine ganze Menge Hausaufgaben zu machen", sagte Wagner.

Der 54 Jahre alte Historiker beobachtet zunehmende Provokationen von Gedenkstättenbesuchern. Seiner Meinung nach gehörten eine Radikalisierung im Internet und Desinformationen, die dort verbreitet würden, zu den Gründen dafür. Manche Jugendliche holten sich ihre Informationen bei Youtube, wüssten aber häufig nicht, ob diese wissenschaftlich seriös seien. "Dem müssen wir etwas entgegensetzen", sagte Wagner.

Bevor Wagner zurück nach Thüringen kam, leitete er die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Davor war er bereits als Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Thüringen aktiv. Seit Oktober ist er nun Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Wagner folgt auf Volkhard Knigge, der in den Ruhestand wechselte. Wagner nannte Knigge eine der maßgeblichen Stimmen in der deutschen Geschichtswissenschaft und und Erinnerungslandschaft.

Wie Knigge will auch Wagner am Hausverbot für den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke festhalten. Höcke habe sich aggressiv gegenüber der Gedenkstättenarbeit in Deutschland verhalten und eine erinnerungspolitische Wende gefordert, sagte Wagner am Dienstag in Erfurt. "Daher halte ich es für völlig richtig, dieses Hausverbot de facto aufrecht zu erhalten solange aus der AfD keine anderen Signale kommen."

Seiner Meinung nach sei die bisherige Politik Knigges gegenüber der AfD, insbesondere der Umgang mit Höcke, richtig gewesen - inklusive Teilnahmeverbot für Gedenkveranstaltungen.

Die Stiftung hatte dem AfD-Rechtsaußen Höcke bereits Anfang 2017 ein Hausverbot erteilt. Auch andere AfD-Politiker waren in der Vergangenheit etwa zu Kranzniederlegungen bei Holocaust-Gedenktagen nicht willkommen. Höcke hatte im Jahr 2017 in einer Rede in Dresden unter anderem mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin gesagt: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Im März 2020 stufte der Bundesverfassungsschutz Höcke als rechtsextremistische Führungspersönlichkeit ein.

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