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Werkstätten für Behinderte: Kaum Verständnis für Schließung

Erfurt  

Werkstätten für Behinderte: Kaum Verständnis für Schließung

03.12.2020, 12:47 Uhr | dpa

Werkstätten für Behinderte: Kaum Verständnis für Schließung. Behindertenwerkstatt näht Schutzmasken

In der sozialen Arbeitsstätte werden Mundschutzmasken genäht. Foto: Martin Remmers/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Die pauschale Schließung von Werkstätten für Menschen mit Behinderung während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr findet bei der Mehrheit der Thüringer keine Zustimmung. Im aktuellen Inklusionsmonitor vertreten etwas mehr als drei Viertel der Befragten diese Meinung. Die Zustimmung unter Behinderten zu dieser Aussage sei noch größer, sagte der Leiter des Meinungsforschungsinstituts Insa Consulere, Hermann Binkert, bei der Vorstellung am Donnerstag in Erfurt. Nur zwölf Prozent der für die repräsentative Studie Befragten gäben an, die Schließung sei richtig gewesen.

Thüringens Behindertenbeauftragter Joachim Leibiger sagte, aus seiner Sicht sei es rückblickend ein Fehler gewesen, die Werkstätten zu schließen. Sie seien für viele Menschen mit Handicap mehr als ein Arbeitsort. Er kenne etwa einen Fall, in dem ein Beschäftigter darum gebeten habe, seinen Urlaub dort zu verbringen. Dieser habe am Arbeitsplatz viele soziale Kontakte, während er zu Hause allein lebe. Wegen der Schließung der Werkstätten seien bei ihm viele Beschwerden eingegangen, sagte Leibiger weiter. Aber er zeigte auch Verständnis dafür, dass die Landesregierung am Beginn der Corona-Pandemie mit pauschalen Regelungen auf die Krise reagiert hatte.

Die aktuellen Corona-Beschränkungen für die Werkstätten halte er dagegen für richtig. Nach der aktuellen Corona-Verordnung der Landesregierung bleiben die Werkstätten bei Vorliegen eines Hygienekonzepts grundsätzlich offen. Sie dürfen nur von denen nicht betreten werden, die ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Krankheitsverlauf haben, sollten sie sich mit dem Coronavirus anstecken.

Der Inklusionsmonitor wird seit 2016 jährlich erstellt. Er beschäftigt sich mit Themen, die vor allem für Menschen mit Behinderung von besonderer Relevanz sind. In dem aktuellen Monitor geht es schwerpunktmäßig um die Auswirkungen der Coronakrise. In Thüringen haben etwa 400 000 Menschen eine Behinderung, das entspricht etwa einem Fünftel aller Einwohner des Landes. Nur die wenigsten von ihnen werden mit einer Behinderung geboren. Viele erwerben die Behinderung erst im Laufe ihres Lebens, zum Beispiel infolge von Alter oder Krankheit.

Der diesjährige Inklusionsmonitor zeigt grundsätzlich eine große Zustimmung unter den Thüringer dafür, Menschen mit Behinderungen in der Coronakrise besonders zu unterstützen. Nach Angaben von Binkert stimmen beispielsweise jeweils mehr als 70 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Kinder mit Behinderung auch in der Pandemie einen Anspruch auf Betreuung in den Kindergärten oder in Förderschulen haben sollten.

Für die Studie wurden 1042 Thüringer ab 18 Jahren im November am Telefon und online befragt. Von den Befragten hatten 18 Prozent selbst eine Behinderung.

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