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Angeklagter Ex-Polizist beruft sich auf Erinnerungslücken

Erfurt  

Angeklagter Ex-Polizist beruft sich auf Erinnerungslücken

23.02.2021, 14:06 Uhr | dpa

Angeklagter Ex-Polizist beruft sich auf Erinnerungslücken. Justitia-Statue

Justitia-Statue. Foto: Arne Dedert/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Im Prozess wegen schwerer Körperverletzung gegen einen früheren Polizisten vor dem Landgericht Erfurt hat sich der Angeklagte auf Erinnerungslücken berufen. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, was zu der Zeit geschehen sei, als seine ehemalige Lebensgefährtin mit einem Messer schwer verletzt worden war, erklärte der 43-Jährige am Dienstag beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Erfurt nach einer stundenlangen Einlassung.

Er wisse zwar noch, dass er am Morgen des Tattages bei seinen Eltern gewesen sei und einen Streit mit seinem Vater gehabt habe. Auch wisse er, dass er dann nach Erfurt gefahren sei. Was dort passierte, daran habe er aber keine Erinnerungen mehr. Die setzten erst später am Tattag wieder ein, als seine Ex-Lebensgefährtin schon schwer verletzt worden war. Zu Beginn seiner Aussage hatte der Mann gesagt, was seiner ehemaligen Lebensgefährtin passiert sei, sei "einigermaßen furchtbar".

Die Staatsanwaltschaft Erfurt wirft dem Mann mehrere Gewalttaten vor. Dazu gehört vor allem der mutmaßliche Messerangriff auf seine ehemalige Lebensgefährtin im August 2020. Den Ermittlungen zufolge lauerte er ihr in Erfurt auf und zerschnitt ihr dann gezielt das Gesicht, um sie zu entstellen. Tatwaffe soll ein 20 Zentimeter langes Messer gewesen sein. Die Frau hat dabei mehrere tiefe Wunden erlitten. Der Mann war einige Stunden nach der Tat von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei in Braunschweig festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Während seiner Erklärung zu den Vorwürfen beschrieb er ausführlich seine Beziehung sowohl zu seiner Ex-Ehefrau als auch zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin, mit der er zusammen lebte, nachdem er sich scheiden ließ. Immer wieder gab der Angeklagte während seiner Schilderungen seiner Ex-Lebensgefährtin die Schuld daran, dass Konflikte in der Partnerschaft eskaliert seien. Die Frau sei sehr dominant gewesen. Sie sei es gewohnt gewesen, dass Männer für sie Dinge erledigt hätten. "Es war mir dann irgendwann zu viel."

Einen Teil der ihm vorgeworfenen Gewalttaten bestritt er, andere räumt er zumindest teilweise ein. Im Mai 2020 etwa habe es nach einem heftigen Streitgespräch zwischen ihm und der Frau eine Rangelei gegeben, sagte der Mann. Dabei habe sich die Frau auf ihn gestürzt, er habe sie mehrfach zurückgestoßen, sie dann gepackt und ins Schlafzimmer geschoben. Dort habe er sie aufs Bett geworfen. Anders als die Staatsanwaltschaft es ihm vorwerfe, habe er die Frau dann aber nicht im Zimmer eingesperrt.

Kurz vor dem mutmaßlichen Messerangriff auf die Frau war der Angeklagte nach eigenen Angaben aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden. Er sei dazu aber eigentlich noch nicht bereit gewesen, sagte er. "Ich war nicht stabil."

Weil der Mann offenbar schon seit Langem psychische Probleme hat, kritisierte sein Anwalt am ersten Prozesstag die Thüringer Polizei. Der Mann habe seit Jahren versucht, in den Ruhestand versetzt zu werden, weil er derart große psychische Probleme habe, dass es ihm unmöglich gewesen sei, seinen Job als Polizist weiter auszuüben, sagte der Anwalt. Darüber habe sein Mandant in der Vergangenheit auch bereits mit Polizeiärzten gesprochen. Er habe für den Mann die Versetzung in den Ruhestand trotzdem erst gerichtlich durchsetzen müssen. Sie sei nun Ende Januar 2021 wirksam geworden. Derzeit prüfe die Polizei, ob sie die Versorgungsbezüge des Mannes reduziere. Nach eigenen Angaben arbeitete der Angeklagte beim Landeskriminalamt.

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