Sie sind hier: Home > Regional > Erfurt >

Corona-Skeptiker glauben eher Verschwörungserzählung

Erfurt  

Corona-Skeptiker glauben eher Verschwörungserzählung

13.04.2021, 15:31 Uhr | dpa

Corona-Skeptiker glauben eher Verschwörungserzählung. Demonstrant der Initiative "Querdenken 711"

"Stoppt den Lockdown - Masken weg, Merkel weg, Mainstream weg - Freiheit" steht auf einem Schild. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archivbild (Quelle: dpa)

Corona-Skeptiker in Thüringen verorten sich eher rechts, misstrauen öfter staatlichen Institutionen, äußern eher Demokratie-Kritik und sind empfänglicher für eine Verschwörungserzählung zur Pandemie. Das geht aus der repräsentativen Befragung Thüringen-Monitor hervor, die die Jenaer Politologin Marion Reiser am Dienstag vorstellte. So glaubten überdurchschnittlich viele der Corona-Skeptiker an die Verschwörungserzählung, dass "geheime Organisationen" während der Corona-Krise "großen Einfluss auf die Politik" hätten.

Reiser ist wissenschaftliche Leiterin der Studie, die seit dem Jahr 2000 jährlich im Freistaat erarbeitet wird. Corona-Skeptiker äußerten auch verstärkt Demokratie-Kritik und hegten ein besonders großes Misstrauen gegenüber dem politischen System, den Institutionen und den politischen Akteuren, erläuterte sie. Für den Thüringen-Monitor wurden zwischen dem 3. September und dem 5. Oktober 1110 Thüringer Wahlberechtigte telefonisch befragt. Die repräsentative Studie wurde von der Thüringer Staatskanzlei in Auftrag gegeben.

"Sie sind auch eher bereit an einer nicht genehmigten Demonstration teilzunehmen und für das Durchsetzen ihrer Ziele Gewalt einzusetzen", sagte Reiser mit Blick auf die Corona-Skeptiker. Zugleich betonte sie, dass diese Menschen aber kein spezielles Sozialprofil hätten - etwa nach Kriterien wie Geschlecht, Alter oder Beruf. Ein Befund der Studie ist, dass etwa zwei Drittel der rechtsextrem eingestellten Thüringer zugleich auch Corona-Skeptiker sind. Ebenso finden sich unter den Corona-Skeptikern etwa ein Drittel rechtsextrem eingestellte Thüringer.

Dem Thüringen-Monitor zufolge stimmten 35 Prozent aller Befragten der Aussage überwiegend oder ganz zu, dass das Coronavirus "eigentlich nicht schlimmer als eine Grippe" sei; 53 Prozent fanden, dass die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, von den Medien stark übertrieben sei; und 42 Prozent gaben an, dass sie eher ihren Gefühlen vertrauten als "sogenannten Experten".

Reiser wies darauf hin, dass die Studie im Herbst und damit vor Beginn des zweiten Lockdowns erstellt wurde. Zudem seien die Inzidenzen damals noch niedrig und Thüringen ohnehin bis dato wenig betroffen gewesen. Die Corona-Pandemie war diesmal der Schwerpunkt des Thüringen-Monitors, der sonst vor allem die Einstellungen der Menschen im Freistaat zu Demokratie und Rechtsextremismus untersucht.

Generell waren der Untersuchung zufolge im vergangenen Jahr rechtsextreme Einstellungen unter Thüringern weniger verbreitet als noch im Jahr 2019. Demnach wurden beispielsweise Aussagen zur Erfassung rechtsextremer Einstellungen von den Befragten deutlich seltener unterstützt als noch 2019.

Die Zustimmung zur Aussage "Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten" sank beispielsweise von 26 auf 14 Prozent. Auch Unterstützung für die antisemitische Aussage "Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns" ging von 16 auf 8 Prozent zurück - und halbierte sich damit.

Zugleich stieg der Anteil der "zufriedenen Demokraten" in Thüringen mit 65 Prozent auf einen Höchstwert. Laut der Studie stuften fast zwei Drittel der Befragten die Demokratie als beste aller Staatsideen ein und zeigten sich mit ihrem Funktionieren zufrieden.

Thüringens Vize-Ministerpräsidentin Anja Siegesmund (Grüne) nannte vor allem die Überschneidung von "Rechtsextremismus und Coronaleugnung" besorgniserregend. Linksfraktionschef Steffen Dittes erklärte, man dürfe trotz geringerer Verbreitung von rechtsextremen Einstellungen nicht darin nachlassen, "weiter gegen jede Form der Ausgrenzung und Menschenverachtung entgegenzutreten und aufzuklären". Der FDP-Abgeordnete Dirk Bergner forderte eine "starke Zivilgesellschaft" für "den Kampf gegen Extremismus".

AfD-Fraktionschef Björn Höcke kritisierte die Studie und bezeichnete die Ersteller der Studie in einer Mitteilung als "ideologisch instrumentalisierte Wissenschaftler".

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
10-Tages-Vorhersage

Alba Modatchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal