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Erfurt/Corona: Thüringer Tafeln erwarten mehr Bedürftige

Hilfsbereitschaft wächst  

Thüringer Tafeln erwarten mehr Bedürftige

10.05.2021, 09:45 Uhr | dpa

Erfurt/Corona: Thüringer Tafeln erwarten mehr Bedürftige. Lebensmittel liegen für die Abgabe an Bedürftige in der Tafel (Symbolbild): Die Pandemie fordert die Tafeln in Thüringen besonders heraus.  (Quelle: dpa/Bodo Schackow)

Lebensmittel liegen für die Abgabe an Bedürftige in der Tafel (Symbolbild): Die Pandemie fordert die Tafeln in Thüringen besonders heraus. (Quelle: Bodo Schackow/dpa)

In der Corona-Krise sind viele Thüringer in Kurzarbeit oder haben ihre Arbeit komplett verloren. Immer mehr Menschen brauchen Hilfe – etwa von den Tafeln. Doch auch die Hilfsbereitschaft ist im Freistaat gewachsen. 

Bei den Thüringer Tafeln rechnet man damit, dass in den nächsten Monaten noch mehr Bedürftige als derzeit Unterstützung durch die Organisation brauchen werden. "Wir gehen davon aus, dass sich die Lage noch einmal verschärfen wird", sagte die Vorsitzende des Landesverbandes Tafel Thüringen, Beate Weber-Kehr, der Deutschen Presse-Agentur.

Schon in den vergangenen Monaten hätten sich vor manchen Tafeln dramatische Szenen abgespielt. "Da stehen teilweise Menschen weinend, weil sie nicht gedacht hätten, dass sie mal auf solche Hilfe angewiesen sein würden", sagte Weber-Kehr. Jedoch habe auch die Hilfsbereitschaft zuletzt deutlich zugenommen.

In Thüringen gibt es 32 Tafeln, bundesweit sind es etwa 950. Dort werden vor allem qualitativ einwandfreie, aber zum Beispiel für Supermärkte überschüssige Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Neben einigen Hauptamtlichen sind es vor allem Ehrenamtler, die die Hilfe der Tafeln organisieren.

"Ganz besondere Herausforderung"

Weber-Kehr sagte, nach aktuellen Daten des Bundesverbandes der Tafeln verzeichneten etwa ein Drittel der Einrichtungen mehr Besucher als vor der Corona-Krise. "Man kann davon ausgehen, dass das auch in Thüringen so ist." Dass noch immer viele Menschen in Kurzarbeit seien oder ihre Jobs in der Pandemie gänzlich verloren hätten, lasse die Zahl der Tafelbesucher steigen. Gleichzeitig seien viele Ehrenamtliche ältere Menschen und gehörten zur Corona-Risikogruppe; sie könnten daher nicht mehr bei den Tafeln helfen. "Das sind für unsere Tafeln ganz besondere Herausforderungen", sagte Weber-Kehr.

Weber-Kehr bezeichnete es als höchst problematisch, dass die notwendigen Hygieneregeln bei der Lebensmittelausgabe soziale Kontakte fast unmöglich machten, die deren Besucher oft schätzen. Viele von ihnen hätten sich dort vor der Krise mit Bekannten oder Freunden getroffen. Nun seien an den Ausgabestellen zum Beispiel Trennwände aufgestellt worden. "Manche Tafeln packen Tüten für die Besucher, die sie dann über die Theke ausgeben", sagte Weber-Kehr.

Hilfsbereitschaft ist "absolut gestiegen" 

Zu den positiven Entwicklungen der vergangenen Monate gehört nach Angaben von Weber-Kehr, dass die Tafeln mehr Unterstützung für ihr Hilfsangebot erhalten. Die Hilfsbereitschaft von Unternehmen, aber auch von Privatpersonen sei "absolut gestiegen", sagte Weber-Kehr. Nicht nur Lebensmittel würden zahlreich gespendet, sondern auch Geld oder etwa Corona-Masken. "Wir sind gut ausgestattet mit Lebensmitteln."

Die Krise habe vielen Menschen gezeigt, wie schnell jemand aus gesicherten sozialen Verhältnissen abrutschen könne und dann auf Unterstützung angewiesen sei.

Weber-Kehr ist seit März Vorsitzende des Landesverbandes der Thüringer Tafeln. Sie ist seit Jahrzehnten eng mit der Organisation verbunden. Ende der 1990er Jahre gründete sie eine Tafel in Blankhain in Mittelthüringen. Später arbeitete sie unter anderem für den Bundesverband der Tafeln.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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