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Essen: Tödlicher Schuss – Zweifel an der offiziellen Version der Polizei

Handyvideo aufgetaucht  

Tödlicher Schuss der Polizei – Zweifel an offizieller Version

31.07.2019, 19:46 Uhr | t-online.de , vss , dpa

Essen: Tödlicher Schuss – Zweifel an der offiziellen Version der Polizei. Das Video des Tathergangs: Es weckt Zweifel an der offiziellen Version der Polizei. (Quelle: t-online.de)

Das Video des Tathergangs: Es weckt Zweifel an der offiziellen Version der Polizei. (Quelle: t-online.de)

Die Polizei in Essen sieht sich nach dem tödlichen Schuss auf einen 32-Jährigen mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Seit Dienstag kursiert ein Video im Netz, das Zweifel an der bisherigen Version der Polizisten zum Tod des Mannes weckt.  

Am 18. Juni hat die Polizei in Essen einen Mann erschossen. Jetzt nährt ein Handyvideo Zweifel an den bisherigen Schilderungen des Ablaufs durch die Behörden.

Das spätere Opfer, der 32-jährige Adel B., soll in den Morgenstunden zunächst selbst per Telefon die Polizei alarmiert und mehrfach damit gedroht haben, sich mit einem Messer umzubringen. Die daraufhin zum Ort des Geschehens in der Altendorfer Straße eilenden Polizisten stellten den Mann. Offenbar gelang es ihnen aber nicht, B. zu beruhigen. Er lief zu seinem Wohnhaus an der Drügeshofstraße und wurde bis dorthin von den Beamten verfolgt.

Unklarer Tathergang

Was genau dann geschah, ist unklar. Bislang hieß es von der Polizei Bochum, die die Ermittlungen in dem Fall führt, dass Adel B. "immer aggressiver" geworden und mit einem Messer in der Hand auf die Beamten zugelaufen sein. Daraufhin habe ein Polizist ihn mit einem Schuss in den Oberkörper tödlich verletzt.

Ein jetzt auf YouTube veröffentlichtes Handyvideo scheint dieser Darstellung aber zu widersprechen. Der 32-jährige Adel B. verhielt sich offenbar nicht aggressiv, sondern lief vor den Beamten weg und schaffte es, durch die Tür in den Eingangsbereich des Mehrfamilienhauses. 

Notarzt kommt zu spät

Auf dem Video ist zu sehen, wie zwei Beamte daraufhin zu dem Haus eilen, um zu verhindern, dass sich die Tür hinter dem Mann schließt. Zwei Beamte treten dafür offenbar mit voller Wucht gegen die Tür. Dann kommt ein dritter Polizist hinzu – und der tödliche Schuss fällt.

Laut Staatsanwaltschaft durchschlug das Projektil eine der Glasscheiben der Haustür und traf Adel B. von vorn in Brusthöhe. Auf dem Video sind seine Schreie zu hören, kurz darauf dringen die Beamten in den Hausflur ein. "Messer weg", schreien sie, dann fliegt das Messer auf den Gehweg. Die Beamten rufen noch einen Notarzt – doch der kommt zu spät und kann Adel B. nicht mehr retten.

Notwehr oder Nothilfe

Handelten die Polizisten also tatsächlich in Notwehr? Oder war der tödliche Schuss eine Überreaktion? Die Staatsanwaltschaft Essen bestätigte gegenüber der "WAZ", die zuerst über das Handyvideo berichtet hatte, die Befürchtung der Polizei, dass es innerhalb des Hausflurs "zu einer völlig unkontrollierbaren Situation mit einer Gefahr für mehrere kleine Kinder" hätte kommen können. Der 32-Jährige habe gesagt, er wolle seine Familie "aufmischen". 

"Die Notwehr ist nicht vom Tisch", sagte Staatsanwältin Anette Milk am Mittwoch. "Aus dem Video ist nicht zwingend der Schluss zu ziehen, dass es keine Notwehrlage gewesen wäre", erklärte Milk weiter. Das nun aufgetauchte Handyvideo lag der Polizei nach eigenen Angaben schon länger vor. Offenbar hatten die Beamten die Datei vom Handy eines Nachbarn per Kabel kopiert und dann mitgenommen.

Laut Staatsanwaltschaft steht eine abschließende Bewertung des Falls noch aus. Darin soll geklärt werden, ob der Polizist in Notwehr handelte oder es eine Nothilfe etwa für die in der Wohnung befindliche Familie war. Bis dahin soll unter anderem durch ein toxikologisches Gutachten geklärt werden, ob das Opfer etwa unter Drogen gestanden hatte und wie berechenbar es damals gewesen war, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.


Unterdessen fordern SPD und Grüne im Düsseldorfer Landtag die Aufklärung des Vorfalls. "Die Vorwürfe, die hier im Raum stehen, sind ungeheuerlich", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hartmut Ganzke, der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung".

Auch Angehörige und Freunde von Adel B. haben Zweifel an der Version der Polizei. Sie haben unter dem Motto "Gerechtigkeit für Adel!" für den 8. August ab 18 Uhr zu einer Demonstration vor der Himmelfahrtskirche an der Ehrenzeller Straße in Altendorf aufgerufen.

Verwendete Quellen:
  • WAZ
  • YouTube
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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