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Frankfurt: Städel Museum zeigt größte van Gogh-Schau seit 20 Jahren in Deutschland

"Geschichte einer deutschen Liebe"  

Städel Museum zeigt größte van Gogh-Schau seit 20 Jahren

23.10.2019, 12:37 Uhr | dpa

Frankfurt: Städel Museum zeigt größte van Gogh-Schau seit 20 Jahren in Deutschland. Besucher gehen durch die Ausstellung "Making Van Gogh": Das Frankfurter Städel Museum zeigt nächstes Jahr 50 Werke des niederländischen Malers. (Quelle: dpa/Boris Roessler)

Besucher gehen durch die Ausstellung "Making Van Gogh": Das Frankfurter Städel Museum zeigt nächstes Jahr 50 Werke des niederländischen Malers. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Nach fünfjähriger Vorbereitung zeigt das Frankfurter Städel Museum nun 50 Werke des niederländischen Malers Vincent van Gogh. Es ist die aufwendigste Ausstellung in der Geschichte des Kunstmuseums.

Er war der Maler der Sonne, der Kornfelder und der Sonnenblumen – für Städel-Direktor Philipp Demandt ist Vincent van Gogh zudem der "Godfather der deutschen Moderne schlechthin". Von Mittwoch an zeigt das Frankfurter Museum nach fünfjähriger Vorbereitung 50 Werke des niederländischen Malers (1853-1890), der zu Lebzeiten gerade mal etwa zwei Dutzend Bilder und Zeichnungen verkaufen konnte, nach seinem Tod aber zu einem Idol der Kunstszene wurde. Wie es dazu kam, das ist auch Thema der Ausstellung "Making van Gogh", die von Mittwoch an bis zum 16. Februar 2020 im Städel Museum zu sehen ist.

Nach Angaben Demants handelt es sich "um die wahrscheinlich aufwendigste, auf jeden Fall aber die am längsten geplante Ausstellung in der Geschichte unseres Hauses". Seit fast 20 Jahren seien in Deutschland nicht mehr so viele Werke van Goghs in einer Ausstellung vereint gewesen – da ist mittlerweile eine neue Generation von Museumsbesuchern herangewachsen.

Städel Museum kaufte zuerst van Goghs Werke

"Er malte Bilder, die für eine ganze Generation von Künstlern zum Erweckungserlebnis wurden", sagte Demandt über den Einfluss van Goghs auf die Künstler der deutschen Moderne. In der Städel-Ausstellung sind van-Gogh-Werke daher auch neben und zwischen den Bildern deutscher Expressionisten, die teilweise stets "van Goghianer" blieben oder aber über van Gogh zu ihrem eigenen Stil fanden. Der Untertitel der Städel-Ausstellung lautet denn auch "Geschichte einer deutschen Liebe".

Besucher in der "Making Van Gogh"-Ausstellung betrachten zwei Werke: Die Frankfurter Schau zeigt 45 zentrale Arbeiten von van Gogh.  (Quelle: dpa/Boris Roessler)Besucher in der "Making Van Gogh"-Ausstellung betrachten zwei Werke: Die Frankfurter Schau zeigt 45 zentrale Arbeiten von van Gogh. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Die Erfolgsgeschichte van Goghs in Deutschland ist übrigens eng mit dem Städel verbunden: Es war das erste öffentliche Museum in Deutschland, das 1908 zwei Werke van Goghs kaufte – zuvor hatten vor allem Privatsammler Gefallen an dem Niederländer gefunden, der nach Meinung mancher Kritiker "gestrichelte Absonderlichkeiten" produzierte, andere dagegen in Euphorie versetzte, wie Kurator Felix Krämer betonte. "Ohne van Gogh wäre die deutsche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vollkommen anderes verlaufen."

Nicht zuletzt seine Selbstbildnisse regten jüngere Künstler an, sich in ähnlicher Form wie ihr großes Vorbild zu präsentieren. So hängt in der Ausstellung neben einem Selbstporträt van Goghs ein Selbstbildnis von Max Beckmann aus dem Jahr 1905, auf dem der Maler auch ein Bruder van Goghs sein könnte angesichts der Ähnlichkeiten. Als unverstandener, tragischer und leidender Künstler habe van Gogh sowohl Künstler als auch Sammler beeindruckt, meinte Krämer über die Reaktionen auf van Gogh. Ob Cuno Amiet, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee oder Max Pechstein - die Städel-Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich die deutschen Künstler auf das Werk van Goghs reagierten.

Deutschland zeigte größtes Interesse an van Gogh

In keinem anderen Land stieß van Gogh Anfang des 20. Jahrhunderts auf solches Interesse wie in Deutschland: Bis zum Ersten Weltkrieg waren seine Werke in fast 120 Ausstellungen in Deutschland vertreten – mehr als im übrigen Europa und Nordamerika zusammen, wie Demandt betonte.

Eine Frau filmt mit einer Kamera ein Selbstporträt Vincent van Goghs: Die Ausstellung ist bis Februar 2020 im Städel zu sehen. (Quelle: dpa/Boris Roessler)Eine Frau filmt mit einer Kamera ein Selbstporträt Vincent van Goghs: Die Ausstellung ist bis Februar 2020 im Städel zu sehen. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Dass auch van Gogh unter den Nationalsozialisten als "entartet" eingestuft wurde, bekam auch das Städel-Museum schmerzhaft zu spüren: Van Goghs "Das Bildnis des Doktor Gachet" wurde beschlagnahmt. An dieses düstere Kapitel deutscher Kunstgeschichte erinnert in der Ausstellung der leere Bilderrahmen des Gemäldes, das nach Angaben von Krämer heute Teil einer Privatsammlung ist. Ein Podcast mit dem Titel "Finding van Gogh" geht begleitend zur Ausstellung der Geschichte des verschwundenen Bildes nach.

Das "Mohnblumenfeld" aus Den Haag nach Frankfurt

Um die Ausstellung mit Leihgaben aus internationalen Museen überhaupt zustande kommen zu lassen, mussten die Ausstellungsmacher reichlich Überzeugungsarbeit leisten. "Es ist immer ein Griff ins Herz, wenn man nach einem van Gogh fragt". Denn für die Museen, die sich vorübergehend von ihren Bildern trennten, bedeutete dies auch die Trennung von einem Publikumsmagneten. So kamen etwa das "Mohnblumenfeld" aus Den Haag nach Frankfurt, die "Ernte in der Provence" aus Jerusalem oder die "Hafenarbeiter in Arles" aus Madrid - viele von ihnen Schlüsselwerke.


Letztlich habe das Konzept überzeugt, "mit einem großen Namen eine neue Geschichte zu erzählen", sagte Krämer über "Making van Gogh". Krämer, früherer Sammlungsleiter des Städel und heutiger Generaldirektor des Kunstpalastes Düsseldorf, war sich jedenfalls sicher: "Eine solche Ausstellung realisiert man nur einmal in Leben."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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