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Armutsgefahr in Hessen wächst gegen den Bundestrend

Frankfurt am Main  

Armutsgefahr in Hessen wächst gegen den Bundestrend

12.12.2019, 11:09 Uhr | dpa

Armutsgefahr in Hessen wächst gegen den Bundestrend. Schild mit Aufschrift "Ich habe Hunger"

Ein grüner Rucksack vor einem Pappschild mit der Aufschrift "Ich habe Hunger". Foto: Peter Kneffel/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Die Armutsgefahr in Hessen wächst nach Ansicht eines Sozialverbandes dramatisch. Während die Armut im deutschlandweiten Schnitt leicht gesunken sei, steige sie in Hessen gegen den Trend weiter stetig an, berichtete der Paritätische Gesamtverband am Donnerstag in seinem Armutsbericht 2019. "Im Armuts-Ranking der Bundesländer ist Hessen binnen drei Jahren von Platz 3 auf Platz 7 nach unten abgerutscht", teilte der Sozialverband in Frankfurt mit. Der Bericht wurde in Berlin vorgestellt.

Die Armutsquote in Hessen stieg demzufolge zwischen 2015 und 2018 von 14,4 Prozent auf 15,8 Prozent. Damit liege sie erstmals über dem Bundesdurchschnitt von 15,5 Prozent. "Im Zehnjahresvergleich ist die Armutsquote in Hessen um fast ein Viertel gestiegen und damit so stark wie in keinem anderen Bundesland", berichtete der Verband. Hessen habe sich ausgehend von einer relativ guten Situation "auffallend schlecht entwickelt".

In Hessen gibt es dem Bericht zufolge auch eine überdurchschnittlich starke Spaltung in Arm und Reich. "Der Anstieg der Armut und das hohe Maß an Ungleichheit in Hessen sind alarmierend", sagte die Landesgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hessen, Yasmin Alinaghi. Sie forderte die Landesregierung auf, den Ursachen auf den Grund zu gehen und rasch gegenzusteuern.

"Schlicht nicht hinnehmbar" sei, dass in Hessen mehr als ein Fünftel aller Kinder in Armut aufwachsen. Die Quote bei den unter 18-Jährigen beziffert der Armutsbericht mit 21,1 Prozent. Der Statistik zufolge gehört Mittelhessen mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent zu den zwölf ärmsten Regionen in Deutschland. In den Ballungsräumen verstärkten die horrenden Mietpreise das Armutsrisiko.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) kündigte an, den Bericht zu prüfen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Dass sich Hessen gegen den Bundestrend entwickle "ist etwas, was mich nicht zufrieden sein lassen kann", sagte Klose am Rande der Landtagssitzung. Für den nächsten Landessozialbericht, der 2022 vorgelegt werden soll, werde man vor allem auf Alleinerziehenden schauen, "weil es leider so ist, dass alleinerziehend zu sein ein besonderes Armutsrisiko ist".

Armut wird in Deutschland über das Haushaltseinkommen und die daraus folgenden Möglichkeiten an gesellschaftlicher Teilhabe definiert. Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Für die Armutsquote wurden dem Bericht des Paritätischen zufolge alle Personen gezählt, die in Haushalten leben, deren Einkommen diese Grenze unterschreitet. Basis waren unter anderem bereits veröffentlichte Daten des Statistischen Bundesamts.

Die "Armutsschwelle" lag 2018 bei einer alleinstehenden Person bei einem Monatseinkommen von 1035 Euro, bei einem Paar ohne Kinder bei 1533 Euro. Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren gelten nach dieser Definition als armutsgefährdet, wenn sie weniger als 1346 Euro monatlich zur Verfügung haben. Bei einem Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren sind es 2174 Euro.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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