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Weniger Organspenden: Aufruf zur Beschäftigung mit dem Thema

Frankfurt am Main  

Weniger Organspenden: Aufruf zur Beschäftigung mit dem Thema

05.06.2020, 05:26 Uhr | dpa

Weniger Organspenden: Aufruf zur Beschäftigung mit dem Thema. Organspende

Ein Styropor-Behälter zum Transport von zur Transplantation vorgesehenen Organen wird am Eingang eines OP-Saales vorbeigetragen. Foto: Soeren Stache/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Angesichts des weiter dringenden Bedarfs an Spenderorganen hat Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) zur intensiven Beschäftigung mit dem Thema aufgerufen. "Jeder sollte für sich entscheiden, ob er Organe und Gewebe spenden möchte oder nicht", sagte sie vor dem Tag der Organspende (6. Juni) der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die Anzahl der Organspender im Freistaat ist in den ersten Monaten 2020 leicht gestiegen.

Nach der Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) haben bis Ende Mai 32 Menschen nach ihrem Tod Organe für schwerkranke Patienten zur Verfügung gestellt. Im gleichen Zeitraum 2019 waren es nur 28. Die Anzahl gespendeter Organe liegt mit 91 um sieben über dem Vorjahreswert. Allerdings wurden nur 68 Organe und damit zehn weniger als bis Ende Mai 2019 übertragen, ohne Lebendspenden.

Nach Angaben der Geschäftsführenden Ärztin in der DSO-Region Ost, Katalin Dittrich, war nach der öffentlichen Debatte um die doppelte Widerspruchslösung zur Verbesserung der Lage keine schnelle Trendwende bei der Spendenbereitschaft zu erwarten. Auch in Sachsen müsse weiter daran gearbeitet werden. "Für 2020 kann man aber sagen, wir sind besser als 2019, trotz Covid-19." Der aufgrund der Pandemie befürchtete Einbruch sei ausgeblieben.

Nach Einschätzung von Dittrich haben die öffentlichen Debatten das Thema Organspende bewusster gemacht. "Aber die Menschen können diese Dringlichkeit, dass andere ohne Spenderorgan sterben, nicht persönlich nachvollziehen, oft ist das Thema für sie einfach zu weit weg." Neben dem Unwissen gebe es immer noch Vorurteile, die Menschen vom Nachdenken über das Thema abhalten. Angehörige verstorbener Organspender müssten sich teils sogar rechtfertigen. "Wir brauchen in der Gesellschaft mehr Wertschätzung und Dankbarkeit ihnen gegenüber."

Ende Mai standen 443 Patienten in Sachsen auf den Wartelisten von Eurotransplant, der Vermittlungsstelle für Organe. "Vielen von ihnen müssen lange in Ungewissheit warten, einige sterben, bevor sie transplantiert werden können", sagte Dittrich. 2019 stellten nach Ministeriumsangaben insgesamt 66 Spender 205 Organe zur Verfügung und 181 Organe wurden transplantiert. "Die Organspende rettet in viele Fällen Leben und hilft Menschen, wieder gesund zu werden", sagte Köpping. Es würden dringend mehr Spenderorgane gebraucht und Jeder könne in diese Lage kommen. "Ich appelliere an jeden, sich auch innerhalb der Familie mit der Frage der Organspende zu beschäftigen oder Beratung zu suchen."

Lebensrettende Organspenden sind in Deutschland nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Um mehr Bürger dazu zu bewegen, konkret über eine Spende nach dem eigenen Tod zu entscheiden, wird auf mehr Aufklärung gesetzt. Alle Bürger sollen mindestens alle zehn Jahre direkt auf die Organspende angesprochen werden, Hausärzte Patienten auf Wunsch alle zwei Jahre darüber informieren und zum Eintragen ins Register ermuntern.

Bundesweit gingen die Zahlen der Spender und Spenden 2019 laut DSO leicht von 955 auf 932 sowie von 3110 auf 2995 zurück. Im Vergleich zu den ersten fünf Monaten 2019 liegt die Zahl der Organspenden mit 1300 um 46 und die der Spender mit 410 um 31 höher. Zudem wurden 21 Organe mehr transplantiert - 1331. Ende April standen 8995 Namen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan, dabei brauchen die meisten Patienten eine Niere.

Mit dem Tag der Organspende wird seit 1963 alljährlich am ersten Samstag im Juni allen Organspendern gedacht und deren Angehörigen gedankt. Zudem soll über das Thema aufgeklärt und dafür geworben werden, sich mit Organspende zu beschäftigen. Wegen der Schutzmaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie findet er 2020 erstmals online statt - aber auch mit Veranstaltungen und Aktionen.

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